Studie: Corona macht Hotelbetten sauberer

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Für die im Jahr 2019 erstmals vorgestellte Studie über Hygiene in Hotelbetten wurde nun eine Fortsetzung veröffentlicht. Für diese wurden die Daten von mehr als 100 Hotelbetten ausgewertet und mit Hygienedaten aus der Zeit vor Corona verglichen.

Wie Cost & Logis berichtet, wurden dafür in 40 Städten Deutschlands und der Schweiz Hotels über alle Kategorien hinweg getestet – inklusive eines Schlafwagens. Vom einfachen Landhotel mit einer Zimmerrate von 65 Euro inklusive Frühstück bis hin zum Luxushotel für 642 Euro für eine Übernachtung. Erfasst wurden pro Hotel-Bett bis zu 40 verschiedene Daten, unter anderem betreffend Ausstattung, Schlafkomfort und Nachhaltigkeit.

Zur Verifizierung von Messmethode und Vorgehensweise wurden zudem einzelne Tests in Zeitabständen von mehreren Monaten wiederholt. Auch wurden Ergebnisse innerhalb von Hotel-Gruppen beziehungsweise Ketten gezielt miteinander verglichen. Auf Basis dieser Untersuchungsergebnisse wurden in der Cost & Logis für Deutschland sowie Hotelier für die Schweiz einzelne Hotels und ihre Testergebnisse vorgestellt. Ebenso konnten 2020 und 2021 erste Hotels mit einem Award für überragende Leistungen beim Hotel-Bett ausgezeichnet werden, der in den Kategorien Clean (Sauberkeit), Smart (individueller Schlafkomfort) und Green (Nachhaltigkeit) verliehen wird. Denn Ziel dieser Studie ist es, die Themen Schlaf und Hotel-Bett stärker in der Branchen-Wahrnehmung zu verankern und aufzuzeigen, welches Potenzial sich damit verbindet, aber auch welches Risiko. Potenzial, das die meisten Hotels links liegen lassen und Risiken, die oft aus Unwissenheit eingegangen werden.

Die erste Frage, die sich bei der Fortsetzung einer Studie stellt ist, ob die vergrößerte Datenmenge das Ergebnis verändert und ob eine mögliche Veränderung auch aus den Ereignissen im Zeitablauf resultiert. Bei den ermittelten Durchschnittswerten, betreffend der Hygiene (gemessen in koloniebildende Einheiten, KbE), gab es zwar zum Teil deutliche Veränderungen. So erhöhte sich zum Beispiel der Durchschnittswert bei der Bettwäsche fast um den Faktor 2, während sich die Werte für die Encasings/Schutzbezüge bei Kissen um knapp 40 Prozent verbesserten (siehe Tabelle 1). Doch sonst bewegten sich die Daten auf vergleichbarem Niveau und in der Summe der Kernelemente gab es keinen signifikanten Unterschied beim Hygiene-Durchschnitt.

Corona hat für einen Hygieneschub auch beim Bett gesorgt

Deutliche Veränderungen gab es jedoch in der Verteilung der Hotels nach Hygieneklassen (siehe Tabelle 2). Und dies kann als Folge des gesteigerten Hygienebewusstseins interpretiert werden, das sich durch die Hygiene-Maßnahmen während der Pandemie (die noch nicht vorbei ist) entwickelt hat. Während es in den Auswertungen 2019 lediglich 38 Prozent der Hotels schafften, besser als der Durchschnitt zu sein (Hygieneklassen 1 und 2), sind es nun markante 51 Prozent.

Dafür ist die mittlere Hygieneklasse 3 von 43 Prozent 2019 auf nun 29 Prozent geschrumpft, während die letzten beiden Hygieneklassen 4 und 5 stabil um die 20 Prozent liegen, jedoch auch hier mit einer deutlichen Verschiebung zugunsten der Hygieneklasse 4. Aber auch bei dieser positiven Entwicklung bleibt es bei der nüchternen Erkenntnis, dass lediglich 50 Prozent der Hotels einen guten Job machen – und die anderen 50 Prozent einen besseren machen könnten. Da es aber keine verbindlichen Vorgaben im Sinne von Hygiene-Richtlinien gibt, was beklagenswert ist, kann bei diesen 50 Prozent nur auf die Einsicht gehofft werden, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Gästen auch beim Hotel-Bett irgendwann einmal gerecht werden. Denn wenn es sauberer geht, warum es dann schmutziger lassen?

Mit Sternen ist es sauberer

Die Zahl der Sterne im Rahmen einer Hotel-Klassifizierung sagen, auch ein Fazit der Studie, grundsätzlich nichts über die Hygiene aus. So sind bei den saubersten wie den schmutzigsten auch jeweils Vertreter der Fünf-Sterne-Superior-Kategorie. Aber die Tatsache einer Klassifizierung hat offenkundig eine positive Relevanz auf den Grad der Hygiene. So stehen 24 der 25 saubersten Hotel-Betten in klassifizierten Hotels, wohingegen das untere Ende der Skala von nicht klassifizierten Hotels dominiert wird, wenn auch knapp. Aber die Tatsache, sich einer umfangreichen wie anspruchsvollen Klassifizierung zu stellen, die das Thema Bett-Hygiene im Kriterienkatalog zumindest berücksichtigt, wenn auch noch steigerungsfähig, was im Sinne der Gäste durchaus wünschenswert wäre, führt im Durchschnitt zu deutlich besseren Ergebnissen.

Matratzenschutz weiterhin Hygiene-Schlußlicht

Unverändert die Sorgenkinder im Hotel-Bett sind Matratze und Matratzenschutzbezüge (Encasings). Es bestätigt sich, dass Encasings die Matratzen nicht zuverlässig vor Verschmutzung schützen können und selber ein großes Hygieneproblem sind (siehe Tabelle 3). Das hängt damit zusammen, dass der Einsatz der Encasings nach wie vor falsch verstanden und entsprechend falsch gehandhabt wird, zum Leid der Gäste. Das Encasing ist nicht dazu da, die Matratze vor dem Gast zu schützen, sondern den Gast vor dem vorherigen Gast. Daher wäre auch für das Encasing eine regelmäßige und noch häufigere Reinigung als bei der Matratze dringend geboten.

Anders als eine Matratze kann das Encasing, in vielen Fällen nicht viel mehr als eine etwas bessere Plastikfolie, keinen Schmutz absorbieren. Ganz zu schweigen von den vielen negativen Effekten neben den Hygienerisiken, wie Verschlechterung des Schlafkomfort, Schwitzeffekt, Geräuschpegel und so weiter, gehört das Encasing aber ganz offensichtlich zur Standardausstattung, da 90 Prozent aller getesteten Betten mit einem solchen Matratzenschutz ausgestattet waren. Aber auch nur 23 Prozent aller Matratzen waren mit einem abnehmbaren Bezug ausgestattet (siehe Tabelle 4), Grundvoraussetzung sowohl für eine richtige Reinigung der Matratze als auch Basis für mehr Nachhaltigkeit. Mit dem Encasing für Matratzen, so das Fazit, haben sich leider viele Hotels ihren Hygiene-Durchschnitt unnötig verdorben.

Weniger ist mehr

Den Hygiene-Durchschnitt im Bett kann man sich aber auch mit solchen Zutaten verderben, die rein der Optik dienen. Speziell Zierkissen und vor allem Tagesdecken (siehe Tabelle 3), oft nur für den visuellen Gesamteffekt beschafft und ohne praktischen Nutzen für den Gast, sind selten leicht zu reinigen, wenn überhaupt, und hygienisch betrachtet oft ein Desaster. Gerade weil diese Heimtextilien nur Zierde sind, fallen sie oft genug im Hygiene-Management des Housekeepings durch das Raster.

Da sie sich aber auf dem Bett befinden und man keinen Einfluss darauf hat, was die Gäste damit alles anstellen – und die machen alles Mögliche damit – werden diese bei der Hygiene-Auswertung logischerweise berücksichtigt. Wer darauf verzichtet und mit dem Grundsatz „weniger ist mehr“ leben kann, katapultiert sich damit gleich eine Hygieneklasse höher. Auch zusätzlich angebotene Kissen, die nicht zur Standardausstattung des Zimmers gehören (Stichwort Kissenmenü) weisen Hygienedefizite auf. Dies vor allem dann, wenn sie nicht waschbar sind. Gerade weil sich bei den Gästen das Kissenmenü aber einer immer größeren Beliebtheit erfreut, ließe sich dieses Hygiene-Manko leicht lösen, indem auf Waschbarkeit geachtet und auch eine regelmäßige Reinigung durchgeführt wird.

Zahnputzbecher bitte richtig herum

Im Laufe der Studie wurden weitere Objekte im Umfeld des Bettes mit einbezogen, um ein besseres Licht auf das Hygiene-Management werfen zu können. So ist es beruhigend zu wissen, dass in der Regel vorhandene Zahnputzbecher oder -gläser meist sauberer sind als die Toilettenbrille. Aber auch hier gibt es Ausreißer, die selbst schmutzige Toilettenbrillen hinter sich lassen (siehe Tabelle 4). Neben einem konsequent angewendeten Farbsystem sowie der dafür erforderlichen Zahl an Putzlappen ließe sich die Hygiene auch dadurch signifikant steigern, den Becher ganz simpel mit der Öffnung nach unten abzustellen. Es ließe sich eine Öffnung nach oben auch verschließen, doch würde dies zum Beispiel den Einsatz eines Papp- oder Papierdeckels erfordern, worauf aus Gründen der Nachhaltigkeit verzichtet werden sollte.

Nüsse lieber mit links

Auch die Fernbedienung, ohnehin schon immer etwas kritisch gesehen, erweist sich als Schmutzfalle. Nicht so schlimm wie befürchtet, aber schlimm genug, um hier auf Abhilfe zu dringen. Das wäre mit sauberen Lappen samt einer Portion Desinfektionsmittel einfach zu erreichen, wird aber von den wenigsten richtig ausgeführt. Gerade mal 15 Prozent der untersuchten Hotels führt hier eine korrekte Reinigung durch. Der Gast kann dem natürlich durch arbeitsteiligen Einsatz seiner Hände entgegenwirken, indem er festlegt, mit welcher Hand er Nüsse oder Chips aus der Minibar dem Mund zuführt und mit welcher er die Fernbedienung hält.

Beim Schlafkomfort noch viel Luft nach oben

Hygiene war jedoch nicht der einzige Aspekt bei der Studie, die nun weiter ausgewertet wird. Auch der Schlafkomfort wurde untersucht. Dabei zeigte sich, dass Box-Spring mit 70 Prozent Präsenz (siehe Tabelle 4) immer noch erste Wahl ist, zumindest optisch. Denn bei genauerem Hinsehen erwiesen sich etliche Box-Spring-Betten als simple, stoffbezogene Sperrholzkästen, ohne jeglichen Federungs- und damit Schlafkomfort. Da sind jene sieben Prozent der Hotels ehrlicher, die gleich die Matratze auf ein Brett legen und auf den Stoff darüber verzichten. Auch bei Kissen und Zudecken wird gerne gespart, bisweilen aber auch aus Unwissenheit. Denn bezogen auf die Kosten für eine Hotelzimmer sind die Investitionen in ein gutes Hotel-Bett und dessen Unterhalt gering. Gäste spüren aber sofort den Unterschied und wissen ihn zu würdigen.

Fazit: Hotel-Betten werden sauberer – bleiben sie es aber auch?

Aus den gewonnenen Daten lässt sich ableiten, dass das Thema Hygiene sehr wohl stärker wahrgenommen wird, was aber auch am Corona-Effekt liegen kann. Somit stellt sich die Frage, ob das bei vielen Hotels verbesserte Hygiene-Niveau gehalten werden kann oder wieder einknickt, wenn der allgemeine Hygiene-Hype nachlässt. Wesentlich neben den Bettwaren ist hier das Personal, denn ohne ist eine gute Pflege der Betten schlichtweg nicht möglich. Und genau das ist derzeit das größte Problem der Hotellerie, weshalb die Hoffnung, das Hotel-Bett stärker in den Fokus zu bringen, erstmal nur Hoffnung bleiben wird, denn das Personalproblem ist das dringlichere. Gleichwohl leisten viele Hotels bereits heute schon eine vorzügliche Arbeit. Unterstützung bietet hierbei der kostenlose www.hotel-betten-check.de, wo Hotels ihre Leistungen beim Hotel-Bett auf Stärken und Schwächen überprüfen und sich für einen Award 2022 bewerben können.


 

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