Aktionäre trinken mit: Das Geheimnis von Walder-Bräu

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Während die Bierbranche ächzt, hat eine kleine Brauerei in Oberschwaben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Bei Walder-Bräu gibt es Bier als Dividende und die Leute im Ort identifizieren sich mit «ihrer Brauerei». «Wir sind das gallische Dorf in der Branche», scherzt der kaufmännische Vorstand Franz Gassmann. Walder aus Königseggwald im Kreis Ravensburg sei eben «sehr speziell». 

Die Brauerei mit ihren etwa 20 Mitarbeitern und einer wechselnden Zahl an Teilzeitkräften und Aushilfen sowie rund 2,5 Millionen Euro Umsatz existiere nur noch, weil sie von etwa 1.700 Aktionären mitgetragen werde. «Im Jahr 1999 stand die Brauerei kurz vor dem Aus», erinnert sich Gassmann. Die Banken wollten kein Geld mehr in den angeschlagenen Betrieb stecken. So sei die Idee mit der Aktiengesellschaft geboren. Und tatsächlich: In kurzer Zeit sammelte Walder 1,25 Millionen Euro an frischem Kapital ein. 

Aktionäre bekommen Rabatt 

Jeder «Bürgeraktionär» darf seit 2003 höchstens 50 Anteile zu 500 Euro halten. Das soll verhindern, dass Wenige die Zukunft von Walder bestimmen können. Die Rechte der Aktionäre sind überschaubar. Sie bekommen zehn Prozent Rabatt auf ihre Einkäufe. Und eine Dividende wird buchstäblich ausgeschüttet: in Bier. «Das freut natürlich unsere Aktionäre in Stuttgart oder der Schweiz weniger», räumt Gassmann ein. Dennoch holten viele sich Ihre Dividende persönlich ab. Dafür geht der Vorstand mit ihnen anschließend zum Mittagessen. 

Die Brauerei, die es seit dem Jahr 1822 gibt, sei mehr als nur Getränke-Produzent. Viele identifizierten sich in dem 700-Einwohner-Ort mit «ihrer Brauerei». Als die Banken das Geld für eine neue Kühlanlage verweigerten, standen private Geldgeber bereit, damit Walder die Investition von 350.000 Euro stemmen konnte. «Die Hälfte haben wir mit zwei Prozent Zins schon wieder zurückbezahlt», sagt der Chef. 

Hauptversammlungen sind meist schnell vorbei 

Die Hauptversammlungen bei Walder zählten zu den Top-Ereignissen in Königseggwald. «Wir kombinieren das mit dem Fest des Musikvereins», erklärt Gassmann. Am Wochenende zu Fronleichnam bekommen die Musiker das Festzelt der Brauerei gestellt, dafür sorgen diese für die Unterhaltung und Bewirtung der Aktionäre. Wenn die eintreffen, verdoppelt sich schlagartig die Zahl der Menschen im Ort. «Diesmal waren gut 800 Leute da.» 

Die Aktionäre seien sehr daran interessiert, dass der offizielle Teil der Hauptversammlung rasch abgeschlossen sei, berichtet er schmunzelnd. Das Freibier lockt. Zu diskutieren gibt es ohnehin nicht viel: Die Brauerei schreibt schwarze Zahlen, was derzeit alles andere als einfach ist. Denn auch bei Walder spürt man, dass die Menschen weniger Alkohol trinken und seltener Gaststätten besuchen. 

Branche in der Krise 

Die Menschen in Deutschland trinken immer weniger alkoholhaltiges Bier, die deutsche Bierproduktion geht schon seit Jahren kontinuierlich zurück. Einen Absatzeinbruch wie in der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Brauer jedoch noch nicht erlebt: 3,9 Milliarden Liter Bier mit Alkohol bedeuten zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang um 6,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Ähnliche Rückschläge hatte es nur zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 und im zweiten Halbjahr 2023 gegeben. 

In vielen Brauereien sieht es kaum besser aus als in den Kneipen: Nach dem Corona-Schock wurden sie von stark steigenden Energiepreisen kalt erwischt. Gas und Strom sind beim Bierbrauen ein wichtiger Kostenfaktor. Auch die Rohstoffe und die Lohnkosten sind deutlich teurer geworden. 

Knapp 100 kleine und mittlere Betriebe haben nach Angaben des Brauer-Bundes in den vergangenen fünf Jahren bereits aufgegeben, während Branchenriesen wie Radeberger große Braustätten wie die Binding-Brauerei in Frankfurt geschlossen haben. Doch der Markt ist bei knapp 1.500 verbliebenen Brauereien nach wie vor von großen Überkapazitäten geprägt, was dem mächtigen Einzelhandel die Preisverhandlungen weiterhin leicht macht. 

Bier bei Walder weiter hochprozentig 

Wie die Konkurrenz haben auch die Königsegger reagiert: Ein gutes Drittel der Produktion ist inzwischen alkoholfrei – nur das Bier nicht. Eine Sorte ohne Prozente anzubieten, sei in dem umkämpften Markt nicht sinnvoll, sagt Gassmann. Die Zahlen bestätigen den Kurs. Trotz Krise der Branche liegt Walder aktuell nur 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. 

Auf einen Preiskampf mit der Konkurrenz will sich der Chef nicht einlassen: «Die Leute schätzen unser Produkt und kaufen es, auch wenn es etwas teurer ist.» Die Rohware kommt von Bauern aus der Umgebung: Den Hopfen bezieht die Brauerei aus dem benachbarten Tettnang und das Wasser zieht Walder aus einem eigenen Brunnen. Die Mälzerei ist schon länger geschlossen. Das übernimmt ein externer Betrieb. 

Die meisten Kunden wohnen in der weiteren Umgebung. Aber auch Händler auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und im Großraum Stuttgart haben die Produkte der Brauerei sowie dessen zugekaufte Handelsware im Sortiment. (mit dpa)


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