Alkoholfreier Wein – Nachfrage steigt, Enttäuschung nimmt ab

| Industrie Industrie

Alkoholfreier Wein kann eine Enttäuschung sein, selbst wenn er nicht wie Traubensaft schmeckt. Nach Bier und Sekt ohne Prozente ist der entalkoholisierte Rebensaft aber immer stärker gefragt - und auf dem Markt tut sich viel.

Bouquet- und Aromarebsorten eignen sich nach Einschätzung des Kellermeisters von Kolonne Null besonders für Weine ohne Alkohol. «Nur aus gutem Wein kann alkoholfreier werden», ist Felix Fischer von dem Berliner Unternehmen überzeugt. Seit mehr als vier Jahren entalkoholisiert es ausgewählte Weine aus Europa und forscht in einem eigenen Labor am Geschmack. Immer mehr Weingüter, Winzergenossenschaften und Handelskellereien bieten entalkoholisierte Weine an, wie Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut berichtet. So oft wie prickelnde alkoholfreie Schaumweine werden sie aber noch nicht ausgeschenkt.

Der Anteil von Riesling, Rosé oder Cuvées ohne Prozente lag 2022 nach Büschers Schätzungen noch bei unter einem Prozent am gesamtdeutschen Weinkonsum. «Allerdings mit wachsender Tendenz, wie nahezu alle Anbieter berichten.» Im Lebensmitteleinzelhandel habe der Absatzzuwachs 2022 bei etwa 18 Prozent gelegen. Absolute Zahlen dazu gibt es aber nicht.

Eine Prognose vom Marktforschungsinstitut IWSR lasse aber immerhin ein jährliches Wachstum von sieben Prozent erwarten, sagt Michael Degen von der Düsseldorfer Messe GmbH, Veranstalter der international führenden Weinfachmesse ProWein. «No and Low Alcohol» sei ein wichtiger Trend. «Man kommt da überhaupt nicht mehr dran vorbei.» Ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein und ein verändertes Konsumverhalten der jungen Generation haben die Messe-Veranstalter als Treiber des Trends ausgemacht.

«Neben den Jüngeren fragen auch viele Frauen nach alkoholfreiem Wein», berichtet Verkaufsleiter Wilhelm Keicher von der Genossenschaftskellerei Heilbronn. Frauen greifen auch nach einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen aus dem Jahr 2020 lieber zu alkoholfreiem Wein als Männer (60 bis 66 Prozent).

Dazu kommen «Leute, die gerne was Weiniges trinken, aber wo der Arzt gesagt hat, es wäre gut, wenn sie keinen Wein mehr trinken würden», sagt Keicher. Zwischen 80 000 bis 100 000 Flaschen mit alkoholfreiem Wein verkaufe die Einzelgenossenschaft im Jahr, sechs bis acht Prozent der gesamten Produktion.

«Riesling ist einer der Bestseller», sagt Firmenmitbegründer und CEO Philipp Rößle von Kolonne Null. Ungefähr 700 000 Flaschen verkaufen die Berliner nach eigenen Angaben inzwischen - doppelt so viel wie zu Beginn. «Der Mangel an einem vernünftigen alkoholfreien Essensbegleiter», hat Rößle, der eigentlich aus der Kunst kommt, auf die Geschäftsidee gebracht.

«Alkoholfreie Weine werden zum Teil sehr rational gekauft», berichtet Marian Kopp, Geschäftsführer der Genossenschaft Lauffener Weingärtner. «Man will mittrinken bei einer Tischgesellschaft, aber keinen Alkohol.» Oft sei alkoholfreier Wein aber noch eine große Enttäuschung. «Wir lernen gerade wie die Bier-Branche gelernt hat, die uns 40 Jahre voraus ist», sagt Kopp. «Wir sind jetzt da, wo die Enttäuschung rapide abnimmt.»

«Viele Menschen, die beim Weingenuss auf den Alkohol verzichten möchten, glauben, dass man stattdessen Traubensaft trinken könnte», sagt Büscher. «Doch der beinhaltet nur die fruchtigen Aromen aus den Trauben.» Ihm fehle der «weinige» Geschmack, der erst durch die Gärung entstehe.

Entalkoholisierter Wein schmecke dank neuer Technologien und Prozessoptimierungen viel besser als noch vor einigen Jahren, sagt Büscher. «So geschieht die Entalkoholisierung der Weine mittlerweile sehr aromaschonend bei relativ niedrigen Temperaturen von unter 30 Grad Celsius durch Vakuumdestillation oder auch in einer Schleuderkegelkolonne.»

Die deutschen Hersteller seien bei der Herstellung international führend. Etwa 15 Prozent des Volumens des Weins gingen bei der Entalkoholisierung verloren sagt Büscher auch mit Blick auf die Preise.

Für den Geschmack sei es wichtig, auf aromastarke Rebsorten und gute Qualitäten zu achten, damit möglichst viel Aromastoffe in das Fass und die Flasche übergehen könnten, sagt Büscher. So lasse sich der fehlende Alkoholanteil im Wein ein Stück ausgleichen. «Denn Alkohol ist ein Geschmacksträger, wie das Fett im Essen.»

«Die Branche möchte mit dem Endprodukt so nah wie möglich an den Wein ran», sagt Büscher. Um das Aroma das Ausgangsprodukts noch besser zu treffen, wird viel probiert. Dazu gehört auch der Zusatz von fruchtigen Aromen, Vanille oder Verjus - ein saurer Saft aus ausgepressten unreifen Trauben. «Mit Fruchtwein hat das nichts zu tun», betont Büscher. «Es ist ja 99,9 Prozent Wein.»

Limone lässt sich beim alkoholfreien Riesling mit Rivaner der Lauffener Weingärtner schmecken. Die Manufaktur Jörg Geiger aus dem baden-württembergischen Schlat setzt auch auf Blüten und Kräuter. Probiert werden auch aufwendige Verfahren, bei denen das Aroma des destillierten Alkohols zurückgewonnen und dem entalkoholisierten Wein zugesetzt wird, wie Büscher berichtet.

Rechtlich muss der Wein «entalkoholisiert» heißen, denn er darf noch maximal 0,5 Volumenprozent haben. In diesem Jahr wurde er ins Weingesetz aufgenommen. Die Weine, denen nach dem Entzug des Alkohols Aromen zugesetzt werden, fallen nicht darunter. Sie heißen etwa alkoholfreies Mischgetränk auf der Basis entalkoholisierten Weins oder entalkoholisiertes aromatisiertes weinhaltiges Getränk.

Gefragt seien Weine ohne oder mit wenig Alkohol vor allem zu besonderen Anlässen, außer Haus, zu einem guten Essen und bei Tagungen, heißt es in der Branche. «Meine Prognose ist, dass in fünf bis zehn Jahren jedes Weingut, so wie es heute einen Secco oder Sekt hat, dann einen alkoholfreien Wein im Sortiment hat», sagt Büscher. (dpa)


 

Meldung vom 20.3.2023, 18:22

Alkoholfreier Wein - Sängerin Kylie Minogue setzt auf den Sober-Trend

Sängerin Kylie Minogue (54) macht sich für ein größeres Angebot an alkoholfreiem Wein und Sekt stark. «Es gibt so viele Menschen, die sich diese Option wünschen - Leute aus meiner Band, Sänger, schwangere Frauen, Menschen, die generell keinen Alkohol trinken», sagte sie am Montag in Düsseldorf am Rande der Messe ProWein der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb biete sie selbst nun auch eine alkoholfreie Sekt-Variante an. Der Sober (Nüchtern)-Trend hat etwa in den USA jede Menge alkoholfreie Bars entstehen lassen.

«Es ist nicht einfach, einen guten alkoholfreien Wein zu machen», sagte Minogue. Die Sängerin hat laut Messeangaben unter ihrem Namen bereits mehr als acht Millionen Flaschen Wein, Rosé und Prosecco verkauft. Mit dem alkoholfreien Sekt habe sie einen Preis gewonnen.

Sie beschäftige sich viel mit dem Design der Marke und der Weinflaschen, verriet die weltberühmte Sängerin. «In einem anderen Leben wäre ich vielleicht Grafikdesignerin geworden», sagte sie.

Die Nachfrage nach alkoholfreien Weinen in Deutschland ist laut Marktforschungsinstitut IWSR steigend. Keiner oder wenig Alkohol ist auch der Weinfachmesse ProWein ein wichtiger Trend. Ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein und ein verändertes Konsumverhalten der jungen Generation haben die Messe-Veranstalter als Treiber des Trends ausgemacht.

«Es ist ohne Zweifel auch ein wachsender Wirtschaftszweig, das war aber nicht, was mich motiviert hat. Ich dachte nur: Ich möchte die Option haben - für meine Freunde, Familie und Menschen, die von meiner Marke wissen», sagte Minogue.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Vom 8. bis 12. März 2024 schlägt die Internorga ein weiteres Kapitel ihrer Geschichte auf. Knapp zehn Monate vor dem nächsten Event verzeichnet die Messe großes Interesse: Bereits zwei Drittel der ausstellenden Unternehmen haben sich für 2024 wieder angemeldet.

Das Fleisch der japanischen Wagyu-Rinder gilt dank seines intramuskulären Fetts als edel und wird in der gehobenen Gastronomie gerne serviert. Die Inflation dämpft allerdings derzeit die Entwicklung. Langfristig haben die Züchter große Hoffnungen.

Bayern hat eine neue Bierkönigin. Bei der Wahl am Donnerstagabend in München setzte sich die 24-jährige Mona Sommer aus Weitnau (Landkreis Oberallgäu) gegen fünf weitere Finalistinnen durch. Der Titel geht damit an eine Frau vom Fach, denn Sommer ist Brauerin und Mälzerin.

Erstmals fand Mitte Mai ein Dreiländer-Turnier der Weinelf-Teams aus Österreich, der Schweiz und Deutschland statt. In Wasserburg am Bodensee setzte sich das deutsche Team gegen die Schweiz und Österreich durch. Dann wurde gefeiert.

Pressemitteilung

Zwei Cafés und ein Tourismusverband in Österreich zeigen, wie Gastronomen und Eventveranstalter von heatme-Heizkissen profitieren können. Körpernahe Wärme und mehr Komfort an kalten Tagen steigern den Umsatz.

Der Spirituosenhersteller Pernod Ricard will seine Alkoholika nicht mehr in Russland verkaufen. Ende April habe man den Export aller internationalen Marken gestoppt, teilte der Konzern mit Sitz in Paris am Freitag mit. Das Unternehmen bietet unter anderem Jameson, Absolut und Havana Club an.

Die Haus Cramer Gruppe investiert rund 20 Millionen Euro in die Herforder Brauerei. Dieser Betrag werde in den kommenden zwei Jahren in die ostwestfälische Brauerei fließen, teilte die Haus Cramer Gruppe mit. Künftig könnten dort auch Biermischgetränke und alkoholfreie Getränke abgefüllt werden.

Ob Tofuwurst, Sojabratling oder Veggie-Burger – der Markt mit den vegetarischen oder veganen Alternativen zum Fleisch legt nach wie vor zu. Im Jahr 2022 produzierten die Unternehmen hierzulande im Vergleich zum Vorjahr 6,5 Prozent mehr.

BrewDog und Aldi Süd setzen ihre Partnerschaft in Deutschland fort. Nach vier gemeinsamen Aktionen in den vergangenen beiden Jahren wird es auch in 2023 ein gemeinsames, exklusiv gebrautes Bier geben.

Anfang 2008 erhöhten viele Brauereien fast im Gleichschritt die Preise. Gut fünf Jahre später verhängte das Bundeskartellamt wegen verbotener Preisabsprachen hohe Geldbußen gegen die Brauer. Jetzt muss auch die Brauerei Carlsberg eine Geldbuße in Höhe von 50 Millionen Euro berappen.