Pommes-Crash, Gemüse teurer: Corona und die Agrarmärkte

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Masken und Abstandsregeln im Supermarkt, Kantinen und Restaurants seit Wochen dicht: Die Corona-Krise versetzt auch das Geschäft mit Lebensmitteln in einen Ausnahmezustand. Nach einer Phase mit Hamsterkäufen und größeren Lücken in den Regalen spielt sich ein neuer Alltag auf dem Markt ein. Landwirten und Verarbeitern bringt das neue Unwägbarkeiten. Wichtige Großabnehmer sind vorerst weg, mit Transporten und Erntehelfern ist es schwieriger. Dazu warten Bauern in manchen Regionen auf Regen. Verbraucher müssen für viele frische Lebensmittel mehr bezahlen - aber nicht allein wegen der Pandemie.

«Die Marktsituation ist außergewöhnlich - Umsatzrekorde in den Supermärkten auf der einen, die komplette Schließung der Gastronomie auf der anderen Seite», sagte der Generalsekretär des Bauernverbands, Bernhard Krüsken, der Deutschen Presse-Agentur. Landwirte müssten sich auf Unsicherheiten einstellen, solange die allgemeine Konjunktur schwächele. «Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist aber nicht grundsätzlich eingebrochen.» Die großen Handelsketten stünden nun mit ihrer Einkaufsmacht in der «Mitverantwortung, eine Wertevernichtung wie in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 zu vermeiden».

Dabei hat die Corona-Krise weiter Folgen quer über die Produkte, wie ein neuer Marktbericht des Bauernverbands mit Stand Ende April zeigt.

MILCH: Vor allem Trinkmilch, Quark und Käse verbuchen in den Supermärkten Umsatzrekorde, heißt es in der Analyse, die der dpa vorliegt. «Bevorratungskäufe» mit Milchprodukten flauten aber nun ab. Absatz zur Gastronomie gebe es de facto weiterhin nicht. Auch deshalb gingen Preise vor allem für Butter und einige Käsesorten runter. Im Einzelhandel gibt es nach ersten Verhandlungen aber Signale für ein Preisplus für Trinkmilch fürs nächste halbe Jahr. Der Erzeugerpreis für die Bauern liegt derzeit mit etwa 33 Cent je Kilogramm Milch auf dem Niveau des mehrjährigen Mittels. Stärker gefragt ist Bio-Milch.

SCHWEINEFLEISCH: Bei Schlachtschweinen treten negative Folgen der Krise immer stärker zu Tage, wie es im Bericht heißt. Den Wegfall eines Großteils der Gastronomie könne der Einzelhandel nicht voll ausgleichen. Die beginnende Grillsaison bringt noch keine kräftigen Impulse. Auch der Export läuft bei weitem nicht so stark wie erhofft. Zwar habe China weiter großen Bedarf an Schweinefleisch, setze Exporteure aber unter Preisdruck - und da bereite deutschen Vermarktern vor allem «extrem günstige Ware» aus den USA Probleme.

GEFLÜGELFLEISCH: Wichtige große Bestellmengen aus Gaststätten und Kantinen fehlen, was für weite Teile des Marktes die Preise drückt. Da die laufende Produktion nicht ganz verkauft werden konnte, mussten «Übermengen» eingefroren werden. Das machte wiederum Kühlkapazitäten knapp. Ein Beispiel sind Hähnchenschenkel, die in der Dönerproduktion verwendet werden. Doch die sei weitgehend zum Ruhen gekommen.

GETREIDE: Leergeräumte Nudelregale haben viele Kunden noch vor Augen. Die hohe Weizennachfrage wegen solcher Hamsterkäufe habe sich aber deutlich abgeschwächt. Bange Blicke der Ackerbauern in vielen Regionen richten sich derzeit auf die Felder. «Ergiebiger Landregen im Mai bei gemäßigten Temperaturen ist unbedingt nötig, damit sich das Wintergetreide, Mais und Zuckerrüben noch gut entwickeln können», heißt es im Bericht. Gerade erst gesäter Mais keime in staubtrockenen Böden teils nicht. Wettersorgen gibt es auch beim Anbau von Gras als Tierfutter, wo schon «Erinnerungen an das Dürrejahr 2018» hochkommen.

OBST UND GEMÜSE: Bei Obst- und Gemüsebauern gebe es «einige Unruhen im Marktgeschehen», erläutern die Experten. Order des Handels kämen in Wellen, die Verbrauchernachfrage sei schwerer kalkulierbar. Gemüse werde aus Italien, Spanien und zunehmend den Niederlanden importiert. Heimische Äpfel seien gefragt, die Marktversorgung reiche wohl bis zur Ernte August/September. Bei wichtigen Saisonkräften fürs Ernten und Pflanzen habe sich die Lage entspannt - vorerst 80 000 Helfer aus Osteuropa können eingeflogen werden. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) mahnte nach einigen Verstößen, die Schutzauflagen einzuhalten.

KARTOFFELN: Das Geschäft mit Pommes frites ist abgestürzt. «Der faktische Wegfall des Außerhaus-Verzehrs bringt den Absatz in ganz Europa praktisch zum Erliegen.» Verarbeiter hätten die Produktion gestoppt oder planten es. Marktexperten schätzten einen «Überhang» an Fritten-Kartoffeln von zwei Millionen Tonnen in Nordwesteuropa - zum Vergleich: die ganze Kartoffelernte Deutschlands beträgt 10 Millionen Tonnen. Bei Speisekartoffeln sei eine Kaufwelle im Handel abgeebbt.

VERBRAUCHERPREISE: Die Nahrungsmittelpreise steigen schon seit einigen Monaten stärker als die allgemeine Inflationsrate - im April um vorläufig 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei gab es bei Gemüse einen Sprung um 26 Prozent, bei Obst um 14 Prozent, wie es im Marktbericht heißt. Hintergrund bei Obst seien überwiegend kleinere Erntemengen. Vor allem bei Gemüse aus Südeuropa zeigten sich aber Corona-Folgen: fehlende Erntehelfer und Logistik-Hindernisse. Dagegen sind Kartoffeln demnach nun viel günstiger. Die Preise für Schweinefleisch hält die Afrikanische Schweinepest in China hoch.


 

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