Saale-Unstrut: Kaum Aussicht auf Eiswein

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Im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut sind die Chancen auf Eiswein eher schlecht. Es fehlte bisher der nötige flächendeckende Frost, wie Weinbaupräsident Hans Albrecht Zieger der dpa sagte. Um die bei Weinkennern begehrte Rarität ernten zu können, sind Temperaturen von mindestens sieben Grad Minus nötig. Geerntet werden die gefrorenen Trauben in dem knapp 800 Hektar großen Anbaugebiet von Qualitätswein in Sachsen-Anhalt und Thüringen in der Regel in Handarbeit am Morgen. Aufwand und Ertrag müssten sich beim Eiswein für den Winzer auch lohnen, sagte Zieger.

Wegen der geringen Erntemenge bei der Lese im Herbst 2020 hätten sich die Weinbauern an Saale und Unstrut bis auf einzelne Betriebe dafür entschieden, keine Trauben für Eiswein an den Stöcken hängen zu lassen. Als Alternativen wurden hochwertige Auslesen produziert. Der langjährige Durchschnitt bei der Erntemenge an Wein im Anbaugebiet liegt nach bisherigen Angaben bei 5,2 Millionen Liter im Jahr.

Für den Jahrgang 2020 aber wurden weniger als 3 Millionen Liter Saale-Unstrut-Wein prognostiziert. «Denn die Trockenheit der letzten Jahre ist unser Problem», sagte der Weinbaupräsident. Dies führte dazu, dass mengenmäßig zu wenig Trauben für die Lese an den Rebstöcken gereift ist, diese angesichts von gleichzeitig viel Sonne sehr prall waren. Dies sei gut für die Qualität. Dennoch gilt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sonne und Regen, Feuchtigkeit und Wärme, als sehr wichtig für edle Tropfen.

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI/Bodenheim/Landkreis Mainz-Bingen) in Rheinland-Pfalz sind Eisweine die Krönung eines Weinjahrgangs. «Sie sind zeitlos und altern sehr, sehr langsam. Eiswein schmeckt auch nach 30 Jahren und älter», sagte ein Sprecher. Möglicherweise gebe es im Januar noch Frost, um in den deutschen Anbaugebieten noch Eiswein zu lesen. In der Nacht zum 11. Januar konnten Winzer vereinzelt bei bis zu Minus zehn Grad Celsius gefrorene Weintrauben für die Herstellung von Eiswein einbringen. Dazu zählten Weinbaubetriebe an der Nahe oder in Franken.

Im Thüringer Weingut «Sonnenburg» Bad Sulza gibt es indes in diesem Jahr keinen Eiswein, wie ein Sprecher sagte. «Das hat sich nicht gelohnt, bei der geringen Erntemenge 2020», sagte er. Aus einem früheren Jahrgang sei Eiswein im Sortiment des Weinbaubetriebes.

Mit Blick auf die Corona-Krise sagte der Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut (Freyburg), ein Teil der Absatzeinbußen durch den Wegfall von Veranstaltungen, Festen und Urlaubsreisen sei durch das Versandgeschäft mit Privatkunden und im Einzelhandel abgefedert worden. Die Schließungen von Betrieben in der Gastronomie und Hotellerie in Deutschland seien jedoch nicht spurlos an den Weinbaubetrieben vorbeigegangen.

Mit digitalen Angeboten wie per Video und Online-Verkostungen galt es neue Absatzgebiete und Kunden zu gewinnen. Deutschland hat 13 Anbaugebiete von Qualitätswein. Saale-Unstrut wirbt dabei mit mehr als 1000 Jahren Weinbau und Sortenvielfalt. Dazu gehören Müller-Thurgau, Silvaner, Riesling, Dornfelder, Portugieser und Burgunderweine. Weinliebhaber schätzen etwa die trockenen Qualitätsweine, die von Reben in terrassenförmigen in Handarbeit gelesen werden. An Saale und Unstrut wird seit mehr als 1000 Jahren Wein angebaut. (dpa)


 

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