Veltins kann Fassbierverluste wettmachen

| Industrie Industrie

Trotz eines schwierigen Marktumfeldes und eines deutlichen Ausstoßverlustes der deutschen Brauwirtschaft konnte sich die Brauerei Veltins der negativen Marktentwicklung im ersten Halbjahr entziehen und mit einem Ausstoß von 1,55 Mio. hl (+3,2 Prozent) Wachstumsimpulse mitnehmen. Zwar blieb das gastronomiegebundene Fassbiergeschäft mit einem Anteil von nur 4 Prozent erwartungsgemäß schwach, dafür konnte der Veltins-Markenmix im Handel überzeugen.

Mit Blick nach vorn werde man noch das gesamte nächste Jahr benötigen, um die Pandemie hinter sich zu lassen, und könne frühestens 2023 in Gastronomie und Handel wieder zur Normalität zurückkehren. "Die Risiken für die Konsumentwicklung sind wägbar, aber nicht zu unterschätzen. Die Brauereien müssen sich auf wettbewerbsintensive Zeiten einstellen", mahnte Veltins-Generalbevollmächtigter Michael Huber bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen.

"Markensegel richtig gesetzt und dann den Rückenwind genutzt"

Dass der Biermarkt bis Ende Mai um -6,0 Prozent schrumpfte und immerhin 2,08 Mio. hl verlor, ging am Halbjahresgeschäft der Brauerei Veltins zahlenmäßig weitgehend vorüber, stattdessen baute das Familienunternehmen seine Position weiter aus. "Wir haben in der rauen See unsere Markensegel richtig gesetzt und dann den Rückenwind genutzt", sagte Huber.

"Unser Vertrauen in den Biermarkt hat uns zur Offensivstrategie in Pandemiezeiten motiviert. Wir sind mit unserem Ausstoßzuwachs zufrieden, zumal wir damit an die Geschäftszahlen des Vor-Pandemiejahres anknüpfen." Das Fassbiervolumen gab während des monatelangen Lockdowns im Vorjahresvergleich um -37,5 Prozent nach. Dennoch zeigte sich die Marke Veltins Pilsener angesichts ihrer stabilen Präsenz als drittstärkste Premium-Marke bei den Gebinden Mehrwegflasche und Dose im Handel mit 1,03 Mio hl (+0,1 Prozent) von den Turbulenzen weitgehend unbeeindruckt.

Die stark an Events gekoppelte Biermix-Marke V+ verzeichnete mit -5,7 Prozent einen überschaubaren Rückgang, während die Marke Grevensteiner immerhin noch um 0,4 Prozent zulegen konnte, obwohl die Gastronomieabsätze ausblieben. Erfreulich sei die Entwicklung der fruchtig-naturtrüben Fassbrausen, die angesichts des Einkaufsverhaltens der Menschen um immerhin 28 Prozent wuchs.

"Wir beobachten während der Pandemie eine ausgeprägte Probierfreude der Verbraucher - die Shopper haben Lust auf Bier und Spezialitäten", so Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb. Gerade über den historischen Lockdown hinweg hätten sich die Menschen die Abwechslung ins Wohnzimmer geholt. Dr. Volker Kuhl: "Neue Produktimpulse konnten Wirkung entfalten wie die Entwicklung unseres hellen Pülleken beweist." Nachdem die Drittelliter-Flasche in der Euroflaschen-Optik erst im Mai letzten Jahres eingeführt worden ist, konnten die Traditionsbrauer im ersten Halbjahr bereits 99.360 hl absetzen.

Veltins hält am Gastronomie-Engagement fest

Die Gastronomie habe es nach den Beobachtungen von Veltins nach dem zweiten Lockdown deutlich schwerer als nach der erzwungenen Auszeit im letzten Jahr. "Sieben Monate aus dem Markt gedrängt zu werden, bleibt in der Gastronomielandschaft nicht ohne strukturelle Spuren", so Dr. Volker Kuhl. Die Rückkehr der Gäste geschehe regional in einem sehr unterschiedlichen Tempo und sei vielen Faktoren unterworfen. Hinzu kommen Personalprobleme, die durch die Abwanderung in andere Branchen erst wieder behoben werden müssten. Die Sauerländer Brauerei lassen aber keine Zweifel daran, dass sie weiterhin ins Gastronomiegeschäft investieren.

"Wir stehen unverändert an der Seite der Betriebe, zumal die Gastronomie gezeigt hat, was Durchhaltevermögen in der Krise bedeutet - man hat die Ärmel hochgekrempelt und ist durchgestartet", fand Dr. Volker Kuhl lobende Worte. In den deutschen Urlaubsregionen werde die Gastronomie recht schnell zu alter Kraft zurückkehren, während es anderswo noch eine Weile brauchen werde. "Uns hilft die eigene Gastronomiestruktur, der Veltins bereits seit Jahrzehnten vertraut und die für inhabergeführte Betriebe mit Solidität und Langfristperspektive steht."

Nach langsamer Gesundung tritt 2023 wieder Normalität ein

Die Brauwirtschaft werde noch lange an den Folgen der Pandemie zu leiden haben. "Wir hoffen auf eine langsame Entspannung in der zweiten Jahreshälfte, gehen aber davon aus, dass das gesamte Gastronomiejahr 2022 im Zeichen der Gesundung steht, ehe 2023 wieder Normalität eintritt", prognostiziert Veltins-Generalbevollmächtigter Michael Huber. Während er für das eigene Haus erfreuliche Marktperspektiven sieht, macht er in der Brauwirtschaft weitreichende Risiken aus. "Die vielerorts verlustreichen Ausstoßmonate haben tiefe Wunde gerissen und kostbaren Ertrag verschlungen."

Verknappung auf Rohstoffmärkten in der Brauwirtschaft angekommen

Hinzu kommen spürbare Kostensteigerungen im Beschaffungsmanagement. Die Holzknappheit sei in der Brauwirtschaft angekommen und habe zu wagemutigen Palettenpreisen geführt. Bei der Produktion von Mehrwegkästen komme es inzwischen zu Granulat-Knappheit - in den letzten Monaten musste zeitweise Granulat aus Russland eingekauft und herbeigeschafft werden, weil es in Deutschland nicht zur Verfügung stand. Und selbst für Kronkorken unerlässliches Weißblech lasse bereits Engpässe erkennen.

Michael Huber: "Dank langfristiger Kontrakte haben wir uns frühzeitig abgesichert, um die Verfügbarkeit und Liefersicherheit zu gewährleisten." Die Brauerei C. & A. Veltins sehe sich unverändert stabil und ertragsstark aufgestellt, sodass alle Investitionen planmäßig fortgesetzt werden. Bis 2024 wird Veltins für rund 100 Mio. Euro ein neues Abfüllzentrum für Flaschenbier fertiggestellt haben - der Rohbau befindet sich bereits in Vollendung. Außerdem ging im Frühjahr ein zweites Hochregallager ans Netz, um die Flexibilität in der Sortimentsdistribution zu erhöhen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Geringere Ernte, sinkende Preise, weniger Betriebe: Die deutschen Hopfenbauern stehen vor grundlegenden Veränderungen. Womit Vertreter der Branche jetzt rechnen.

Pressemitteilung

Rund 300 Teilnehmer erlebten drei Tage voller Impulse, Praxiswissen und gemeinsamer Verantwortung. Zugleich zeigte das Event, wie groß der Wille ist, Zukunft aktiv zu gestalten und nachhaltiges Handeln sichtbar und erlebbar zu machen. 

Der Food & Concept Court bleibt auch 2026 der zentrale Treffpunkt für Fachleute aus dem Foodservice und der Gemeinschaftsverpflegung auf der Intergastra. Im „Restaurant am Wasser“ bietet das Konzept eine ebenso inspirierende wie praxisorientierte Mischung aus Diskussionsrunden, Lounge-Gesprächen und intensivem Erfahrungsaustausch.

Pressemitteilung

Die von Salto für Mobile Access entwickelte JustIN Mobile App unterstützt ab sofort die NFC-basierte „Tap to Access“-Funktionalität auf iOS-Geräten. Dieses Upgrade bietet iPhone-Nutzern in Europa eine schnelle, sichere und intuitive Möglichkeit, Türen zu öffnen – einfach durch das Antippen von Salto Türhardware oder Wandlesern mit dem Smartphone.

Pressemitteilung

Nach der erfolgreichen Premiere im März dieses Jahres startet der neue Branchentreff 370GRAD mit einem starken Buchungsstand in die nächste Runde. Bereits wenige Monate nach dem Debüt haben über 100 Aussteller ihre Teilnahme für die nächste Veranstaltung vom 13. bis 16. März 2026 im Empire Riverside Hotel in Hamburg zugesagt.

Pressemitteilung

Über 320 Gäste erlebten im JW Marriott Berlin eine eindrucksvolle Award Night im Rahmen des GreenSign Future Lab. Die hohe Beteiligung am öffentlichen Voting und ein abwechslungsreiches Programm prägten die Verleihung als einen der Höhepunkte des Branchentreffens.

Der Chef des Coca-Cola-Abfüllers bemängelt die Bürokratie und komplizierte Verhältnisse für Unternehmen. Schon kleinere Vorhaben dauerten lange, weil statt einer Behörde oft mehrere Stellen zuständig seien. Er findet jedoch auch positive Worte für Deutschland.

Die in die Insolvenz in Eigenverwaltung geratene Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim hat die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, einen Investor zu finden. Das Ziel ist es, den Fortbestand der traditionsreichen Brauerei zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Marktansprache durch das M&A-Team von Roland Berger habe bereits begonnen.

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Preise für Schokoladen und Pralinen kurz vor dem Weihnachtsgeschäft massiv angezogen haben. Hintergrund sind die hohen Preise für die Rohstoffe Kakao und Zucker.

Pressemitteilung

Nachhaltigkeit ist für Supreme Sports Hospitality (Supreme) ein zentrales Anliegen. Im Deutsche Bank Park in Frankfurt sowie im Weserstadion in Bremen setzt der Stadioncaterer daher seit diesem Jahr verstärkt auf digitale Innovation und effiziente Prozesse zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Auch am neu übernommenen Standort, dem Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden, wird der nachhaltige Ansatz nach Abschluss der Implementierungsphase weiterverfolgt.