Wie Brauer auf den sinkenden Bierdurst der Verbraucher reagieren

| Industrie Industrie

Auf den historischen Absatzrückgang bei Bier in Deutschland reagieren viele Brauer mit neuen alkoholfreien Produkten und Geschmacksvarianten. So kündigte Veltins ein alkoholfreies Hellbier an und der nicht weit entfernte Erzrivale Krombacher will gerade im «Dry January» mit der Werbetrommel für seine Produkte neue Impulse schaffen. Diese Aktivitäten könnten auch Auswirkungen auf das Angebot in der Getränkeabteilung haben. 

Warum wird weniger Bier getrunken? 

Der deutsche Biermarkt ist 2025 außergewöhnlich stark um mehr als sechs Prozent geschrumpft. Der heftige Verlust von schätzungsweise um die 5 Millionen Hektoliter kommt dem Absatz von mehreren Großbrauereien gleich. 

Eine alternde Gesellschaft gibt seit langem einen Abwärtstrend vor. Langfristig betrachtet wird immer weniger Bier in Deutschland getrunken. Außerdem schlägt in jüngster Zeit die schlechte Konsumstimmung auf das Bier durch. 

Die Braubranche bekam das im vergangenen Jahr sowohl im Handel als auch in der Gastronomie zu spüren. Statt Ausgelassenheit machte sich vielerorts eher Zurückhaltung bemerkbar, wie Veltins-Chef Volker Kuhl erklärt. Ein Fünftel des Bierkonsums in Deutschland wird in den Restaurants und Kneipen getrunken.  

«Es ist eine neue Realität, in der sich die Brauer befinden», sagt der Herausgeber des Getränkemarkt-Fachmagazins «Inside», Niklas Other. Sehr viele Faktoren spielten beim sinkenden Bierabsatz eine Rolle. Dazu gehörten veränderte Konsumgewohnheiten wie die Abkehr vom Alkohol bei vielen Menschen, die die Wein- und Spirituosenhersteller noch stärker träfen. Auch die Teillegalisierung von Cannabis und Abnehmspritzen könnten dazu gehören. 

Wird die Auswahl damit kleiner? 

Nein, sagt Branchenexperte Other. Im Gegenteil, in vielen Fällen kämen alkoholfreie Variante zum alkoholhaltigen Bier hinzu. «Es ist nach wie vor eine lebendige Branche mit einer großen Produktvielfalt», unterstreicht er. 

Auch die Großbrauerei Veltins, die als eine der ersten Zahlen und eine Analyse veröffentlicht hat, sieht keine Endzeitstimmung. «Wir sehen keinen Niedergang der Brauwirtschaft», sagt Kuhl. Es gebe aber tiefgreifende Veränderungen. 

Allerdings ist der Platz in den Getränkeregalen begrenzt. «Der zunehmende Platzbedarf für die alkoholfreien Biere geht logischerweise zulasten anderer Sorten», sagt Veltins-Vetriebschef Rainer Emig. Weizenbiere, Exportbiere oder Spezialitäten etwa könnten an Fläche und damit an Präsenz verlieren. 

Müssen Biertrinker mit steigenden Preisen rechnen? 

Eine Reihe großer Bierhersteller hatte im vergangenen Herbst Preiserhöhungen angekündigt oder vollzogen. Oft galt das sowohl für Flaschenbier als auch für Fassbier, das in der Gastronomie die große Rolle spielt. Die Frage ist, inwieweit sich die Hersteller in den Preisverhandlungen etwa mit dem Handel damit durchsetzen konnten und die Anbieter den höheren Preis weitergeben. 

Bei Veltins ist die Runde abgeschlossen. «Diesen Prozess haben wir gerade hinter uns, und zwar mit Erfolg», sagte Kuhl. Laut Branchenbeobachtern ist der Kasten Bier mit 20 Halbliterflaschen hier und da um 1 Euro teurer geworden. 

Wie können die Verbraucher dem ein Schnippchen schlagen? 

Der Handel nutzt die erheblichen Überkapazitäten in der Braubranche unvermindert für regelmäßige Aktionsangebote, sagt Other. Biertrinker machten davon gerade bei der beliebtesten Biersorte Pils umfangreich Gebrauch. 

Welche Folgen werden in der Branche erwartet? 

Für Kuhl ist absehbar, dass auch angesichts der erforderlichen Investitionen einige Braustandorte und Anbieter auf der Strecke bleiben werden. Da helfe auch das Bedauern über den Verlust von lokaler Brautradition wenig. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Brauerei Oettinger wird in Braunschweig kein Bier mehr brauen. Die Entscheidung sei endgültig, sagte eine Sprecherin der Brauerei. Die Gewerkschaft hatte sich noch gewehrt - jedoch ohne Erfolg.

Der Bierabsatz sinkt - vor allem junge Kunden bleiben weg. Auch Wein wird seltener getrunken. Die Produzenten sehen den Genuss ihrer Getränke zu unrecht an den Pranger gestellt.

Eigentlich müsste es ein Grund zur Freude sein, aber weder Landwirte noch die Verbraucher können in diesem Jahr über die reichhaltige Kartoffelernte jubeln. Die Gründe sind vielfältig.

Weniger deutsche Gänse zu Weihnachten? Die Geflügelpest sorgt teils für ein knapperes Angebot. Verbraucher greifen fürs Weihnachtsmenü jetzt auch häufiger zu Wild, meinen zumindest Jäger.

Zwei oberbayerische Traditionsbrauereien gehören fortan zusammen. Eine gute Entscheidung, finden alle Beteiligten. Denn die Bande zwischen den Miesbachern und den Tegernseern waren schon vorher eng.

Die zunehmende Digitalisierung hat den Finanzsektor im rasenden Tempo verändert. Neue Zahlungssysteme, digitale Banken, Fintechs – überall entstehen Services, die schneller, bequemer und grenzüberschreitender funktionieren. Doch je digitaler die Welt der Finanzen wird, desto größer wird auch die Herausforderung, Identitäten sicher und rechtskonform zu prüfen. Die bisherigen Verfahren sind oft langsam, aufwendig und kostenintensiv. Doch eine Lösung zeichnet sich bereits a mit der sogenannten EU-Identitätswallet, kurz EUDI Wallet.

Pressemitteilung

Am 2. Dezember wird das JW Marriott Berlin zum Schauplatz der GREEN MONARCH Award Night, dem Nachhaltigkeitspreis der Hotellerie und Gastronomie. Über 21.000 Stimmen wurden bereits beim öffentlichen Voting abgegeben. Bald entscheidet sich, wer in den vier Kategorien Hotel, Restaurant, Product und Personality die begehrten Trophäen erhält.

Bier wird teurer, Hersteller erhöhen die Preise. Der Lebensmittelhändler Edeka wehrt sich dagegen. Suchen Kunden in den Märkten bald vergeblich nach Marken wie Beck’s oder Corona?

Die BMC Hotelservice & Dienstleistung GmbH, ein Unternehmen, das sich auf Reinigungs- und Servicedienstleistungen für die Hotellerie spezialisiert hat, ist saniert worden. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens konnte der Geschäftsbetrieb durch den Einstieg eines strategischen Investors aus der Hotelbranche vollständig übernommen werden.

Der Trend-Geschmack Matcha-Erdbeere führt zu einem direkten Wettbewerb der Schokoladenhersteller. Nachdem Ritter Sport bereits im September 2025 mit einer limitierten Edition in den Markt gestartet ist, präsentiert nun auch Lindt & Sprüngli seine Interpretation und setzt auf eine extreme Limitierung, was die Erwartungshaltung auf einen neuen Hype schürt.