Wie steht's um die 0,75-Liter Pfand-Weinflasche?

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Ein System für 0,75-Liter Wein-Pfandflaschen etabliert sich allmählich in Deutschland - aber nicht so schnell wie erhofft. «Der Handel ist zögerlicher als wir uns das vorgestellt haben. Das hätten wir nicht gedacht», sagte der Vorstand der Wein-Mehrweg eG, Werner Bender. Ziel der Wein-Mehrweg eG sei, in den kommenden zwölf Monaten zwischen 2,5 und 3 Millionen Mehrweg-Weinflaschen bundesweit in Umlauf zu bringen. Dann sei der Durchbruch in der Fläche geschafft.

Aktuell seien rund 1,1 Millionen dieser Wein-Mehrwegflaschen im Markt. Mehr als 60 verschiedene Weine würden darin mittlerweile abgefüllt. Die 0,75-Liter-Pfandgebinde waren im März 2023 von der Genossenschaft Heuchelberger Weingärtner aus Schwaigern (Kreis Heilbronn) erstmals in den Handel gebracht worden. Dafür war auch die Wein-Mehrweg eG mit Sitz in Möglingen (Kreis Ludwigsburg) gegründet worden. Die Initiative will erreichen, dass die Pfandflaschen mittelfristig einen erheblichen Teil der 0,75 Liter Wein-Einwegflaschen ersetzen.

Noch nicht ganz im Markt angekommen

Der Handel habe aber teilweise noch Berührungsangst mit dem Thema Mehrweg bei Wein, sagt Bender. Es fehle daher bisher noch an der wirklichen Marktdurchdringung. In Zeiten von Rohstoff- und Ressourcenknappheit bei gleichzeitig hohen Energiekosten werde aber an Wein-Mehrweg künftig kein Weg vorbeiführen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher seien dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen. «Sie merken, dass das Thema relevant ist.»

Hinter der Wein-Mehrweg eG stehen aktuell vierzehn Betriebe, die über fünf Prozent der gesamtdeutschen Weinproduktion ausmachen: Elf Genossenschaften in Württemberg, zwei Weingüter aus Baden sowie ein Importeur.

Edeka und Kaufland mit im Boot

Edeka Südwest bietet mittlerweile als Großhandlung den Edeka-Märkten im Südwesten seit einiger Zeit auch einzelne Artikel in 0,75-Liter-Mehrweg-Weinflaschen an, erläutert ein Sprecher. «Wir sammeln weiterhin wertvolle Erfahrungen mit dem Konzept», hieß es. Zahlen wurden nicht genannt. Die Mehrzahl der Märkte würden zudem von selbstständigen Kaufleuten betrieben, die ihr Produktangebot eigenständig zusammenstellten. «Damit variieren die angebotenen Artikel in Mehrweg-Pfandflaschen und -gläsern je nach Standort», sagte der Sprecher.

Kaufland hat gute Erfahrungen gemacht mit 0,75-Liter Wein-Pfandflaschen: Kunden könnten sie seit Herbst vergangenen Jahres in rund 200 Filialen in Süddeutschland - und damit in einem Großteil Baden-Württembergs und Teilen von Bayern - kaufen und zurückgeben. Das Angebot werde sehr gerne angenommen, sagte eine Sprecherin. In den Pfandflaschen sei regionaler Rotwein, Rosé und Weißwein erhältlich. Die Flaschen würden bundesweit an allen Kaufland-Leergut-Automaten akzeptiert.

Auch einige Famila-Märkte führen solche Weine in Pfandflaschen, wie Bender sagt. Dazu kämen neben zahlreichen inhabergeführten Wein- und Getränkehändlern auch große Getränkefachgroßhändler wie etwa Getränke Hoffmann mit Sitz in Berlin und Fristo SE aus Buchloe.

Aldi Süd führt keine Wein-Mehrwegflaschen im Sortiment, ebenso wenig wie Lidl oder Rewe, wie die Unternehmen jeweils mitteilen. Laut einer Rewe-Sprecherin fehlt es dafür mit Blick auf Wein noch an einer alltagstauglichen nationalen Branchenlösung. 

Eigens einheitliche Flasche und Mehrwegkiste entwickelt

Genau daran arbeitet aber die Wein-Mehrweg: Um ein Mehrwegsystem im Weinsegment zu etablieren, hatte sie eigens eine einheitliche Flasche entwickelt, die in grünem und weißem Glas erhältlich ist. Auch einen Mehrwegkasten aus recyceltem Material gibt es mittlerweile. «Es gibt eine Kiste und eine Flasche und die Individualisierung geschieht dann über das Etikett,», erläuterte Bender.

Im Südwesten und Teilen Bayerns seien die 0,75 Liter Weinpfandflaschen inzwischen weit verbreitet und auch bundesweit mache man erhebliche Fortschritte. Der Getränke-Großhändler Hoffmann etwa habe die Flaschen in rund 200 seiner deutschlandweit etwa 560 Filialen im Angebot. Fristo führe sie in mehr als 60 seiner bundesweit rund 250 Filialen. «Wir suchen weiter Mitstreiter», sagt Bender. (dpa)


 

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