Berlin beschließt Ausbildungsplatzumlage für Unternehmen

| Politik Politik

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag die Einführung einer Ausbildungsplatzumlage beschlossen. Künftig müssen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in einen Fonds einzahlen, wenn ihre Ausbildungsquote unter dem Bundesdurchschnitt von derzeit 4,6 Prozent liegt, wie aus dem Gesetz hervorgeht.

Die Umlage soll nach Angaben der Verantwortlichen dazu dienen, zusätzliche Ausbildungsplätze in anderen Betrieben zu finanzieren. Außerdem sollen aus dem Fonds Qualifizierungsmaßnahmen für junge Menschen bezahlt werden, um sie auf eine Ausbildung vorzubereiten. Laut Gesetz sollen über die Umlage rund 75 Millionen Euro eingesammelt werden.

Zahlungen ab 2028 vorgesehen

Die ersten Zahlungen sollen ab dem Jahr 2028 erfolgen. Bereits 2027 sollen Unternehmen die notwendigen Daten zur Berechnung der Umlage liefern. Das Gesetz tritt automatisch außer Kraft, wenn über drei Jahre hinweg jeweils mehr als 2.000 zusätzliche Ausbildungsplätze in Berlin geschaffen werden.

Die Einführung der Umlage erfolgt, nachdem das Ziel, bis Ende des vergangenen Jahres 2.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen, nach Angaben der Beteiligten nicht erreicht wurde.

Kritik aus der Wirtschaft

Mehrere Wirtschaftsverbände äußerten Kritik an der Regelung. Der Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga Berlin) erklärte auf der Plattform Linkedin, die Umlage sende ein „falsches Signal für den Wirtschaftsstandort Berlin“ und belaste Unternehmen zusätzlich.

In einer gemeinsamen Mitteilung verschiedener Wirtschaftsverbände heißt es: „Das von den Regierungsparteien vorgelegte Gesetz zur Ausbildungsplatzabgabe ist ein Misstrauensvotum gegen die Berliner Wirtschaft.“

Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Dass die Politik trotzdem ihre Ausbildungsabgabe durchdrückt, ist eine Ohrfeige für alle, die sich mit großem Engagement dafür einsetzen, Jugendliche tatsächlich in Ausbildung zu bringen.“

Auch weitere Verbände äußerten sich kritisch. Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, erklärte laut Mitteilung: „Mit einer Ausbildungsplatzabgabe stellt sich der Standort Berlin selbst ein Bein.“

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, sagte: „Wirtschaft liefert, doch die Politik straft sie ab.“

Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Berlin, erklärte laut Mitteilung: „Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll gewesen, zunächst die Ergebnisse abzuwarten und auf dieser Grundlage mögliche Maßnahmen zu bewerten.“

Hintergrund der Regelung

Die Ausbildungsplatzumlage war Teil der politischen Vereinbarungen zwischen CDU und SPD. Sie sollte demnach umgesetzt werden, falls es nicht gelingt, über ein Bündnis für Ausbildung 2.000 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

Nach Angaben aus der Wirtschaft wurden im Rahmen dieses Bündnisses rund 1.300 zusätzliche Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Vertreter mehrerer Verbände kritisierten zudem, dass Unternehmen die Umlage auch dann zahlen müssen, wenn sie Ausbildungsplätze anbieten, jedoch keine geeigneten Bewerber finden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Wirtschaftskammer Österreich hat mit den Gewerkschaften GPA und vida einen neuen Kollektivvertrag für die Gastronomie und Hotellerie vereinbart. Ab Oktober steigen die Gehälter um durchschnittlich drei Prozent, ergänzt durch Einmalzahlungen und höhere Lehrlingseinkommen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will den steuerlichen Freibetrag für Mitarbeiterrabatte von 1.080 Euro abschaffen. Der Deutsche Reiseverband kritisiert die Pläne und verweist auf die besondere Bedeutung vergünstigter Reiseleistungen für Beschäftigte der Branche.

Sekt oder Bier bei der Konfirmationsfeier oder der Jugendweihe: Das war seit Generationen üblich. Doch die Gefahren durch Alkohol werden inzwischen viel ernster genommen. Der Gesetzgeber reagiert.

Seit dem 12. August gelten erste Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung PPWR verbindlich. Für Hotels und Gastronomiebetriebe kann die eigene Marke auf Verpackungen zusätzliche Verantwortlichkeiten auslösen.

Deutschlands Arbeitgeber pochen auf eine Arbeitszeit-Reform. Sie wollen - aus ihrer Sicht endlich - eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der DGB warnt vor einem Rückfall ins 19. Jahrhundert.

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer und im Gegenzug manche entlasten.

Ab 2027 plant Duisburg die Einführung einer Bettensteuer von drei Euro pro Nacht. Während die Stadt mit Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung rechnet, kritisiert die Hotelbranche den zusätzlichen Aufwand und warnt vor Abwanderungseffekten.

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.

Die geplante stärkere Besteuerung alkoholischer Getränke stößt einer Umfrage zufolge bei einer großen Mehrheit der Bürger auf Zustimmung. Knapp zwei Drittel gaben in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa an, dass sie diesen Vorstoß der Bundesregierung für sinnvoll halten.

Die Bundesregierung plant, die Mittel für die Tourismusförderung im Bundeshaushalt 2027 um 449.000 Euro zu reduzieren. Die Grünen kritisieren die Kürzung und fordern Änderungen im weiteren Haushaltsverfahren.