Berlins FDP-Fraktionschef fordert Strategiewechsel im Umgang mit Corona

| Politik Politik

Vor dem Hintergrund wieder steigender Infektionszahlen fordert Berlins FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja einen Strategiewechsel im Umgang mit Corona. «Ich erwarte vom Senat eine Garantie, dass es keinen weiteren Lockdown geben wird», sagte Czaja der Deutschen Presse-Agentur.

Nötig seien vielmehr umfassende und übergreifende Konzepte, wie man mit der Pandemie leben könne. Denn die Situation jetzt mit Impfen, Teststrategie, digitalen Lösungen bei der Kontaktnachverfolgung oder Erkenntnissen zum Verlauf der Krankheit sei eine komplett andere als in frühen Zeiten der Pandemie. «Der Inzidenzwert ist nicht mehr das Maß aller Dinge», so Czaja.

Die Sorgen seien groß in dieser Stadt, dass es wieder einen Lockdown geben werde, sagte der Spitzenkandidat seiner Partei für Wahl zum Abgeordnetenhaus am 26. September weiter. «Weil der Senat diese Pandemie jetzt schlecht managt. Weil sich ein Großteil der Senatorinnen und Senatoren auf Abschiedstournee befindet und sich nicht mit der Frage auseinandersetzt, wie können wir die Schulen pandemiefest machen, wie können wir der Wirtschaft eine Garantie geben, dass es keinen weiteren Lockdown gibt.»

Czaja: «Ich will diese Garantie vom Senat haben, damit wir auch unseren Tourismus und unseren Wirtschaftsstandort Berlin wieder stärken und so Jobs sichern.» Wenn Branchen wie Gastronomie, Hotellerie oder die Kulturlandschaft wieder durchstarten sollen, bräuchten sie Planungssicherheit und langfristige Strategien, «anstatt sich immer wieder von einem Lockdown zum nächsten zu hangeln».

Sein Eindruck sei, dass sich der Senat grundsätzlich zu wenig mit der Gesamtsituation auseinandersetzte, so Czaja. «Dass man wieder nur auf Sicht fährt, ohne Strategie und ohne Konzept und glaubt, man könne alte Stufenpläne aus der Schublade holen.» Die seien aber überholt.

Sorge bereitet Czaja in dem Zusammenhang der Schulstart nach den Sommerferien ab 9. August. «Ich erwarte, dass wir in einen gesicherten Regelbetrieb in den Schulen gehen und diesen dann auch im Herbst und Winter beibehalten», sagte er. Jedoch habe es der Senat nach wie vor nicht geschafft, die Schulen pandemiesicher zu machen.

Noch immer gebe es nicht in jedem Klassenraum Luftfilter. Wichtig sei zudem eine Schnelltest-Strategie für Schüler, Lehrkräfte und andere Beschäftigte. Dazu gehöre auch ein umfassendes Hygienekonzept - hier sieht Czaja ebenfalls Defizite. Schulen müssten mit Desinfektionsspendern ausgestattet sein am Eingang und auf den Toiletten. «Das gibt es auch noch nicht überall.»

Die FDP fordert ebenso wie die CDU schon seit dem Vorjahr, alle Klassenräume mit Luftreinigungsgeräten auszustatten, wozu laut Czaja rund 21 000 der Geräte nötig wären. Der Senat sieht solche Luftfilter hingegen eher als ergänzende Maßnahme und hat bislang gut 7700 angeschafft. Räume, in denen es die Systeme nicht gebe, müssten zumindest über eine CO2-Ampel verfügen, forderte Czaja. Solche Geräte zeigen die Luftqualität an und verdeutlichen, wann ein Raum gelüftet werden muss. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.

Der CDU-Parteitag hat eine Steuer auf gezuckerte Getränke abgelehnt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will aber noch nicht aufgeben und hat jetzt andere Pläne.

Mehrkosten fürs Mitnehmen? Potsdam will dem Beispiel Tübingen folgen und eine Verpackungssteuer einführen. Die Wirtschaft befürchtet, dass es am Ende der Kunde zu spüren bekommt.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.

Knausern viele Wirte beim Lohn? Der Dehoga Bayern weist Vorwürfe der Gewerkschaft NGG entschieden zurück und betont, dass die Mehrwertsteuersenkung direkt in Lohnsteigerungen und Beschäftigungssicherung fließt.