Branchentag: DEHOGA kämpferisch in Berlin 

| Politik Politik

Stehende Ovationen für den DEHOGA Präsidenten Guido Zöllick: In einer kämpferischen Rede machte der Verbandschef beim Branchentag in Berlin klar, was Hotellerie und Gastronomie von der Politik erwarten. Das Publikum bedachte Zöllick mit reichlich Beifall, der beim Vizekanzler Olaf Scholz deutlich verhaltener ausfiel.

Vor fast 1.000 Gastgebern sagte Zöllick im Maritim Hotel in Berlin: „Gastronomie und Hotellerie in Deutschland befinden sich auf solidem Wachstumskurs. Doch trotz steigender Umsätze bleibt die Ertragslage angespannt. Wir erwarten weniger Bürokratie, mehr Flexibilität und fairen Wettbewerb. Die steigende wirtschaftliche, beschäftigungspolitische und gesellschaftliche Bedeutung der Branche muss sich in mehr Wertschätzung und besseren Rahmenbedingungen widerspiegeln.“
 

Neben Zöllick traten Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU Deutschlands, Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, Christian Lindner, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und Bundesvorsitzender der FDP, sowie Olaf Scholz, Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen auf.

Kramp-Karrenbauer sagte: „Ich finde es wunderbar, wenn man ein guter Gastgeber ist“ und sprach sich für eine Flexibilisierung von alten und starren Arbeitszeitregelungen aus, die heute nicht mehr passen würden. Den größten Beifall der anwesenden Unternehmer holte sich FDP-Chef Christian Linder ab, der zugab: „Das ist meine Lieblingsbranche.“ Lindner plädierte für die Dynamisierung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse. Hygieneampeln bezeichnete er als unwirksam, lästig und teuer. Der Liberale forderte eine Politik, die sich wieder um die breite Mitte kümmert und nicht nur um die Ränder. Wäre er in der Gastronomie gelandet, wäre er gerne Sommelier, sagt Lindner.  

Finanzminister Scholz unterstrich die Bedeutung des Gastgewerbes und lobte die Branche für ihren Einsatz bei der Integration von Flüchtlingen. Auf Unverständnis stieß seine rigorose Absage an eine Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie. Wäre Scholz in der Gastronomie gelandet, wäre er wohl Koch geworden, sagt der Politiker, dem die Zubereitung von Königsberger Klopsen immer besonders gut gelingt, wie er sagte.

Beschlossen wurde der Abend mit einer großen Branchenparty, bei der die Miniköche servierten und begeisterten.
 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will das Verbot der Bettensteuer durch den Freistaat Bayern vor dem Bundesverfassungsgericht prüfen lassen. Zuerst muss aber noch der Stadtrat zustimmen.

Die Idee einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke stößt in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge auf große Zustimmung. 60 Prozent der Befragten bewerten eine Steuer positiv, deren Höhe mit dem Zuckergehalt des Getränks steigt.

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.

Der CDU-Parteitag hat eine Steuer auf gezuckerte Getränke abgelehnt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will aber noch nicht aufgeben und hat jetzt andere Pläne.

Mehrkosten fürs Mitnehmen? Potsdam will dem Beispiel Tübingen folgen und eine Verpackungssteuer einführen. Die Wirtschaft befürchtet, dass es am Ende der Kunde zu spüren bekommt.