Dehoga für einfachere Rückgaberegeln bei Einwegverpackungen

| Politik Politik

Der Hotel- und Gaststättenverband fordert einfachere Rückgabemöglichkeiten bei der Mehrweg-Angebotspflicht für Speisen zum Mitnehmen. Der Dehoga unterstütze die Maßnahme und finde sie grundsätzlich gut, sagte der rheinland-pfälzische Verbandspräsident Gereon Haumann der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Es gebe jedoch zu wenige Rücknahmestellen für die verschiedenen Mehrweg-Systeme.

«Wenn die Mehrweg-Angebotspflicht dauerhaft Erfolg haben soll, dann muss die Rückgabe so einfach sein wie bei der Rückgabe eines leeren Sprudelkastens», mahnte Haumann. «Den kann ich überall zurückgeben. Und so muss das auch beim Mehrweggeschirr sein.» Es gebe jedoch zu viele verschiedene Anbieter an zu wenigen Stellen.

Restaurants, Bistros und Cafés, die Essen für unterwegs verkaufen, müssen seit Anfang 2023 neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen dafür anbieten - sofern sie Einweg-Verpackungen aus Kunststoff nutzen. Bei Getränken aller Art muss es eine Mehrweg-Alternative geben.

Ausnahmen gelten für kleinere Geschäfte, die nicht größer als 80 Quadratmeter sind und höchstens fünf Beschäftigte haben. Dort müssen Kunden aber die Möglichkeit bekommen, eigene Behälter befüllen zu lassen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 10 000 Euro.

«Wir brauchen entweder die Verpflichtung, dass jeder Ausgeber von Mehrweggeschirr das Geschirr auch anderer Anbieter zurücknehmen muss oder die Anbieter müssen sich auf gewisse Standards oder bestenfalls auf einheitliche Behältnisse einigen», forderte der Dehoga-Präsident. «Eine Sprudelflasche sieht ja auch gleich aus und hat je nach Inhalt nur ein anderes Etikett.»

Die Einführung der Mehrweg-Angebotspflicht sei von der Politik überhastet und nicht konsequent genug erfolgt. Es hätte nach Haumanns Auffassung einen viel längeren Vorlauf geben müssen mit dem Ziel: Einheitliches Mehrweggeschirr von unterschiedlichen Anbietern mit ausreichend vielen Rückgabestellen wird verpflichtend und nach entsprechender Übergangszeit der parallelen Anwendung nur noch Mehrweg und Einweggeschirr gar nicht mehr.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kritisierte die Umsetzung der Regelung. Obwohl das Verpackungsgesetz seit Januar 2023 eine Mehrwegangebotspflicht für Speisen und Getränke zum Mitnehmen vorschreibt, werde diese teilweise nicht ordnungsgemäß umgesetzt. Das habe eine Stichprobenerhebung im Vorjahr gezeigt.

Demnach hätten mindestens 35 Prozent der Betriebe bei dieser Vor-Ort-Stichprobe im Mai die Mehrwegangebotspflicht nicht umgesetzt, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet wären, berichteten die Verbraucherschützer. Von allen angeschriebenen Landkreis- und Stadtverwaltungen sei nur die Hälfte der Kommunen bereit gewesen, Auskunft zur Kontrolle der Mehrwegangebotspflicht zu geben. Daher sei eine abschließende Bewertung zum Gesetzesvollzug nicht möglich.

Die Verbraucherzentrale forderte die konsequente Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht durch Betriebe mit einem Mitnahmeangebot sowie deren regelmäßige Kontrolle durch die zuständigen Behörden. Zudem sollte der Entwurf zum Gesetz für weniger Verpackungsmüll schnell vorangebracht werden, damit durch den Einsatz von Papier, Karton und Alufolie die Mehrwegangebotspflicht nicht mehr umgangen werden kann.

Der Verpackungsmüll in der EU soll in den kommenden Jahren stark reduziert werden. Die Umweltministerinnen und Umweltminister der Länder hatten sich im Dezember darauf geeinigt, dass bis 2030 alle auf den Markt gebrachten Verpackungen recycelbar sein müssen. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Wirtschaftsverbände in Potsdam fordern die Aussetzung der für Juli geplanten Verpackungssteuer aufgrund anhaltender Unklarheiten bei der Umsetzung. Die Allianz warnt zudem vor Wettbewerbsnachteilen und einer mangelnden Lenkungswirkung der Abgabe.

Die Österreichische Hotelvereinigung drängt auf eine gesetzliche Regulierung von Online-Bewertungsplattformen nach italienischem Vorbild. Eine aktuelle Umfrage zeigt eine breite Zustimmung in der Bevölkerung für eine Verifizierungspflicht bei Rezensionen.

Das Rückmeldeverfahren zu frühen Corona-Hilfen, die 2020 an Unternehmen geflossen waren, hatte Debatten ausgelöst. Nun will das Land Hessen die Verwaltungspraxis ändern. Der Dehoga erklärte, man sei damit nicht glücklich, aber zufrieden.

Eine Bitkom-Langzeitstudie zeigt, dass zehn Jahre nach Einführung der Datenschutz-Grundverordnung der betriebliche Umsetzungsaufwand für Unternehmen massiv gestiegen ist.

Die Österreichische Hotelvereinigung kritisiert die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer und warnt vor steigenden Kosten für den Tourismus. Verbandspräsident Walter Veit fordert angesichts der allgemeinen Teuerung Entlastungen und Entbürokratisierung statt neuer Steuern.

Rund um die Event-Messe Imex in Frankfurt ist es in Frankfurt zu ersten Warnstreiks im hessischen Hotel- und Gastronomiegewerbe gekommen. Rund 400 Beschäftigte von Hotels und Caterern seien dem Aufruf gefolgt, teilte die Gewerkschaft NGG mit.

Zum Auftakt der Veranstaltungsmesse Imex hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Beschäftigte mehrerer Frankfurter Messe-Hotels zu einem Warnstreik aufgerufen.

Der Acht-Stunden-Arbeitstag gilt seit 1918 in Deutschland. Die Koalition aus Union und SPD will nach den bisherigen Plänen stattdessen einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen, doch es gibt Streit um das Vorhaben.

Die Corona-Pandemie hatte viele Thüringer Unternehmen vor Existenzprobleme gestellt. Der Staat half mit viel Geld. Ein Teil davon wurde zurückgefordert. Das ist der Stand in Thüringen.

Die Bundesregierung hat für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 eine befristete Verordnung zu Ausnahmen beim Lärmschutz beschlossen. Damit können Public-Viewing-Veranstaltungen laut Mitteilung teilweise auch bis in die Nacht stattfinden. Wie die Bundesregierung mitteilt, hat inzwischen auch der Bundesrat formal zugestimmt.