Gastgewerbe trauert um DEHOGA-Ehrenpräsidenten Ernst Fischer

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Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Der langjährige Präsident und spätere Ehrenpräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband) ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hinweg prägte der Tübinger Hotelier und Gastronom die politische und wirtschaftliche Entwicklung von Hotellerie und Gastronomie in Deutschland wie kaum ein anderer.

DEHOGA-Präsident Guido Zöllick erklärt: „Ernst Fischer hat sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und großer Überzeugungskraft für die Anliegen der Branche eingesetzt. Dabei blieb er stets nahbar, menschlich und den Mitgliedern eng verbunden. Mit Ernst Fischer verliert das Gastgewerbe einen leidenschaftlichen Gastgeber, weitsichtigen Unternehmer, überzeugten Interessenvertreter, brillanten politischen Netzwerker und einen außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken weit über die Grenzen der Branche hinausstrahlte. In großer Verbundenheit, tiefer Dankbarkeit und hoher Wertschätzung werden wir Ernst Fischer stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen beiden Söhnen.“

Fischer war weit mehr als ein Verbandsfunktionär. Er war Unternehmer, Gastgeber und leidenschaftlicher Verfechter einer Branche, die für ihn stets weit mehr bedeutete als ein Wirtschaftszweig. Sein Name steht für Beharrlichkeit, politische Durchsetzungskraft und die Überzeugung, dass Gastfreundschaft ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft ist.

Wer heute auf die politischen Erfolge des Gastgewerbes blickt, stößt unweigerlich auf Ernst Fischer. Zu den wichtigsten Meilensteinen seiner Amtszeit zählen die Einführung der Minijob-Regelung, die Abschaffung der Trinkgeldbesteuerung, die Beibehaltung der Steuerfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen sowie die Durchsetzung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Hotellerie. Er verstand es wie nur wenige, die Interessen einer mittelständisch geprägten Branche gegenüber Politik und Verwaltung mit Nachdruck zu vertreten.

Geboren wurde Ernst Fischer am 16. April 1944 in Geislingen an der Steige. Nach seiner Ausbildung zum Koch folgten Stationen in Spitzenhäusern in England, Frankreich, Schweden und in der Schweiz, so im berühmten Hotel Georg V in Paris und als Privatkoch im englischen Windsor. 1969 kehrte Ernst Fischer nach Deutschland zurück, machte sich 1970 in Hechingen selbstständig und wurde seinerzeit als jüngster Gastwirt Deutschlands bekannt. Sein fachliches Können vertiefte er durch eine Ausbildung zum Küchen- und Serviermeister an der Hotelfachschule Bad Reichenhall. Von 1976 bis 2012 betrieb er das renommierte
Restaurant Rosenau und das RoseCatering. Gemeinsam mit seiner Familie führte er zudem seit 1976 das traditionsreiche Landhotel „Hirsch“ in Tübingen-Bebenhausen, das er nach mehr als vier Jahrzehnten als Gastgeber Ende 2018 an seine Nachfolger übergab. Fischers Lebensmotto lautete: „Porta patet, cor magis“ – Die Tür steht offen, das Herz noch mehr. 

1970 wagte Fischer den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit dem Landhotel Hirsch in Tübingen-Bebenhausen schuf er einen Betrieb, der weit über die Region hinaus Bekanntheit erlangte. Gleichzeitig entwickelte er ein erfolgreiches Catering-Unternehmen und führte über Jahrzehnte das Restaurant Rosenau in Tübingen. Als Unternehmer kannte er die Herausforderungen der Branche aus eigener Erfahrung – eine Glaubwürdigkeit, die ihm später in der Verbandsarbeit zugutekam.

Bereits Anfang der 1970er Jahre begann sein Engagement im DEHOGA. Was auf Kreis- und Landesebene startete, führte ihn schließlich an die Spitze des Bundesverbandes. Von 2001 bis 2016 war Ernst Fischer als Präsident der Interessenvertretung der Hoteliers und Gastronomen in Deutschland. In diese Zeit fielen zahlreiche politische und wirtschaftliche Herausforderungen, die er mit klarer Haltung und großem persönlichen Einsatz begleitete.

Unter Fischers Führung entwickelte sich der DEHOGA zu einer der schlagkräftigsten Wirtschaftsorganisationen des deutschen Mittelstands. In Berlin galt er als hartnäckiger Verhandlungspartner, der die Anliegen von Hoteliers und Gastronomen mit Nachdruck vertrat. Dabei war sein Wirken stets von seiner eigenen unternehmerischen Erfahrung geprägt. Fischer wusste, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf die Betriebe vor Ort haben, und machte diese Perspektive immer wieder zum Maßstab seines Handelns.

Fischer war dabei nie ein Mann großer Inszenierungen. Weggefährten beschreiben ihn als pragmatisch, verbindlich und zugleich hartnäckig, wenn es um die Sache ging. Seine Argumente speisten sich nicht aus Theorie, sondern aus dem Alltag eines Unternehmers. Gerade diese Verbindung aus Praxisnähe und politischem Gespür machte ihn zu einem der angesehensten Repräsentanten des deutschen Gastgewerbes.

Auch über den Verband hinaus engagierte sich Ernst Fischer in zahlreichen touristischen und wirtschaftlichen Organisationen. Als Vizepräsident des Verwaltungsrates und Vorsitzender des Beirates der Deutschen Zentrale für Tourismus, als Schatzmeister des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft sowie als Mitglied zahlreicher Gremien und Aufsichtsräte setzte er sich für die Belange von Tourismus, Gastronomie und Hotellerie ein.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des DEHOGA-Präsidenten im Jahr 2016 wurde Ernst Fischer zum Ehrenpräsidenten des Verbandes ernannt – eine Würdigung seines außergewöhnlichen Lebenswerks. Auch danach blieb er seiner Branche eng verbunden und verfolgte die Entwicklungen mit großem Interesse.

Für seine herausragenden Verdienste um das Gastgewerbe, den Tourismus und die mittelständische Wirtschaft wurde Ernst Fischer 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Ernst Fischer zudem mit der 58. Brillat-Savarin-Plakette sowie mit der „Kristallkugel“, dem Ehrenpreis des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag, gewürdigt.

Mit seinem Tod verliert das deutsche Gastgewerbe einen seiner wichtigsten Fürsprecher. Ernst Fischer hat die Rahmenbedingungen für viele Tausend Unternehmerinnen und Unternehmer mitgestaltet und die politische Wahrnehmung der Branche nachhaltig geprägt. Sein Wirken reicht weit über seine Amtszeit hinaus.

Die deutsche Hotellerie und Gastronomie verliert mit Ernst Fischer nicht nur einen engagierten Verbandsvertreter, sondern einen Gastgeber aus Leidenschaft, einen Unternehmer mit Haltung und einen Menschen, der sich sein Leben lang für die Interessen seiner Branche eingesetzt hat.

Viele der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, von denen Hotellerie und Gastronomie heute profitieren, tragen bis heute seine Handschrift.


 

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