Die Bundesregierung verabschiedet am heutigen Mittwoch die Neuausrichtung ihrer tourismuspolitischen Arbeit. Die neue Nationale Tourismusstrategie setzt den Schwerpunkt konsequent auf die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und löst damit den bisherigen Dialogprozess ab. Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist die Anpassung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Tourismus. Die bisherige Nationale Plattform Zukunft des Tourismus wird zum Ende des laufenden Jahres eingestellt.
Möglichkeit zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit geplant
Ein Kernpunkt der Strategie ist die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Wie die Bild-Zeitung berichtet, beabsichtigt die Bundesregierung, die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Diese Maßnahme soll eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, indem Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit flexibler über die Woche verteilen können. Der Koordinator der Bundesregierung für Tourismus, Christoph Ploß, kündigte gegenüber der Bild an, dass dieser Beschluss noch in diesem Jahr erfolgen soll.
Diese Entwicklung deckt sich mit langjährigen Forderungen der Branche. Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband), betonte kürzlich in einem Statement die Notwendigkeit dieser Reform: „Die starre tägliche Höchstarbeitszeit von maximal zehn Stunden muss endlich durch eine Wochenarbeitszeit im Sinne der EU-Arbeitszeitrichtlinie ersetzt werden.“ Laut Zöllick gehe es dabei nicht um Mehrarbeit, sondern darum, die Arbeitszeit sachgerechter auf die Wochentage zu verteilen und dann im Einsatz zu sein, wenn tatsächlich Nachfrage bestehe. Er verwies dabei auf die Praxis in Landgasthöfen, etwa bei länger andauernden Hochzeitsfeiern.
Gastgewerbe fordert neue Regelung seit Jahren
Der DEHOGA fordert seit Jahren eine Umstellung der Höchstgrenze vom Tag auf die Woche gefordert. In einer Publikation zur vergangenen Bundestagswahl hieß es, dass veraltete Regelungen innovative Arbeitszeitmodelle hemmen und die Bürokratie in den Betrieben vergrößern würden. „Niemand soll in der Summe länger arbeiten müssen, es geht nur um mehr Flexibilität, wie sie auch in anderen europäischen Ländern möglich ist“, so der Verband. Auch für die Beschäftigten biete dieses Modell die Chance, Arbeitszeiten nach eigenen Lebensentwürfen zu gestalten.
Sören Hartmann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, bezeichnete den nun eingeschlagenen wirtschaftspolitischen Fokus in der Bild als wichtiges Signal für die Branche in einem herausfordernden Marktumfeld. Um die Attraktivität von zusätzlicher Arbeit zu steigern, sieht das Strategiepapier der Bundesregierung vor, Überstundenzuschläge steuerfrei zu stellen. Zudem sollen einmalige Prämien zur Ausweitung der Arbeitszeit bei Teilzeitbeschäftigten steuerlich begünstigt werden.
Bürokratieabbau und Investitionen in die Infrastruktur
Ein weiteres Ziel der Nationalen Tourismusstrategie ist die Senkung der Betriebskosten. So sollen die Beiträge für Reiseveranstalter zum Reisesicherungsfonds sinken. Christoph Ploß erklärte gegenüber der Bild, dass durch wegfallende Belastungen und Dokumentationspflichten das Wachstum der Tourismuswirtschaft gefördert werden solle. „Für uns ist wichtig, dass für die hart arbeitenden Menschen in Deutschland der Urlaub nicht unerschwinglich wird“, so Ploß weiter.
Laut Informationen von Table Media sind rund 85 Prozent der Tourismusbetriebe Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Diese seien von administrativen Vorgaben besonders betroffen. Gegenüber dem Medium erläuterte Ploß, dass Inhaber gastronomischer Betriebe oft durch umfangreiche Formulare von ihrem eigentlichen Kerngeschäft abgehalten würden. Künftig sollen EU-Regeln nur noch eins zu eins angewendet und nicht mehr übererfüllt werden. Auch die Digitalisierung soll vorangetrieben werden, beispielsweise durch die Erleichterung der digitalen Anmeldung in Beherbergungsbetrieben. Begleitend dazu sieht die Strategie Investitionen in die staatliche Verkehrsinfrastruktur, insbesondere in Autobahnen, Schienen, Radwege und Häfen, vor.
Deutschland als internationaler Spitzenstandort
Die Bedeutung der Tourismusbranche wird durch aktuelle Zahlen verdeutlicht. Im Jahr 2024 gaben deutsche Urlauber knapp 40 Milliarden Euro für Pauschalreisen aus. Deutschland behauptet zudem seine Stellung als Weltmarktführer bei Dienstreisen mit einem Anteil von elf Prozent. Im internationalen Vergleich der beliebtesten Reiseziele belegt die Bundesrepublik derzeit den zweiten Platz unter 50 untersuchten Wirtschaftsnationen. Mit mehr als drei Millionen Arbeitsplätzen wird die Branche in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in der Strategie mit der Automobilindustrie gleichgesetzt.












