Niedersachsens Agrarministerin will Sondersteuer auf Fleisch für mehr Tierwohl

| Politik Politik

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast hat eine Sondersteuer auf Fleisch und tierische Produkte wie Milch und Eier gefordert, mit der eine bessere Tierhaltung finanziert werden soll. Ansonsten blieben Landwirte auf den Mehrkosten etwa für tiergerechtere Ställe sitzen, sagte die CDU-Politikerin der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montag). An der Ladenkasse werde der Verbraucher freiwillig nicht mehr bezahlen. «Da brauchen wir gar nicht drauf zu setzen.» Deswegen werde das von der Bundesregierung geplante freiwillige Tierwohllabel auch keinen Durchbruch bringen. «Wir brauchen vermutlich eine Sondersteuer.»

Da es sich um eine Bundessteuer handele, sei hier Berlin am Zug, meinte Otte-Kinast. Wichtig sei, dass eine mögliche Steuer sozialverträglich umgesetzt wird. Die Grünen in Niedersachsen begrüßten den Vorstoß der Ministerin. «Eine höhere Besteuerung zum Zwecke eines verbesserten Tierschutzes geht prinzipiell in die richtige Richtung», sagte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Miriam Staudte. Wichtig sei, dass auch Import-Produkte besteuert werden. «Um bestehende Alternativen zur konventionellen Haltung zu honorieren, sollten Bio-Produkte von einer Steuererhöhung ausgenommen bleiben.»

Im vergangenen Sommer bereits war ergebnislos über eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für Fleisch von 7 auf 19 Prozent diskutiert worden. Otte-Kinast hält dies für den falschen Weg. «Bei der Mehrwertsteuer lässt sich nicht festschreiben, wohin die Mehreinnahmen fließen sollen. Das Geld muss aber beim Bauern ankommen», sagte sie der Zeitung. Sowohl der Bauernverband in Niedersachsen als auch das Bundesagrarministerium reagierten abweisend auf die Idee einer Sondersteuer auf Fleisch.

Die Debatte verdeutliche zwar die steigende Sensibilität dafür, dass bessere Bedingungen für Nutztiere mehr Geld kosten, meinte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). «Dieses muss aber nicht automatisch aus zusätzlichen Steuern oder Steuererhöhungen kommen.» Vielmehr sei das staatliche Tierwohllabel dabei ein wichtiges Instrument. Es kennzeichne für Verbraucher Produkte, die für mehr Tierwohl stehen. In Dänemark sei so ein Label schon erfolgreich, entsprechende Produkte machten bereits 20 Prozent des Marktes aus.

Grundsätzlich sei es zwar gut, sich Gedanken über die Finanzierung von mehr Tierwohl zu machen, sagte die Sprecherin des Landvolks Niedersachsen, Gabi von der Brelie. Tatsächlich scheiterten Neubauten von Ställen aber am Umweltschutz, aus Gründen des Emissionsschutzes gebe es oft keine Baugenehmigung mehr für neue Ställe. An diesem Punkt kündigte Klöckner Erleichterungen an. «Mit Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) werde ich zudem das Baugesetzbuch ändern und Stallumbauten zur Verbesserung des Tierwohls erheblich vereinfachen.» Solche Umbauten werde das Ministerium zudem finanziell fördern - die Kosten dafür könne nicht allein die Bauersfamilie stemmen.

Ablehnend zu neuen Steuern äußerte sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Gero Hocker. Diese bekämpften allenfalls Symptome, aber sie lösten keine Probleme. «Was wir brauchen sind faire und transparente Wettbewerbsbedingungen. Die wird es nur dann geben, wenn es ein EU-weit verbindliches Tierwohlkennzeichen für alle Nutztierarten gibt.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Sollten Steueraufschläge für Cola und Limo kommen, um Anreize für gesündere Ernährung zu setzen? Die Gesundheitsministerin ist dafür. Doch das letzte Wort in der Regierung ist noch nicht gesprochen.

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Kennzeichnung der Tierhaltung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Der Hotelverband Deutschland plant mit „IHA Inside 2026“ ein Branchentreffen am Nürburgring. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Wettbewerbe und ein begleitendes Rahmenangebot.

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat einen Referentenentwurf zur Änderung des Gesetzes Tierhaltungskennzeichnung vorgelegt. Ziel ist laut Entwurf eine grundlegende Reform und Ausweitung der Kennzeichnungspflichten, insbesondere auf die Außer-Haus-Verpflegung wie Restaurants, Kantinen und Imbisse.

Das lange geplante staatliche Tierhaltungslogo für Fleisch soll nach Plänen des Bundesagrarministeriums im nächsten Jahr mit mehreren Änderungen eingeführt werden - und zwar außer in Supermärkten auch in Restaurants und Kantinen.

Sandra Warden arbeitet seit fast 25 Jahren beim DEHOGA Bundesverband. Dort verantwortet sie als Geschäftsführerin die Bereiche Arbeitsmarkt und Tarifpolitik. In der aktuellen Darstellung der Bundesgeschäftsstelle auf der Website des Verbandes wird sie derzeit nicht aufgeführt. Auf Anfrage von Tageskarte zu den Änderungen reagiert der Verband knapp.

50 Cent extra für Einwegbecher & Co.: Die Verpackungsteuer in Potsdam sorgt für Riesen-Ärger. Verbände warnen vor Unmut beim Verbraucher wegen Preissprüngen und hohem Bürokratie-Aufwand.

Google steht unter Druck: Die von Künstlicher Intelligenz betriebenen Chatbots werden zunehmend zur Konkurrenz. Brüssel will dem Wettbewerb nicht im Weg stehen - im Gegenteil.

Der DEHOGA und weitere Wirtschaftsverbände kritisieren die geplante steuerfreie 1.000-Euro-Prämie. Sie sehen darin eine zusätzliche Belastung für Unternehmen in einer angespannten wirtschaftlichen Lage.