ÖHV zur Herkunftskennzeichnung: "Mehr Bürokratie macht kein Schnitzel besser!“

| Politik Politik

Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) positioniert sich deutlich gegen die Forderungen des Bauernbundes nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie (Tageskarte berichtete). ÖHV-Präsident Walter Veit warnt vor einem massiven bürokratischen Mehraufwand für Hotel- und Gastronomiebetriebe, der weder die Qualität der Speisen verbessere noch im Interesse der Gäste liege.

Bürokratie und Kostensteigerungen befürchtet

Nach Ansicht der ÖHV würde eine verpflichtende Dokumentation der Herkunft jeder einzelnen Zutat zu einer erheblichen Belastung im operativen Alltag führen. Insbesondere bei saisonalen Verfügbarkeiten und häufig wechselnden Lieferanten müssten Speisekarten laufend angepasst werden. Veit betont: „Laufend die Speisekarte umzuschreiben ist unzumutbar! Wir sind für die Gäste da, nicht zum Ausfüllen von Herkunftslisten.“ Ein solcher administrativer Mehraufwand führe unweigerlich zu höheren Kosten, was letztlich in steigenden Preisen für die Endverbraucher resultiere.

Die Hotelvereinigung sieht in dem Vorstoß zudem eine Form der Bevormundung. Veit stellt klar, dass die Branche bereits heute erfolgreich auf Regionalität und Bio-Produkte setze, da diese starke Verkaufsargumente seien. Landwirtschaftliche Betriebe, die entsprechende Qualität liefern, würden bereits jetzt großartige Geschäfte mit der Hotellerie machen. Eine „Zettelwirtschaft“ hingegen mache kein Schnitzel besser.

Fokus auf Tierwohl und Produktionsstandards

Anstatt die Gastronomie und Hotellerie als Kontrollorgan in die Pflicht zu nehmen, fordert die ÖHV die Landwirtschaft auf, die eigenen Standards zu optimieren. Laut Veit solle die Politik die Landwirtschaft zu echtem Tierwohl und strengsten Standards im Stall und auf dem Feld verpflichten. Die Landwirtschaft erhalte von der EU mehr als 300 Milliarden Euro an Förderungen, was mehr als in jeder anderen Branche sei. Damit müsse man in einer Qualität produzieren können, die sich gegen Billigimporte durchsetzt.

Der ÖHV-Präsident fordert den Bauernbund auf, sich auf die Bedürfnisse seiner Kunden – der Gastronomie und Hotellerie – zu konzentrieren. Top-Qualität und höhere Tierwohl-Kriterien seien der richtige Weg, um am Markt zu punkten, statt der Branche weitere Dokumentationspflichten aufzuerlegen. Dass sich Branchen in einem Land, das ohnehin in Bürokratie untergehe, gegenseitig belasten, bezeichnete Veit als Armutszeugnis.

Die Kernforderungen der ÖHV an die Politik

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten, formuliert die Hotelvereinigung spezifische Kernpunkte für die politische Agenda. Dazu gehört an erster Stelle der Stopp der Bürokratie-Spirale, was bedeutet, dass keine weiteren verpflichtenden Kennzeichnungsvorschriften eingeführt werden dürfen. Zudem müsse die Verantwortung für Tierwohl-Standards bei der Produktion bleiben, anstatt die Gastronomie als Kontrollorgan zu missbrauchen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Forderung nach einer EU-weiten Standardisierung. Die Bundesregierung solle sich aktiv für einheitliche europäische Tierwohl-Standards nach höchsten Kriterien einsetzen, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Abschließend fordert die ÖHV eine generelle Entlastung der Betriebe durch die Reduktion bestehender Dokumentationspflichten, um Ressourcen für die Gästebetreuung freizuspielen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Arbeitszeitregeln sollen gelockert werden, das hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart. Wie sehr, ist noch offen. Ein erster Entwurf hält grundsätzlich am Achtstundentag fest.

Das Europäische Parlament hat neue Vorgaben für die Bezeichnung pflanzlicher Lebensmittel gebilligt. Während Begriffe wie „Veggie-Burger“ erlaubt bleiben sollen, könnten Bezeichnungen wie „Veggie-Hühnchen“ oder „veganer Speck“ künftig untersagt werden.

Der Schweizer Nationalrat hat eine Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen bis Ende 2035 abgelehnt. HotellerieSuisse kritisiert die Entscheidung. Nach der Entscheidung des Nationalrates wird sich nun der Ständerat mit der Vorlage befassen.

Marmelade kehrt zurück, Honig wird transparent: Die reformierten EU-Frühstücksrichtlinien bringen ab Juni 2026 neue Kennzeichnungspflichten auf das Buffet. Warum die strengeren Herkunftsangaben beim Honig den Einkauf verändern und neue Chancen für regionale Frühstückskonzepte bieten.

Der Deutsche Tourismusverband fordert anlässlich einer Bundestagsanhörung eine langfristige Absicherung der Finanzierung für die touristische Infrastruktur: Nur mit verlässlichen Förderinstrumenten könnten die Ziele der Nationalen Tourismusstrategie realisiert werden.

Die EU-Kommission hat erstmals Strategien für Inseln und Küstenregionen vorgestellt. Im Fokus stehen touristisch geprägte Gebiete, die mit Klimawandel, Wohnraummangel, saisonalen Arbeitsmärkten und einer hohen Abhängigkeit vom Tourismus konfrontiert sind.

Der Hotelverband Deutschland fordert eine Klarstellung der EU-Kommission zur Auslegung der Verpackungsverordnung PPWR. Nach Ansicht des Verbands könnten Hotels und Gastronomiebetriebe sonst fälschlicherweise als Hersteller von Verpackungen eingestuft werden.

Die Europäische Kommission hat wegen der Registrierungspflicht für Reisende ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien eingeleitet. Die spanischen Hotelverbände FEHM und CEHAT begrüßen den Schritt und fordern die sofortige Aufhebung der Regelung.

Ein Bündnis aus 14 Wirtschaftsverbänden fordert die Bundesregierung zur Modernisierung des Arbeitszeitrechts auf. Im Zentrum steht die Forderung nach einer Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

Der Deutsche Tourismusverband fordert angesichts steigender kommunaler Kosten eine breitere Finanzierungsbasis für touristische Infrastrukturen. Dabei werden insbesondere Gästebeiträge und Tourismusabgaben als Mittel zur Sicherung der regionalen Attraktivität hervorgehoben.