Ökonomen für höheres Renteneintrittsalter

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Mitten in den Koalitionsverhandlungen haben sich Ökonomen für ein höheres Renteneintrittsalter ausgesprochen. Um die gesetzliche Rentenversicherung langfristig zu stabilisieren, sollte das Renteneintrittsalter ab dem Jahr 2031 angehoben und an die Entwicklung der ferneren Lebenserwartung gekoppelt werden, heißt es in einer am Dienstag vorgestellten Studie des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Marktwirtschaft, des Kronberger Kreises. Mitglied ist unter anderen der frühere Vorsitzende der «Wirtschaftsweisen», Lars Feld.

Es solle eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die künftige Lebenserwartung geben, sagte Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie. Die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre werde absehbar nicht ausreichen, um aufgrund des demografischen Wandels Mehrbelastungen auszugleichen. Der Reformdruck werde in den kommenden Jahren deutlich steigen, wenn die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen. Wie hoch genau das Eintrittsalter steigen soll, sagte er nicht.

Für große Aufregung hatten im Sommer Vorschläge des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium über eine Reform hin zur Rente mit 68 gesorgt. Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Feld kritisierte die bisherigen Ankündigungen von SPD, FDP und Grünen, die über eine neue Regierung verhandeln, zur Zukunft der Sozialsysteme als nicht ausreichend. Er habe den Eindruck, dass es in der Sozialpolitik ein «Durchlavieren» gebe. Die drei Parteien hatten in ihrem Sondierungspapier festgehalten, es werde keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben. Weiter hieß es, es solle in eine teilweise Kapitaldeckung der Rentenversicherung eingestiegen werden.

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte, die «Ampel»-Verhandler hätten klug vereinbart, das Renteneintrittsalter nicht zu erhöhen. «Unter Wirtschaftswissenschaftlern wird es immer solche geben, die Vorschläge zu Rentenkürzungen machen, denn nichts anderes wäre ein Heraufsetzen des Rentenalters. Wenn Wissenschaftler das wollen, können sie ihre Schreibtischjobs schon jetzt bis 75 ausüben. Aber wer hart arbeitet, hat eine deutlich geringere Lebenserwartung und bezieht deshalb kürzer Rente – wenn er oder sie die Rente überhaupt erlebt.» Ein höheres Rentenalter wäre für Beschäftigte in der Pflege, auf dem Bau oder in Fabriken keine Option.

Der Kronberger Kreis forderte weiter, den sogenannten Nachholfaktor in der Rentenformel wieder einzusetzen - als kurzfristig wirksame Maßnahme, um Ausgabensteigerungen einzudämmen. Nach einer Renten-Nullrunde in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Corona-Krise können sich die Rentnerinnen und Rentner im kommenden Jahr voraussichtlich auf steigende Bezüge einstellen. Feld erwartet eine Steigerung von 5,5 Prozent. Bei einer Wiedereinsetzung des Nachholfaktors wären es Steigerungen von etwa 2,5 Prozent. Der Kronberger Kreis ist eine Vereinigung wirtschaftsliberaler Hochschulprofessoren. (dpa)


 

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