Österreich öffnet ab heute Gastronomie und Hotels - Frankreich und Italien lockern

| Politik Politik

Im Zeichen deutlich sinkender Corona-Zahlen kehrt in Österreich das öffentliche Leben zurück. Am Mittwoch öffnen nach mehrmonatigem Lockdown Lokale und Hotels, dürfen Theater und Kinos wieder Besucher empfangen und Kunden auch Sportstätten und Fitnessstudios aufsuchen. Voraussetzung für die Nutzung all dieser Einrichtungen ist, dass die Gäste entweder negativ auf das Coronavirus getestet sind, von einer Covid-Erkrankung genesen sind oder eine Impfung haben. Auch Frankreich lockert seine Corona-Maßnahmen deutlich. «Ab dem 19. Mai müssen wir unsere französische Lebensart wiederentdecken», hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gesagt.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bezeichnete den Tag als «Startpunkt für unseren Kampf zurück zur Normalität.» Die Ausgangslage für die Öffnungen sei noch besser als erwartet. «Die Kurve der Corona-Infizierten zeigt steil nach unten, die Kurve der Geimpften steil nach oben», so Kurz über die aktuelle Entwicklung.

Für die Einreise nach Österreich entfällt für die Deutschen die Quarantänepflicht, allerdings muss zumindest ein Test mit negativem Ergebnis gemacht worden sein. In Österreich waren in den meisten Bundesländern schon seit Anfang Februar der Handel und viele Dienstleister geöffnet.

Auch Geisterspiele in der Bundesliga sind nun zumindest vorerst vorbei. Bei genehmigten Veranstaltungen mit Sitzplätzen dürfen im Freien bis zu 3000 Menschen zusammenkommen. In Innenräumen sind es bis zu 1500. Weiterhin verboten sind zunächst große Zusammenkünfte wie Hochzeitsfeiern oder Vereinsfeste. Auch die Nachtgastronomie bleibt wegen der Sperrstunde von 22 Uhr zunächst geschlossen. Kurz kündigte weitere Öffnungsschritte in nächster Zeit an. «Wir werden im Sommer zur Normalität zurückkommen können.»

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war in den vergangenen Wochen - entgegen mancher Warnungen von Virologen - deutlich gesunken. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von etwa 65 ist die Lage in Österreich nun seit kurzem besser als in Deutschland mit 79. 

Der Schritt ist eine Voraussetzung für den Neustart des Tourismus in Österreich. Das Land ist stark von den Einnahmen aus diesem Wirtschaftszweig abhängig. Touristen können sich vielerorts kostenlos testen lassen. So können sich auch Hotels und Gastronomiebetriebe mit Selbsttests eindecken, um ihre Gäste versorgen zu können.

Auch in Frankreich beginnt am Mittwoch der zweite große Schritt bei den Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Er soll die Rückkehr zum normalen Leben markieren. Eine große Lockerung ist nun die Verschiebung der abendlichen Ausgangssperre von 19.00 Uhr auf 21.00 Uhr.

Ab Mittwoch dürfen außerdem im ganzen Land wieder die Außenbereiche der Restaurants sowie die Geschäfte und Kultureinrichtungen öffnen. Auf den Restaurant-Terrassen sollen strikte Hygieneregelungen gelten. Sie dürfen nur bis zu Hälfte ausgelastet sein, an einem Tisch dürfen maximal sechs Menschen sitzen. Die Restaurants waren im Frankreich seit Ende Oktober geschlossen.

Bei den Geschäften, die nicht lebensnotwendige Produkte kaufen, müssen acht Quadratmeter pro Kunde zur Verfügung stehen. Auch in Kinos, Theater und Museen gelten Beschränkungen.

Frankreich ist schwer von der Covid-19-Pandemie getroffen. Seit Beginn der Krise sind rund 108 000 offizielle Corona-Todesopfer gezählt worden. In den vergangen Wochen hatte sich die Lage aber deutlich entspannt. Zuletzt wurden landesweit knapp 150 Corona- Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche gezählt. Für die Lockerungen will auch Frankreich eine Art Notbremse nutzen. Ein Richtwert, der aber noch mit anderen Faktoren betrachtet wird, ist dabei eine Inzidenz von 400 oder mehr.

In Italien freuen sich die Menschen auf leichte Lockerungen beim nächtlichen Ausgangsverbot. Die Regierung in Rom hatte am Montag beschlossen, dass sich der Start der Sperrstunde um eine Stunde, von 22 auf 23 Uhr verschiebt. Die Maßnahme tritt nach der offiziellen Publikation des Dekrets in Kraft. Italienische Medien gingen davon aus, dass die Bürger schon am Mittwochabend länger draußen unterwegs sein würden. In einem nächsten Schritt ab 7. Juni wird das Ausgangsverbot dann auf Mitternacht geschoben. Ab 5.00 Uhr darf man in Italien wieder frei aus dem Haus gehen.

Österreich bietet kostenlose Corona-Tests für Urlauber an

Österreich bietet ab nächster Woche kostenlose Corona-Tests auch für ausländische Gäste an, um so den Tourismus anzukurbeln. Diese Möglichkeit werde in öffentlichen Test-Straßen, Apotheken oder auch direkt im Hotel oder im Gasthaus bestehen, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag in Wien. Jeder Wirt, jedes Hotel, jeder Betrieb könne Selbsttests für Gäste anbieten. Das solle auch spontane Restaurantbesuche ermöglichen. Der Vor-Ort-Test gelte in diesem Fall aber auch nur für die Dauer des Aufenthalts im Lokal. «Es liegt in der Entscheidung des Lokalbetreibers, ob er diese Tests anbietet», sagte Köstinger.

Das System der Eintrittstests und weiterer Sicherheitsauflagen habe sich sehr bewährt. In der Modellregion Vorarlberg, in der bereits seit März die Gastronomie mit Zutrittstests geöffnet ist, habe es laut wissenschaftlichen Studien keinen einzigen Infektionsfall gegeben, so die Ministerin. Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotellerie erhielten wie bereits im vergangenen Jahr Zugang zu kostenlosen PCR-Tests, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. 

In Österreich öffnen am Mittwoch nach sieben Monaten Lockdown die Gastronomie, die Hotellerie, die Kultur und viele Sportstätten. Zugleich entfällt für viele Länder - darunter auch Deutschland - die Quarantänepflicht bei Einreise. Allerdings müssen die Einreisenden getestet, geimpft oder von Covid-19 genesen sein. Für Regionen mit Virusvarianten und für Hochinzidenzgebiete gelten strengere Regeln. Falls ein Test nicht vorgelegt werden kann, muss er innerhalb von 24 Stunden in Österreich gemacht werden. Vor jeder Einreise ist weiter eine elektronische Registrierung nötig.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) geht davon aus, dass mit der nun umfassenden Öffnung die wirtschaftliche Leistung in Österreich bereits in wenigen Monaten wieder auf dem Vorkrisen-Niveau liegen wird. Auch auf dem Arbeitsmarkt werde sich die Lage entspannen, gab sich Arbeitsminister Martin Kocher zuversichtlich. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich liegt aktuell bei 65 - und damit unter der von Deutschland mit 79. 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das bestehende Minijob-System steht im Zentrum einer politischen Debatte. Eine Gruppe von Unions-Bundestagsabgeordneten sehen in der geringfügigen Beschäftigung einen „Systemfehler“, der reguläre Arbeit verdrängt und unsozial sei. Der DEHOGA Bundesverband hingegen warnt eindringlich vor den Konsequenzen einer Abschaffung.

Studierende in Niedersachsen sollen bald wieder ein warmes Mittagessen für 2,50 Euro bekommen. SPD und Grüne im Landtag wollen das sogenannte «Niedersachsen-Menü» an allen Hochschulen im Land neu auflegen. Fünf Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Darf die EU Kriterien für die Festsetzung von angemessenen Mindestlöhnen vorgeben? Das höchste europäische Gericht sagt in einem neuen Urteil Nein. Auf die Höhe des Mindestlohns in Deutschland hat die Entscheidung keine direkte Auswirkung.

Macht ein EU-Urteil Änderungen am deutschen Mindestlohn-System notwendig? Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie die Politik blicken an diesem Dienstag gespannt nach Luxemburg.

Vertreter von Bundesregierung, Bundesländern, Wirtschaft und Gewerkschaften haben für die duale Berufsausbildung in Deutschland geworben und auf akute Probleme auf dem Ausbildungsmarkt hingewiesen. Die Lage sei mehr als herausfordernd, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) fordert eine rasche und dauerhafte steuerliche Entlastung für das Gastgewerbe. Der Verband sieht darin einen entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität der Innenstädte.

Die im Europäischen Parlament angestoßenen Pläne für ein Bezeichnungsverbot von Fleisch-Namen für pflanzliche Ersatzprodukte stoßen im Bundestag auf breite Ablehnung. Quer durch fast alle Fraktionen äußerten Abgeordnete Kritik an einem möglichen Verbot von Begriffen wie „Tofu-Wurst“ oder „Veggie-Burger“.

Die wiederholte Blockade in Washington hat für das US-Hotelgewerbe bereits zu massiven Verlusten geführt. Über 30 Branchenverbände richten einen verzweifelten Appell an die politischen Entscheidungsträger.

Der Mindestlohn steigt wie geplant zum 1. Januar auf 13,90 Euro pro Stunde und ein Jahr später um weitere 70 Cent auf 14,60 pro Stunde. Das Bundeskabinett beschloss in Berlin eine entsprechende Verordnung.

Bundesagrarminister Alois Rainer spricht sich gegen ein Verbot von Bezeichnungen wie «Veggie-Schnitzel» oder «Tofu-Wurst» für pflanzliche Lebensmittel aus. Es würde «unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft» sowie Bürokratie verursachen, sagte der CSU-Politiker vor einem Treffen mit einem EU-Amtskollegen in Luxemburg.