Reisebranche und Gastgewerbe unter Druck: Kommen neue Staatshilfen?

| Politik Politik

Reisewarnungen für wichtige Urlaubsziele wie Mallorca, Einbrüche bei Buchungen, Angst um die Existenz: Die Corona-Krise setzt vor allem die Reisebranche sowie Hotels und Gaststätten weiter schwer unter Druck. Aus der Bundesregierung kommt nun ein Vorstoß, bei staatlichen Hilfen nachzubessern. Überbrückungshilfen sollten über Ende August hinaus verlängert werden, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, der Deutschen Presse-Agentur. Wirtschaftsverbände begrüßten die Pläne. Die Welttourismusorganisation UNWTO warnte angesichts neuer Einschränkungen vor zu harschen Maßnahmen.

Die Reisebranche werde noch eine schwierige Durststrecke durchstehen müssen, sagte Bareiß. «Man denke nur an das schleppende Hochfahren der Geschäftsreisen.» Die Verlängerung der Überbrückungshilfen wäre ein Signal, dass die Politik die Branche nicht alleine lasse. «2020 ist ein Ausnahmejahr für den Tourismus», sagte Bareiß. Das Bundeswirtschaftsministerium habe sich bereits vor der Entscheidung zu den Überbrückungshilfen dafür eingesetzt, diese bis Ende Dezember zu gewähren, sich aber damit nicht durchsetzen können.

Die staatlichen Überbrückungshilfen laufen bisher bis Ende August. Die Antragsfrist war bis Ende September verlängert worden, also sind Zahlungen auch rückwirkend möglich. Für die Zuschüsse an die Firmen hat der Bund 25 Milliarden Euro eingeplant.

Mit den Hilfen soll vor allem kleinen und mittelständischen Firmen aus Branchen wie der Reisewirtschaftdem Hotel- und Gaststättengewerbe oder Schaustellern geholfen werden, die weiter erhebliche Umsatzeinbußen haben. Erstattet werden fixe Betriebskosten bis zu einem Betrag von insgesamt 150 000 Euro über drei Monate. Die Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden. Die Bundesregierung hatte zuvor bereits milliardenschwere Rettungsprogramme beschlossen, etwa Sonderkredite und Soforthilfen für Kleinstfirmen.

Bareiß verteidigte die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Mallorca und fast ganz Spanien. «Das ist bitter für die Branche. Aber wenn festgelegte Werte gerissen werden, muss die Politik reagieren, nur so kann Reisen auch weiterhin möglich bleiben. Wir alle haben da eine große Verantwortung.»

Die Reisewarnung war in der Wirtschaft auf Kritik gestoßen. Die Vorschläge für eine längere staatliche Unterstützung wurden nun begrüßt. Die Tourismusbranche forderte aber Nachbesserungen im Detail. «Eine reine Verlängerung der Hilfen reicht nicht aus. Wir brauchen in einigen Punkten eine Überarbeitung», sagte der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Norbert Kunz.

Er kritisierte, dass Betriebe mit mehreren Standorten die Überbrückungshilfe nur einmal beantragen könnten. Das treffe vor allem Hoteliers. Zudem seien Personalkosten nur mit zehn Prozent anrechenbar. «Das ist zu wenig», sagte der Geschäftsführer des Dachverbandes des Deutschland-Tourismus. «Problematisch ist auch der Stichtag 29. Februar 2020 für den Personalbestand. Schausteller beispielsweise haben um diese Jahreszeit kaum Mitarbeiter.»

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband forderte die Bundesregierung auf, eine Verlängerung der Überbrückungshilfen bereits jetzt auf den Weg zu bringen. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte der dpa: «Aufgrund der monatelangen Zwangspause klaffen riesige Löcher in den Bilanzen der Gastgeber. Auch nach der Wiedereröffnung beklagen die Betriebe massive Umsatzverluste im Vergleich zum Vorjahr.»

Besonders dramatisch stelle sich die Situation in der Stadthotellerie und bei den Eventcaterern dar sowie bei den Discotheken und Clubs, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive gebe. Hartges verwies auf eine Dehoga-Umfrage, nach der mehr als die Hälfte aller Betriebe um die Existenz fürchtet.

Der Reiseverband DRV, der vor allem Reisebüros und Veranstalter vertritt, warnte vor einer großen Pleitewelle. Die Branche sei durch die Corona-Pandemie und die von der Regierung verhängten Maßnahmen unverschuldet in eine nie da gewesene Schieflage geraten. Die Hilfen für Unternehmen mit deutlichen Umsatzeinbußen müssten mindestens bis Ende des Jahres fortgeschrieben und angepasst werden, um die Reisewirtschaft mit ihren rund drei Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland zu stützen.

UNWTO-Generaldirektor Surab Pololikaschwili betonte, die Regierungen hätten zwar die Pflicht, die Gesundheit der Menschen zu schützen, aber sie hätten auch eine Verantwortung für die Wirtschaft und die Einkommen der Menschen. «Viel zu lange und an zu vielen Orten wurde zu sehr auf die erste Aufgabe geachtet. Und jetzt zahlen wir den Preis dafür», schrieb der Georgier in einer Mitteilung der UN-Sonderorganisation mit Sitz in Madrid. Ein sicherer Tourismus sei bei Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen möglich.

In der deutschen Politik wird auch über eine deutlich längere Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate diskutiert. Die Spitzen von CDU, CSU und SPD könnten darüber bei Beratungen des Koalitionsausschusses am 25. August entscheiden. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte dem Nachrichtenportal «ThePioneer», er wolle zeitnah konkret Vorschläge machen. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die NGG unterstützt die Empfehlungen der Rentenkommission zur Abschaffung des Sonderstatus von Minijobs. Der DEHOGA warnt dagegen vor erheblichen Folgen für rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe.

Im Supermarkt greifen viele Menschen zu veganen oder vegetarischen Produkten. Bald müssen sie sich an neue Namen gewöhnen: Bestimmte Begriffe, die an Tiere denken lassen, sind dann nicht mehr erlaubt.

Das Bundesfinanzministerium hat einen Gesetzentwurf zur Erhöhung der Alkoholsteuer vorbereitet. Nach einem Medienbericht sollen Spirituosen, Sekt und Alkopops ab dem 1. Januar 2027 um 20 Prozent höher besteuert werden.

Die Bundesregierung hat die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpasst. Nach derzeitiger Planung soll das Gesetz erst Anfang 2027 in Kraft treten, während Berichtspflichten und Auskunftsansprüche ab Juni 2028 greifen sollen.

Eine eigene Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat eine Alternative zu den Reformplänen der Regierung erarbeitet. Das Konzept verspricht ziemlich viel. Wie soll es finanziert werden?

Arbeiten bei mehr als 30 Grad, vielleicht sogar körperlich? Das ist nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich werden. Gewerkschaften setzen sich für mehr Schutz ein.

Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Der langjährige Präsident und spätere Ehrenpräsident des DEHOGA Bundesverbandes ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Wirken reicht weit über seine Amtszeit hinaus.

Die Diskussion um die mögliche Abschaffung oder deutliche Einschränkung von Minijobs wird derzeit mit erstaunlich vielen Emotionen geführt – und erstaunlich wenig über die eigentlichen Auswirkungen. Ein Kommentar von Marc Schnerr.

Die Rentenkommission hat eine Reihe von Vorschlägen zur Zukunft der Alterssicherung vorgelegt. Vom Renteneintrittsfenster bis zur Kapitalrente – das steckt hinter den ungewohnten Begriffen.

Der DEHOGA kritisiert Pläne der Rentenkommission, den Sonderstatus von Minijobs künftig auf Schüler zu beschränken. Der Verband warnt vor erheblichen Folgen für die Personalplanung in Hotellerie und Gastronomie.