Sozialstaatsreform: DEHOGA sieht Relevanz bei geplanten Erwerbsanreizen

| Politik Politik

Die Kommission zur Sozialstaatsreform hat Bundesarbeitsministerin Bas ihren Abschlussbericht übergeben. Das Papier enthält 26 Empfehlungen in vier Handlungsfeldern, die von der Digitalisierung der Verwaltung bis zur Neusystematisierung von Leistungen reichen. Nach einer Einschätzung des DEHOGA Bundesverbandes ergeben sich daraus insbesondere bei den Erwerbsanreizen praktische Auswirkungen für die Betriebe des Gastgewerbes.

Neue Systematik bei der Einkommensanrechnung

Ein Kernpunkt der Kommissionsvorschläge ist die Neugestaltung der Anrechnung von Erwerbseinkommen auf Sozialleistungen. Ziel ist es, kleine Einkommen stärker und höhere Einkommen weniger stark zu berücksichtigen. Konkret sieht die Empfehlung vor, den anrechnungsfreien Betrag von bisher 100 Euro auf 50 Euro zu senken.

Für Einkommen bis zur Grenze der geringfügigen Beschäftigung soll die Transferentzugsrate auf 80 bis 90 Prozent angehoben werden. Bei darüberliegenden Einkommen ist eine Absenkung der Rate auf 70 bis 80 Prozent vorgesehen. Um einen zu starken Anstieg der Leistungsberechtigten zu vermeiden, sollen die Raten nach Haushaltstypen differenziert werden. Zudem wird eine Prüfung der Anreize durch den Minijob angeregt.

Einschätzung des Gastgewerbes zu Erwerbsanreizen

Der DEHOGA betont, dass für das Gastgewerbe vor allem die Wechselwirkungen mit geringfügig Beschäftigten im Blick behalten werden müssen. Laut Verband ist bei der Umsetzung sicherzustellen, dass keine Fehlanreize für Schwarzarbeit entstehen.

Während die meisten Vorschläge behördeninterne Vorgänge betreffen, hebt der Verband die Bedeutung der Rechtsvereinfachung hervor. Dies umfasst die Zusammenlegung von Leistungen wie Grundsicherung und Kinderzuschlag sowie die Pauschalisierung von Leistungen und Vereinheitlichung von Rechtsbegriffen, um eine Automatisierung der Auszahlungen zu ermöglichen.

Zeitplan und breite Unterstützung

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände unterstützt die vorliegenden Reformvorschläge der Kommission. Die schrittweise Umsetzung der Maßnahmen ist bis zum Ende des Jahres 2027 vorgesehen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Landtag von Baden-Württemberg hat den Weg für die Rückerstattung von Corona-Soforthilfen frei gemacht. Wer vor dem 8. April 2020 Anträge stellte und bereits Geld zurückgezahlt hat, erhält dieses nun inklusive Zinsen zurück – allerdings erst nach einem noch einzurichtenden Antragsverfahren.

Mit Anwälten und Abmahnungen kämpfen die Oktoberfestwirte gegen den illegalen Weiterverkauf von Tischreservierungen. Nachdem erste Urteile gegen horrende Preise gefallen sind, warnen Stadt und Wirte nun gemeinsam: Gültig sind nur Original-Reservierungen.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will das Verbot der Bettensteuer durch den Freistaat Bayern vor dem Bundesverfassungsgericht prüfen lassen. Zuerst muss aber noch der Stadtrat zustimmen.

Die Idee einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke stößt in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge auf große Zustimmung. 60 Prozent der Befragten bewerten eine Steuer positiv, deren Höhe mit dem Zuckergehalt des Getränks steigt.

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.