Tourismusgipfel: Klares politisches Ziel, Klimaschutz und Reisefreiheit gefordert

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„In Sachen Klimawandel besteht Handlungsbedarf, daran besteht kein Zweifel. Verzicht, Verbote und Verteuerung sind allerdings ein Irrweg. Wir brauchen das klare politische Ziel, Klimaschutz und Freiheit unter einen Hut zu bringen – und damit auch die Reisefreiheit.“ Mit diesem Appell eröffnete der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Dr. Michael Frenzel den 22. Tourismusgipfel vor rund 450 Teilnehmern in Berlin.

Frenzel forderte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Mut, auf Innovation statt auf Verbote und Verteuerung zu setzen und in Forschung zu investieren. „Es müssen CO2-sparende und letztlich CO2-neutrale Produkte entwickelt werden. Nur mit innovativen Produkten werden wir Nachahmer außerhalb Deutschlands finden, die wir dringend brauchen. Verbote jedenfalls sind keine Exportschlager!  Deutschland muss technologieoffen bleiben. In Forschung investieren. Auf Innovationskraft und Erfindergeist setzen. Deutschland sollte auch seine Industriekompetenz in die Waagschale werfen. All das ist Grundlage für Fortschritt. Und genau den brauchen wir als Tourismuswirtschaft, als Wirtschaftsstandort und als Gesellschaft: Fortschritt, nicht teuren Stillstand. Auch im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit.“ Aufgabe und Pflicht der Politik sei, neben Schwarz und Weiß auch Grau zuzulassen - sprich Kompromisse. „Symbolpolitik, die einfach die lautesten Stimmen befriedet, ist nicht nachhaltig. Eine durchdachte Gesamtlösung ist unerlässlich.“

Frenzel verwies vor diesem Hintergrund auch auf einige Aspekte, die in der aufgeheizten Diskussion häufig zu kurz kommen.

„Die Demokratisierung des Reisens ist eine der größten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Ich halte es für absolut falsch, Reisen wieder zum Luxusgut für die Elite zu machen.“

Deutschland ist keine Insel

„Deutschland ist keine isolierte Insel, wir sind nicht allein auf dieser Welt. Tourismus ist eine globale Branche mit vielen Wirkzusammenhängen und teils austauschbaren Produkten. Globale Branchen brauchen globale oder zumindest europäische Lösungen. Eine nationale Steuer aufs Fliegen hat keinen Nutzen fürs Klima. Im Gegenteil. Die geplante Erhöhung der Luftverkehrsteuer verlagert den Verkehr und sie nimmt deutschen Unternehmen Substanz, um in Innovationen zu investieren.“

„Tourismus stabilisiert viele Regionen dieser Erde. Tourismus ist in vielen Ländern Haupteinnahmequelle und Hauptarbeitgeber. Jeder zehnte Arbeitsplatz weltweit hängt am Tourismus! Was, wenn Tourismus dauerhaft als Arbeitgeber ausfällt? Etwa in Ägypten mit rund 100 Millionen, mehrheitlich jungen Einwohnern, von denen Millionen im Tourismus arbeiten.“ „Nachhaltigkeit ist zudem mehr als CO2 einsparen. Das heißt nicht, dass wir in Deutschland nichts fürs Klima tun sollten. Die Welt besser zu machen, bedeutet auch, CO2 zu reduzieren - aber eben nicht nur. Menschen brauchen Arbeit. Menschen brauchen Zugang zu Bildung. Menschen wollen raus aus der Armut. Tourismus trägt genau dazu bei. Tourismus aus Klimaschutzgründen grundlegend in Frage zu stellen, wäre deshalb fatal.“

An die Branche appellierte Frenzel: „Wir dürfen nicht so tun als hätten wir verstanden und dann passiert nichts. Bereitschaft dafür wird aus allen Teilen der Branche signalisiert. Mehr noch: Einiges passiert schon. Teilweise seit Jahren. Darüber sollten wir definitiv mehr reden. Luftverkehr und Kreuzfahrt sind zwei Achillesfersen des Tourismus. Angriffsflächen, die von Kritikern bewusst attackiert werden. Das Suchen und Finden nachhaltiger Lösungen spielt aber gerade dort bereits eine große Rolle. Mit Corsia wird die Luftverkehrsbranche ab 2020 weltweit der erste und bislang einzige Industriesektor mit einem eigenen Klimaschutzinstrument sein“, so Frenzel.

Wirtschaft und Politik gemeinsam

„In der Kreuzfahrt wird der LNG-Antrieb zunehmend eingesetzt. Und für Flüge ist Power to Liquid keine Zukunftsmusik mehr. Es hat lediglich noch nicht die Massenproduktion erreicht. Das muss ein nächstes großes Ziel sein. Ein gemeinsames von Wirtschaft und Politik. Was können wir noch tun? Wir müssen nachhaltige Angebote sichtbarer machen, damit die Kunden sie auch finden. In den Reisebüros, auf den Buchungsplattformen, in Marketingmaßnahmen. Dafür ist weniger Innovation erforderlich, als vielmehr Bereitschaft. Wir sollten nachhaltige Produkte stärker in unseren Betriebsalltag einbauen. Mit Startups zusammenarbeiten, die manches schneller in den Markt bringen können. Kompensationsangebote müssen ebenfalls sichtbarer werden. Wir sollten mehr mit unseren Kunden kommunizieren, mehr über ihre Wünsche erfahren, mehr darüber welche Form der Nachhaltigkeit ihnen etwas wert ist. Ist das zu wenig, ist das zu langsam, wie Kritiker einwerfen? Vielleicht. Wir sind bereit weiterzudenken.“

In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass die Branche unter Federführung des BTW in einen konstruktiven Dialog mit Prof. Dr. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, eingetreten ist. „In ersten Gesprächen waren wir uns einig, dass einen nicht der Austausch von Maximalforderungen weiterbringt, sondern die Bündelung der Kräfte aus Wirtschaft, Forschung und Politik. Auf dieser Basis wollen wir den Diskurs mit dem PIC weiterführen. Es ist der Anfang eines Dialogs, der uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.“


 

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