Laptop im Zug – für Dritte ein Fenster ins Privat- und Geschäftsleben 

| Technologie Technologie

Mit zunehmender WLAN-Abdeckung in Bus, Bahn und Café lassen viele Menschen die Öffentlichkeit an privaten und beruflichen Informationen teilhaben. Besonders im Zug werde diese Gefahr laut Kaspersky besonders deutlich. Dort lesen und hören mehr Fahrgäste mit, als man glauben mag.

Kaspersky hat nun in einem Experiment einen Tester fünf Werktage lang per Strichliste alle Geschäftsgeheimnisse, die ihm im Zug begegnet sind, zählen und auswerten lassen. Die potentielle Ausbeute: 2.245 einsehbare und mitzuhörende Informationen wie Name und Unternehmen von Geschäftsleuten beziehungsweise von Kollegen und Partnern. Das entspricht 13 öffentlich zugänglichen Geschäftsinformationen pro Waggon – Reisende der Ersten Klasse offenbaren mit durchschnittlich 23 pro Abteil fast doppelt so viel.

Während des Kaspersky-Experiments konnte der Tester innerhalb von fünf Tagen in 170 Zugwaggons 281 physische Dokumente und 1.193 Bildschirme mit Business-Bezug anonym und per Strichlistenzählung einsehen. Hinzu kommen 106 mithörbare Geschäftstelefonate. Am meisten verraten Mitarbeiter aufgrund ihres zu sorglosen Umgangs mit Laptops, Smartphones und Tablets. Die meisten sensiblen Geschäftsinformationen wurden im Kaspersky-Experiment über E-Mails sichtbar.

  • E-Mail: 699 (58 Prozent)
  • Office-Dokument: 297 (25 Prozent)
  • Web-Browser: 128 (11 Prozent)
  • Messenger-Dienst: 22 (2 Prozent)
  • Sonstiges: 47 (4 Prozent)

„Ob privat oder beruflich – wir müssen lernen, dass nicht nur unsere Spuren im Web nachverfolgt werden können, sondern wir häufig – ohne es zu merken – über digitale Geräte direkten Einblick in persönliche und geschäftliche Geheimnisse gewähren. Gerade für Firmen – und damit auch für die Mitarbeiter – ist das meiner Meinung nach ein riesiges Datenschutzproblem“, so Stephan Schilling, Testbeauftragter von Kaspersky. 
 

„IT-Sicherheit beginnt im Kopf. Klar nutzen wir IT Sicherheitsprogramme und Tools – egal ob privat oder im Job allerdings hilft die beste Sicherheitslösung nichts, wenn man selbst auf einen infizierten E-Mail-Anhang klickt oder in den sozialen Medien zu viele Details von sich preisgibt; was viele immer noch unterschätzen: Es reicht schon, wenn ein Dritter mit böswilliger Absicht, einen Blick auf den Bildschirm des eigenen Smartphones oder Laptops wirft,“ sagt Anne Mickler, Corporate Communications Manager für die Region DACH bei Kaspersky.

Datensicheres Verhalten im Zug: Best- und Worst-Cases des Kaspersky-Experiments

Vorbildlich: Eine mutmaßliche Beraterin führte ein 20-minütiges Telefongespräch, ohne einen Unternehmensnamen, Klarnamen oder sonstige identifizierbare Daten zu verwenden. Es wurden Codewörter benutzt oder Dinge und Sachverhalte so umschrieben, dass sie für Außenstehende nicht identifizierbar oder verständlich waren.

Allerdings überwogen die Negativbeispiele:

  • Ein Reisender verwendete einen Laptop, der mit einer ID-Card gesichert war oder eine Verbindung genutzt hat, die eine solche ID-Card benötigt – zur 2-Faktor-Authentifizierung. Auf der ID-Card waren allerdings Klarname, Unternehmen und eine ID-Nummer eindeutig zu erkennen. Ein Beispiel dafür, wie selbst eine Sicherheitsmaßnahme Informationen verrät, die nicht in die Öffentlichkeit gehören.
     
  • Ein Reisender (vermutlich Anwalt) führte ein langes Telefongespräch über einen juristischen Fall. Darin wurden Klarnamen der Verfahrensbeteiligten, das zuständige Gericht sowie Details des Falles sehr laut besprochen.
     
  • Ein Professor bearbeitete Klausuren/Abschlussarbeiten von Studenten. Matrikelnummern und Namen der Studenten waren sichtbar.

Kaspersky: Visual und Audible Hacking vermeiden

Um Visual oder Audible Hacking auf Dienstreisen entgegen zu wirken, sollte man einige einfache Sicherheitsmaßnahmen beachten. Darüber hinaus hilft allein das erlangte Bewusstsein für mögliche daten- und sicherheitsrelevante Bedrohungen aus, um auch privat weniger Gefahr zu laufen, von böswilligen Dritten belästigt zu werden (Stichwort Stalking).
Blickschutzfilter oder Blickschutzbildschirme verwenden – die optische Hürde lässt unliebsamen Spähern wenig Chance.

  • Sollte keine Sichtschutzfolie vorhanden sein, einen Platz wählen, der Dritten keinen Einblick in Geschäftsprogramme und -informationen gewährt.
     
  • Nur Dinge bearbeiten, die unverfänglich sind; zum Beispiel eine nicht vertrauliche Power-Point-Präsentation. Sensible Aktionen – wie eine E-Mail über ein zum Beispiel noch nicht veröffentlichtes Produkt – gehören in eine sichere Umgebung – und nicht in den Zug.
     
  • Bei Telefonaten immer daran denken, dass das komplette Zugabteil unweigerlich mithört. Die Nennung von Klarnamen (des Unternehmens, von Kunden oder sonstigen Partnern) vermeiden.
     
  • Geräte nie aus dem Auge lassen; ist dennoch der Gang auf die Toilette nötig, sollten die Geräte entsprechend gesperrt (PIN, Zugangsberechtigung oder Passwort) sowie mit einer passenden mobilen Sicherheitslösung ausgestattet sein. Token, ID-Karten oder ähnliches sollten abgezogen und mitgenommen werden.
     
  • Vom Unternehmen im Falle von Unklarheiten Regeln in puncto IT-Sicherheit und Datenschutz auf Geschäftsreisen einfordern. Über Schulungen kann die komplette Firma derartiges Wissen vertiefen und das gesamte Sicherheitsniveau des Unternehmens auf ein stabiles Level gebracht werden.
     
  • Mitarbeiter regelmäßig hinsichtlich Cybergefahren und Datenschutz schulen – insbesondere was es auf Geschäftsreisenden zu beachten gilt. 
     
  • Logos haben auf Geschäftslaptops nichts zu suchen.

 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Accor weitet die eigene digitale Präsenz aus und integriert ihre Buchungs- und Loyalitätsplattform ALL in das KI-System ChatGPT. Damit ermöglicht das Unternehmen die Suche und Auswahl von Hotelunterkünften direkt über den Chatbot.

Rückblickend auf das Jahr 2025 legt Betterspace seine Zahlen vor, die eindrucksvoll verdeutlichen, wie wachstumsorientiert sich das Unternehmen wirtschaftlich und strukturell in die Zukunft bewegt. Die Spezialisten für wegweisendes Energiemanagement in Gewerbegebäuden konnten ihren Umsatz verdoppeln.

Das Hotel-Betriebssystem Mews sichert sich 300 Millionen US-Dollar neues Kapital. Mit einer Bewertung von 2,5 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen nun massiv in künstliche Intelligenz investieren, um die Automatisierung in der weltweiten Hotellerie voranzutreiben.

Eine aktuelle Analyse beleuchtet die schwindende Marktmacht von Booking.com im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Da die Auswahl der Hotels künftig verstärkt durch Algorithmen von Google und OpenAI erfolge, könnte das Portal Kontrolle über die digitale Sichtbarkeit einbüßen, so eine Analyse.

Sie arbeiten mit Zahlen, Konzepten, Verträgen: Ihre Expertise ist der Kern Ihres Geschäfts, Zeit ein entscheidender Erfolgsfaktor. Mit PayPal erhalten Sie Honorare, Vorschüsse oder Pauschalen schnell und sicher. Ohne Nachfassen.

Die Anzahl der von Google gelöschten Rezensionen ist bis Ende 2025 massiv gestiegen. Während global vor allem 5-Sterne-Bewertungen gelöscht werden, verschwinden in Deutschland aufgrund der Rechtslage vermehrt negative Kritiken.

Die Partnerschaft zwischen Apple und Google bringt die Gemini-KI voraussichtlich direkt auf das iPhone. Laut einer Analyse von Skift könnte dies Siri zum zentralen Werkzeug für die Reise- und Hotelbuchung machen und damit den direkten Kundenkontakt für klassische Anbieter erheblich erschweren.

Digitale Lösungen sind im Hotel- und Gastronomiebetrieb längst kein Zusatz mehr, der nach Belieben eingesetzt wird, sondern ein fester Bestandteil der täglichen Abläufe. Buchungen laufen automatisiert ein, Abrechnungen entstehen im Hintergrund, Dienstpläne werden digital gepflegt und Auswertungen versprechen Transparenz in Echtzeit.

Die US-amerikanische Pizzakette Papa Johns hat in Kooperation mit Google Cloud die Einführung eines neuen, KI-basierten Bestellsystems bekanntgegeben. Die Lösung basiert auf dem KI-Modell Gemini und ermöglicht Bestellungen sowohl per Sprache als auch per Text.

Der Deutsche Reiseverband positioniert sich zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Tourismusbranche. Das neue Grundsatzpapier beleuchtet Chancen für Effizienzsteigerungen, definiert ethische Leitlinien und formuliert klare Forderungen an Politik und Unternehmen.