Australische Verbraucherschützer: Trivago führt Kunden in die Irre

| Tourismus Tourismus

Verbraucherschützer in Australien haben dem Hotelvergleichsportals Trivago vorgeworfen, seine Kunden zu täuschen. Sie verlangen dafür eine Strafe in Millionen-Dollar-Höhe, nachdem ein Gericht zu ihren Gunsten entschieden hatte. Kern der Vorwürfe: Das Internetportal biete nicht die günstigsten Hotels an, sondern empfehle die Hotels je nachdem, wer am meisten zahle.

Trivagos Verhalten sei «besonders ungeheuerlich», sagte der Chef der Verbraucherschutzorganisation ACCC, Rod Sims, am Dienstag. Er verwies dabei auf eine Entscheidung des Bundesgerichts. Diese solle anderen Unternehmen eine Warnung sein. «Wir wollen an Trivago und andere die Botschaft senden, Verbraucher nicht zu täuschen und Verbraucher nicht mehr zahlen zu lassen als sie müssten», sagt Sims vor Journalisten.

Die Webseite von Trivago biete entgegen dem Eindruck, den sie erwecke, kein unparteiisches, objektives und transparentes Preisvergleichs-System, erklärte Richter Mark Moshinsky am Montag. «Die Tatsache, das Trivago von den Onlinebuchungs-Seiten bezahlt wurde, wurde nicht deutlich gemacht.» Der Fall soll für eine Entscheidung erneut vor Gericht kommen. Wann, ist noch offen.

Trivago werde die Entscheidung des Gerichts genau überprüfen, kündigte eine Unternehmenssprecherin in Düsseldorf an. «Wir arbeiten daran, die Auswirkungen dieser Entscheidung auf unser Website-Design schnell zu verstehen», teilte sie mit.

Trivago wurde als Startup in Düsseldorf gegründet. Mehrheitsaktionär ist Expedia, ein Konkurrent Booking. 

„Es ist amtlich: Wer tatsächlich glaubt, dass Buchungs- und Preisvergleichsplattformen Kunden zu den günstigsten Angebote führen, täuscht sich“, verweist Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung, auf das Urteil eines australischen Gerichts gegen Trivago. Australiens Wettbewerbs- und Verbraucherschutzkommission hatte wegen eines Verstoßes gegen Verbraucherschutzgesetze geklagt und vor Gericht Recht bekommen: Trivago habe „zu günstige“ Angebote ausgeblendet: „Alles unter einer bestimmten Umsatzschwelle bekamen User gar nicht zu Gesicht. Auf einer Hotelwebsites passiert Ihnen das nicht“, rät Gratzer dazu, zur Sicherheit immer auch die Hotel-Websites im Auge zu behalten: „Das wollen die Plattformen verhindern. Lassen Sie sich das nicht gefallen! Die Plattform ist nicht Ihr Freund. Vertrauen Sie ihr nicht.“

Der Fall zeige auch unterschiedliche Standards im Verbraucherschutz auf: Werden in Australien Konsumenteninteressen umfassend geschützt, halten sich die Kollegen in Österreich gegenüber Plattformen auffallend zurück: „Trivago arbeitet weltweit gleich, doch unser Konsumentenschutz bleibt still. Vielleicht sollte auch die Arbeiterkammer statt Preisvergleichen für Leberkäse einmal beim Online-Betrug im großen Stil genauer hinsehen: „Egal, ob es um Preisvergleichsplattformen, Buchungsplattformen oder die Sharing Economy geht: Milliardengewinne und unglaubliche Summen für Fernsehwerbung kommen nicht vom Verkauf der günstigsten Angebote. Das haben wir jetzt schwarz auf weiß“, so Gratzer.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Deutschen planen für diesen Herbst weniger Urlaubsreisen als vor einem Jahr. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Urlaubsplanungsindex des Deutschen Instituts für Tourismusforschung in Kooperation mit dem Deutschen Tourismusverband.

Royal Caribbean Group hat eine Vereinbarung über eine 50-prozentige Beteiligung an Sandals und Beaches Resorts unterzeichnet. Der Abschluss der rund drei Milliarden US-Dollar teuren Transaktion wird für Anfang 2027 erwartet.

Das im Mai eröffnete temporäre Erlebnis-Dorf des Erdbeer-Unternehmens Karls in Wernigerode im Harz soll 2027 in die Verlängerung gehen. Zunächst wird es aber nach den Herbstferien Anfang November schließen.

Lonely Planet zählt Dessau zu seinen Reisezielen für 2027. Autor Anthony Ham stellt das Bauhaus und dessen Einfluss auf die Alltagsarchitektur in den Mittelpunkt.

Die Aktien mehrerer Reiseplattformen haben nach dem Start von Metas KI-Assistent Muse nachgegeben. Analysten befassen sich mit möglichen Folgen für das Geschäft mit Reisebuchungen.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Zentrale für Tourismus bestätigt die Bedeutung der Vereinigten Staaten als wichtigsten Überseemarkt für den deutschen Tourismus. Trotz gestiegener Kostensensibilität bleiben die Ankünfte stabil auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Ferienparkkette Center Parcs prüft die Errichtung eines großen Ferienparks im Lausitzer Seenland. Das Projekt auf Brandenburger Seite solle zwischen Sedlitzer See und Partwitzer See auf rund 90 Hektar Fläche 500 bis 700 Ferienhäuser umfassen.

Tui spürt weiterhin die Folgen des Iran-Kriegs, viele Menschen buchen ihren Urlaub zudem später. Doch es gibt auch Lichtblicke. Was erwartet Europas größter Reisekonzern für die Wintersaison?

Wandern ist nicht nur eine beliebte Freizeitaktivität in der Natur. Es bringt auch Geld in ländliche Regionen. Touristiker ersinnen daher neue Angebote rund ums Wandern - auch in extremen Varianten.

Eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag von Evaneos beleuchtet das Reiseverhalten der Deutschen in den kommenden Jahren und zeigt auf, welche Aktivitäten und Kriterien die Urlaubsplanung prägen.