Corona-Infektionen bremsen Reiseverkehr in Europa

| Tourismus Tourismus

Die rasant steigenden Corona-Infektionszahlen bremsen nun auch wieder den Reiseverkehr in Europa. Die Bundesregierung stuft inzwischen wieder Regionen in jedem zweiten EU-Land als Risikogebiet ein und warnt vor Reisen dorthin. Darunter sind seit Mittwochabend auch wieder Grenzregionen in Tschechien und Österreich. Außerdem kamen die Hauptstädte Dänemarks, Portugals und Irlands, sowie Gebiete in Frankreich, den Niederlanden, Kroatien, Slowenien, Rumänien und Ungarn hinzu. Die Wirtschaft reagierte am Donnerstag besorgt darauf.

Es war die wohl umfangreichste Ausweitung der Risikogebiete seit der Aufhebung der generellen Reisewarnung für die Europäische Union und den grenzkontrollfreien Schengen-Raum im Juni. Damit sind nun Regionen in 14 von 27 EU-Staaten zumindest teilweise wieder betroffen. Spanien wurde schon vor Wochen sogar komplett als Risikogebiet ausgewiesen.

In Europa gilt für alle Risikogebiete auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und dann in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Diese neuen Entscheidungen der Bundesregierung bewegen vor allem die Menschen in den Grenzregionen zu Tschechien und Österreich in Bayern und Sachsen. In Österreich hat es nach der Hauptstadt Wien nun auch die Urlaubsregion Vorarlberg mit der Hauptstadt Bregenz südöstlich vom Bodensee getroffen. In Tschechien sind es drei Verwaltungsregionen an der Grenze zu Bayern und Sachsen: Karlsbad (Karlovy Vary), Pilsen (Plzen), Liberec (Reichenberg) und Südböhmen.

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek sagte, die Entscheidung Deutschlands sei angesichts der Corona-Zahlen in seinem Land «verständlich». Man habe in Verhandlungen mit Berlin Ausnahmen für Berufspendler, Lkw-Fahrer und Transitreisende erreichen können. «Wir verhandeln weiter über den sogenannten kleinen Grenzverkehr, also mögliche Ausnahmen für Menschen, die unmittelbar an der Grenze leben», sagte der Sozialdemokrat.

Schätzungen zufolge arbeiten rund 37 000 tschechische Berufspendler in Deutschland, vor allem in der Gastronomie und dem Gesundheitswesen. In Bayern sieht die sogenannte Einreisequarantäneverordnung vor, dass Berufspendler aus dem Ausland nicht in Quarantäne müssen, wenn sie sich regelmäßig nicht länger als 48 Stunden im Ausland aufhalten und keine Symptome aufweisen. Sie gilt noch bis zum 3. Oktober.

Die Wirtschaft zeigte sich besorgt über die Entscheidungen der Bundesregierung. «Für Arbeitskräfte, beim Warenverkehr und bei den Lieferketten werden die Reisebeschränkungen wie eine Bremse wirken», sagte Bernard Bauer von der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) in Prag. Zugleich würdigte er aber das Bemühen Berlins, die negativen Auswirkungen der aktuellen Maßnahmen regional zu begrenzen.

In den Ballungsräumen breitet sich das Coronavirus besonders stark aus. In Dänemark ist daher nun auch Hovedstaden um die Hauptstadt Kopenhagen die erste Region, die als Risikogebiet ausgewiesen wurde. Dazu zählt aber auch die beliebte Ferieninsel Bornholm in der Ostsee. Auch in Irland und Portugal traf es zuerst die Hauptstädte Lissabon und Dublin.

In Frankreich wurde schon in den letzten Wochen eine Region nach der anderen zum Risikogebiet erklärt. Jetzt kommen drei weitere hinzu, die zwar nicht an der deutschen Grenze liegen, aber bei Urlaubern dennoch bekannt und beliebt sind: Die Normandie, die Bretagne und das Loire-Tal. Unter den acht Nachbarländern Deutschlands gibt es übrigens nur noch zwei, die noch ohne Risikogebiet sind: Luxemburg und Polen.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatte das Auswärtige Amt am 17. März erstmals eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Für mehr als 30 europäische Länder wurde sie Mitte Juni zunächst wieder aufgehoben. Schon nach wenigen Wochen mussten die Reisewarnungen für die ersten Länder aber wegen steigender Infektionszahlen wieder reaktiviert werden.

Die Einstufung als Risikogebiet - die dann eine Reisewarnung nach sich zieht - erfolgt in der Regel, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt.

Für Länder außerhalb der EU und des Schengen-Raums kann es für eine Reisewarnung derzeit auch noch andere Gründe wie Einreisesperren oder Einschränkungen des Flugverkehrs geben. Das soll zum 1. Oktober aber geändert werden. Ab dann wird für solche Länder noch noch von Reisen abgeraten, soweit es sich nicht um Risikogebiete handelt. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Mehrere Flugzeuge mit gestrandeten Urlaubern sind inzwischen in Deutschland gelandet. Doch der Flugverkehr in der Krisenregion Nahost läuft weiter nur eingeschränkt. Ein Überblick.

Ein neuer Index vergleicht 150 Länder hinsichtlich ihrer Eignung für alleinreisende Frauen. Neben Sicherheitsaspekten und der Gleichstellung fließen auch konkrete Kosten für Unterkünfte und medizinische Produkte in die statistische Bewertung ein.

Kurzfristige Gleiswechsel, andere Wagenreihung, ungewisse Anschlüsse: Wenn es Probleme gibt, wollen viele Bahnreisende wenigstens schnelle und passende Benachrichtigungen bekommen. Kommt da bald was?

Hohe Auszeichnung auf der ITB 2026: Der Tourismusausschuss des Bundestages verleiht Ingrid Hartges die Bleikristallkugel für ihr langjähriges Engagement im Gastgewerbe. Die Verleihung der sogenannten Bleikristallkugel erfolgte laut Karliczek mit großer Dankbarkeit und Geschlossenheit der Abgeordneten.

Deutschland, Österreich und Ungarn bündeln ihre Kräfte: Mit der neuen Marke „Discover your Danube“ startet eine großangelegte Tourismusoffensive, um den Donauraum als ganzjähriges Reiseziel für internationale Gäste zu etablieren.

Die Dertour Group blickt auf der ITB Berlin optimistisch auf das Reisejahr 2026. Trotz globaler Unsicherheiten steigen die Buchungszahlen für den Sommer, wobei besonders preisattraktive Ziele im östlichen Mittelmeer und Fernreisen im Fokus der Urlauber stehen.

Während Airbnb und der DTV mit einem Millionen-Fonds den ländlichen Tourismus fördern wollen, warnt Hotelunternehmer Marco Nussbaum vor strategischer Einflussnahme. Wie andere Branchenexperten kritisiert die Kooperation als Instrument zum Aufbau politischer Beziehungen durch den Plattform-Konzern.

Die neue Reiseanalyse 2026 belegt einen Rekord bei den Reiseausgaben der Deutschen, während das Inland als Zielregion Marktanteile verliert. Flugreisen und Online-Buchungen setzen ihren Wachstumskurs fort, und auch Künstliche Intelligenz kommt bereits bei jeder fünften Reiseplanung zum Einsat

Österreich präsentiert auf der ITB Berlin 2026 neue Daten zum Ganzjahrestourismus: Mit einem Anteil von 28,1 Prozent an den Übernachtungen gewinnen Frühjahr und Herbst massiv an Bedeutung.

Der Urlaubsmarkt im Nordosten erholt sich. 2025 gab es mehr Übernachtungsgäste, aber seltener aus dem Ausland. Trotz guter Besucherzahlen brauche es frische Ideen, sagt Staatssekretär Jochen Schulte.