Dertour: Reiselust ungebrochen, aber Preise könnten steigen

| Tourismus Tourismus

Trotz des Kriegs im Nahen Osten bleibt die Reiselust hoch – steigende Kosten könnten Urlaub aber verteuern. «Im Moment geht der Kerosinpreis nach oben. Wenn das auf diesem Niveau bleibt, wird sich das über die Zeit auch auf die Reisepreise auswirken», sagte der Chef des Reiseveranstalters Dertour, Christoph Debus, der Deutschen Presse-Agentur. «Kleinere Kostensteigerungen lassen sich im Moment für zukünftige Buchungen nicht ausschließen.»

Der nach eigenen Angaben größte deutsche Veranstalter in der Nahostregion beobachtet derzeit eine Verschiebung bei den Buchungen. «In der betroffenen Region sehen wir Stornierungen, Umbuchungen und eine gewisse Verunsicherung», sagte Debus. Insgesamt bleibe die Nachfrage jedoch stabil: «Die Reiselust der Deutschen und der Europäer ist ungebrochen.» Viele Urlauber wichen auf andere Ziele aus. Für Spanien und Griechenland gebe es weiter gute Buchungseingänge.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude, sagte, dieses Ausweichverhalten sei nicht ungewöhnlich. Viele klassische Warmwasserziele seien für Touristen austauschbar. «Reisende wechseln schnell zu einem anderen Ziel, wenn Unsicherheit entsteht.» In der Branche spreche man vom sogenannten 3-S-Tourismus – Sun, Sand, Sea –, bei dem die Austauschbarkeit von Destinationen besonders groß sei.

Fragezeichen hinter der Golfregion

Für die Golfregion sei die Lage schwer einzuschätzen, sagte Debus. «Im Moment steht hinter der Region ein Fragezeichen. Das ist so.» Zugleich könne das Sicherheitsempfinden der Kundinnen und Kunden schnell wiederhergestellt werden. «Diese Destinationen haben sich über Jahre ein sehr gutes Image aufgebaut. Wenn der Konflikt befriedet ist, kann dieses Vertrauen auch wieder zurückkehren.»

Auch Ägypten bleibe gefragt, spüre aber die aktuelle Lage. «Ägypten war eine unserer Gewinnerdestinationen», sagte Debus. Zwar habe sich das Wachstum seit Beginn des Kriegs abgeschwächt. «Nichtsdestotrotz liegen die Buchungszahlen in Summe zweistellig über dem Vorjahr.» Hintergrund sei auch ein Wahrnehmungseffekt: «Wenn es einen Konflikt in einem arabischen Land gibt, werden häufig andere arabische Länder in Mithaftung genommen.»

Infolge des Kriegs saßen Tausende deutsche Urlauber im Nahen Osten fest – bei Dertour handelte es sich um eine niedrige vierstellige Zahl. «Gerade in so einer Krise zeigt sich, wie hoch der Wert einer Pauschalreise ist», sagte Debus. Man habe Flüge und sichere Unterkünfte organisiert – ohne Mehrkosten für Pauschalreisegäste. Zu den Kosten der Rückholaktion machte Debus keine Angaben, sprach aber von einem erheblichen Aufwand. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine aktuelle Datenanalyse von SumUp belegt deutliche Umsatzsteigerungen in deutschen Skigebieten. Vor allem in Süddeutschland profitieren Hotellerie, Gastronomie und der touristische Handel massiv von der Kombination aus gutem Winterwetter und sportlichen Großereignissen.

Ein neuer Trendreport von Accor und Globetrender prognostiziert für 2026 einen Wandel im Reiseverhalten: Deutsche Urlauber suchen verstärkt nach emotionaler Resonanz, authentischen Erlebnissen und der Vereinbarkeit von gewohntem Lifestyle und Reisen.

Eine Reise nach Helgoland buchten 2025 weniger Urlauber als im Jahr davor. Die Tourismusdirektorin nennt die Gründe und gibt einen Ausblick auf zwei besondere Daten in diesem Jahr.

Der europäische Tourismus zeigt sich zum Jahreswechsel 2025/2026 widerstandsfähig. Während die Besucherzahlen moderat steigen, nehmen die Ausgaben deutlich zu. Trends wie Reisen in der Nebensaison und das Interesse an nordeuropäischen Zielen prägen das Bild, während für 2026 starke Impulse aus Asien erwartet werden.

Berlins Übernachtungszahlen sinken leicht auf 29,4 Millionen, während München und Hamburg ihr Vorkrisenniveau bereits übertreffen. Visit-Berlin-Chef Kieker und Senatorin Giffey führen die Stagnation auf die mangelnde internationale Anbindung der Hauptstadt zurück und kritisieren auch die Bundesregierung.

Frankreich bleibt das meistbesuchte Urlaubsziel der Welt: 102 Millionen internationale Gäste sorgten 2025 für Rekordeinnahmen – doch beim Umsatz liegt ein Nachbarland vorn.

Trotz fehlender Großevents wie der Fußball-EM: Die Zahl der Gäste in Baden-Württemberg erreicht ein Rekordhoch. Die meisten Touristen im Südwesten kommen weiterhin aus Deutschland. Welche Rolle spielen Übernachtungen?

Absicherungen und 24-Stunden-Hotlines: Reiseveranstalter reagieren auf Pläne zu verschärften Einreisekontrollen. Obwohl die Details noch gar nicht feststehen, sind Touristen verunsichert. Zurecht?

In welchen deutschen Küstenregionen verbringen Urlauber am liebsten eine Auszeit? Schleswig-Holsteins Küsten liegen in der Reise-Gunst deutlich vorn. Doch es gibt etwas Bewegung bei den Marktanteilen.

Der HelloSafe Safety Index 2026 zeigt ein klares Bild der globalen Sicherheitslage: Europa bleibt die stabilste Region für den Tourismus, angeführt von Island und der Schweiz. Deutschland und Österreich sichern sich Plätze in den Top 15.