Flugbranche erst 2024 auf Vorkrisenniveau

| Tourismus Tourismus

Länder verhängen Reiseverbote, Unternehmen satteln auf Video-Konferenzen um. Urlaubsreisen oder ein Flug zum nächsten Kundentermin sind zurzeit undenkbar. Die Konsequenz: Flieger bleiben leer, Fluggesellschaften streichen Flüge oder stellen den Betrieb gar komplett ein. "Kaum eine Branche wurde so hart von COVID-19 getroffen, wie die Luftfahrtindustrie. Und kaum eine Branche wird sich länger mit den Auswirkungen auseinandersetzen müssen," sagt der Luftfahrtexperte und Kearney Partner Sven Rutkowsky. Doch wie wird die Luftfahrtindustrie nach COVID-19 aussehen? Ein Expertenteam von Kearney hat mit der Studie "Future of Aviation" einen Blick in die Zukunft geworfen und ein mögliches Szenario entworfen.

Im Dezember 2019 prognostizierte die International Air Transport Association (IATA) ein gutes Jahr 2020 mit einem Wachstum von vier Prozent. Im März 2020 korrigierte sie ihre Prognose aufgrund von COVID-19 auf einen Rückgang von fast 40 Prozent. "Diesen Rückgang halten wir für realistisch. Für 2021/22 erwarten wir einen Nachholbedarf für Privatreisen, während Kürzungen bei Geschäftsreisen zu einer neuen Normalität von -10 Prozent bis -20 Prozent im Vergleich zur Vorkrise führen werden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass erst 2024 oder 2025 wieder das Vorkrisenniveau erreicht wird", fasst Kearney Partner Carsten Gerhardt die Prognose seines Teams zusammen. Die tatsächliche Entwicklung wird stark vom Verlauf der COVID-19-Pandemie und der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Bei ihrem Szenario ging Kearny davon aus, dass die Pandemie Anfang nächsten Jahres eingedämmt wird und die Grenzen geöffnet werden.

Dauerhaft veränderte Nachfrage

Die Experten haben Gespräche und Befragungen mit Führungskräften und Kunden der Airline-Branche aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Hongkong durchgeführt. Demzufolge bestehen keine Zweifel, dass sich nach der Krise Unternehmensrichtlinien, die berufliche Flugreisen betreffen, erheblich ändern werden. "Wir erwarten einen deutlichen Rückgang der Geschäftsnachfrage im Vergleich zum Vorkrisenniveau, der durch die strengere Reiserichtlinie der Unternehmen ausgelöst wird, um die Kosten zu senken und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen", so Philipp Bensel, Co-Autor der Studie.

Im privaten Reisebereich hingegen sei zu erwarten, dass einige Menschen nach wochenlanger Sperrung den Drang zu reisen verspüren. Es gebe viele Gründe Reiseentscheidungen in Zukunft bewusster zu treffen: 1. die eigene wirtschaftliche bzw. finanzielle Situation, 2. Gesundheits- und Sicherheitsbedenken, 3. die Nachhaltigkeitsdebatte rund um den globalen Klimaschutz und 4. wiederentdeckte Vorliebe für regionale Reiseziele.

Konsolidierung am europäischen Markt

Vor dem aktuellen Hintergrund sind die derzeitigen Einnahmequellen für viele Fluggesellschaften auf fast null oder negativ gesunken. Ihr Überleben hängt nun stark von der staatlichen Unterstützung ab. Im Allgemeinen haben die Regierungen drei Möglichkeiten: Fluggesellschaften Liquidität über Kredite oder Zuschüsse anzubieten, sie zu verstaatlichen oder sie einfach scheitern zu lassen. Um zu entscheiden, welche Fluggesellschaften wahrscheinlich den größten Teil des staatlicher Unterstützungsprogramme erhalten, identifizieren die Autoren der Studie sechs Haupttreiber, die die Entscheidung beeinflussen:

  • Größe der Fluggesellschaft 
  • Rentabilität und andere wichtige Finanzdaten 
  • Anzahl der Fluggesellschaften im Heimatland 
  • Anteil des Geschäfts im Heimatland 
  • Finanzkraft des Staates 
  • Anteil des Staatseigentums  

Für sehr wahrscheinlich halten die Experten, dass sich vor allem der europäische, stark fragmentierte Markt als Folge der COVID-19-Krise konsolidieren wird. "Wir erwarten in Europa eine "3 + 2-Konsolidierung". Das bedeutet, dass die drei großen Hub- und Spoke-Fluggesellschaften (Lufthansa, IAG, Air France-KLM) und die beiden Punkt-zu-Punkt-Fluggesellschaften (Ryanair und Easyjet) Marktanteile gewinnen werden, während andere Fluggesellschaften zusammenbrechen. Einige Regierungen werden stark in ihre staatlichen Transportunternehmen investieren. Die Zukunft mehrerer mittelgroßer Fluggesellschaften ist hingegen derzeit mehr als ungewiss. Wir gehen davon aus, dass einige Staaten ihre Heimatgesellschaft loslassen müssen, auch wenn diese eine Tradition von oft mehr als 50 Jahren haben", sagt Bensel.

Für Fluggesellschaften, die es durch die Konsolidierungsphase schaffen, ist die Krise eine Chance. Die Korrektur könnte sich positiv auf das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sowie auf die wirtschaftliche Situation der verbleibenden Fluggesellschaften auswirken. Dies kann der gesamten Branche helfen, eine schon lange vorhandene Erkenntnis jetzt in Veränderung umzusetzen: dass für eine nachhaltige Zukunft extrem niedrige Sitzplatzpreise weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll sind.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Streit ums Handgepäck: Das Oberlandesgericht in Hamm kippt die Ein-Stück-Regel einer spanischen Fluggesellschaft. Zu den umstrittenen Maßen sagen die Richter aber nichts.

Die Bemühungen von Schweiz Tourismus, den Overtourismus durch eine gezielte Lenkung der Gäste zu dämpfen, zeigen bislang keine messbare Wirkung. Während touristische Zentren weiter stark wachsen, profitieren kleinere Regionen kaum von der staatlich geförderten Strategie.

Der World Travel & Tourism Council (WTTC) hat eine weltweite Kampagne zur Bestimmung der 7 zeitgenössischen Weltwunder gestartet. Der Auswahlprozess orientiert sich an festen Kriterien und ist auf ein Jahr angelegt.

Mit der Eröffnung der Tiroler Zugspitzbahn am 5. Juli 1926 begann eine neue Ära des Alpentourismus. Als erste Seilbahn Tirols und zweitälteste Österreichs machte sie die Zugspitze erstmals bequem für Gäste aus aller Welt erreichbar.

Der Deutsche Reiseverband prognostiziert für das laufende Touristikjahr trotz geopolitischer Unsicherheiten ein leichtes Umsatzwachstum. Während Mittelmeerziele und Kreuzfahrten zulegen, bleiben Fernreisen hinter den Erwartungen zurück.

Der Deutsche Alpenverein, der Österreichische Alpenverein und Alpenvereine in Südtirol starten eine gemeinsame Kampagne gegen Bettwanzen auf Berghütten. Beim DAV sind nach eigenen Angaben jährlich fünf bis 20 Hütten betroffen.

Eine neue Untersuchung zeigt, dass zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden ihre Dienstreisen für private Aufenthalte verlängern. Besonders inländische Großstädte profitieren von diesem Trend, bei dem Reisende im Durchschnitt drei zusätzliche Nächte buchen.

Eine aktuelle Untersuchung zeigt deutliche Preisunterschiede bei deutschen Ferienhäusern, wobei Sylt das Ranking anführt. In den Alpenregionen bleibt der Tegernsee die teuerste Lage, erreicht jedoch nicht das Preisniveau der Küstenhotspots.

Für das von der Helma-Insolvenz betroffene Ostseeresort Olpenitz ist ein neuer Investor gefunden worden. Der Käufer übernimmt rund 39.000 Quadratmeter Entwicklungsflächen und soll auch weitere Bauabschnitte des Poseidon fertigstellen.

Die Niederlande sind weit mehr als nur das Land von Tulpen, Windmühlen und Käse. Für viele Reisende bietet das Nachbarland eine perfekte Mischung aus Entspannung, Natur und Kultur. Wer eine Auszeit vom Alltag sucht, muss nicht unbedingt in den Flieger steigen. Ein Urlaub bei den niederländischen Nachbarn ist unkompliziert, abwechslungsreich und ideal für Familien, Paare oder Alleinreisende.