Insolvenz von Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern abgewendet - Polit-Skandal?

| Tourismus Tourismus

Die drohende Insolvenz des Landestourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist abgewendet. Das Schweriner Wirtschaftsministerium und der Verband haben sich auf einen gemeinsamen Weg verständigt, wie beide Seiten mitteilten. Der Tourismusverband bekomme die bisher zurückgehaltenen Fördermittel ausgezahlt und könne seine Arbeit fortsetzen.

Eine Überprüfung hatte laut Wirtschaftsministerium Fehler bei der ordnungsgemäßen Verwendung von Mitteln beim Landestourismusverband aufgezeigt und Hinweise auf weitere möglicherweise kritische Vorgänge ergeben. Über Details zu den konkreten Vorwürfen machte das Ministerium bisher keine offiziellen Angaben. Das Ministerium erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und legte seine Zahlungen auf Eis. Letzteres führte den Verband an den Rand der Insolvenz.

Im Landtag erhob die Opposition schwere Vorwürfe gegen die Landesregierung wegen ihres Vorgehens in den vergangenen Wochen. Das Team der Geschäftsstelle des Tourismusverbandes MV bat in einem die Abgeordneten in einem Brief, sich im Rahmen ihrer parlamentarischen Kontrollfunktion um Aufklärung zu bemühen.

Tourismus-Chef Woitendorf geht Mitte April

Der bisherige Geschäftsführer Tobias Woitendorf verlässt den Angaben von Verband und Ministerium zufolge den Verband Mitte April. Das Wirtschaftsministerium macht ihn hauptsächlich für die angeblichen Unregelmäßigkeiten verantwortlich. Vertreter der Regierungsfraktionen SPD und Linke sowie Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) dankten ihm dennoch im Landtag für seine erfolgreiche Arbeit.

Wirtschaftsministerium und Verband einigten sich den Angaben beider Seiten zufolge darauf, eine Strukturkommission über die Zukunft der Tourismusorganisation in Mecklenburg-Vorpommern ins Leben zu rufen, «um den weiteren Weg der Förderung und Entwicklung des Tourismus stabil und zukunftsfähig auszurichten». Nach Ostern soll eine Mitgliederversammlung des Verbandes das Vertragswerk mit dem Wirtschaftsministerium beschließen. 

Brandbrief von Verbandsmitarbeitern

Das Ministerium hatte die Vorwürfe Mitte März öffentlich gemacht. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Landestourismusverbandes wandten sich am Freitag mit dem Brief an die Abgeordneten des Landtags. Seit vier Wochen liege die gesamte Verbandsarbeit faktisch auf Eis, schrieben sie. Die Beschäftigten sähen ihre in der Branche bundesweit hoch anerkannte Arbeit mit einem Schlag diskreditiert und Erfolge mit unbelegten Verdächtigungen in Missachtung gebracht. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. An die Parlamentarier gerichtet heißt es: «Wir bitten Sie, im Rahmen Ihrer parlamentarischen Kontrollfunktion das Vorgehen der Landesregierung, vornehmlich des Wirtschaftsministeriums, zu hinterfragen.»

Opposition attackiert Landesregierung

Im Landtag machten Politiker der Oppositionsparteien CDU, FDP, Grüne und AfD deutlich, dass es an Transparenz fehle. Viele Fragen im Zusammenhang mit der Beinahe-Pleite des Verbandes seien offen. Die CDU-Fraktion hatte die eineinhalbstündige Debatte am Freitag mit einem Dringlichkeitsantrag initiiert.

Mehrere Oppositionspolitiker forderten die Bildung eines Unterausschusses Tourismus, um die Hintergründe aufzuklären. Am 8. Mai soll es zunächst ein Expertengespräch im Wirtschaftsausschuss geben, bei dem auch Vertreter des Verbandes gehört werden sollen.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Daniel Peters, warf dem Wirtschaftsministerium vor, in den vergangenen Wochen mit der Abrissbirne vorgegangen zu sein. Der AfD-Politiker Paul-Joachim Timm sprach von einer rot-roten Kettensäge. «Was gibt es Radikaleres, als den Chef eines Tourismusverbandes unter Feuer zu nehmen, als den Tourismusbeauftragten abzusägen, als einen guten und funktionierenden Verband zu roden und so richtig keine Lösung anzubieten, was man denn in Zukunft für ein Gremium haben möchte?»

Politisches Schmierentheater?

Die Grünen-Abgeordnete Jutta Wegner fragte, wie es sein könne, dass das Wirtschaftsministerium von all den Vorwürfen bis vor Kurzem nichts gewusst haben wolle. Der Verband wird fast ausschließlich vom Land finanziert. Sie habe den Eindruck, es handele sich um ein politisches Schmierentheater, sagte Wegner.

Die FDP-Abgeordnete Sandy van Baal warf Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Schulte (SPD) vor, vor laufender Kamera unbelegte Behauptungen erhoben, die Branche verunsichert und sich dabei völlig unantastbar gegeben zu haben. Das «ist für mich untragbar und sollte auch für unser Bundesland untragbar sein». (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Auch zum 100-jährigen Bestehen drohen bei der Lufthansa Streiks. Für diesen Donnerstag sind zeitgleich Arbeitsniederlegungen der Piloten sowie des Kabinenpersonals angekündigt. Details zum Flugplan gibt es bislang noch nicht.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus prognostiziert für das Jahr 2026 ein Wachstum von 3,2 Prozent bei den internationalen Übernachtungen. Trotz eines Rückgangs im Vorjahr durch wegfallende Sondereffekte zeigt sich die internationale Reiseindustrie optimistisch.

Ein neuer Bericht von Google skizziert die Zukunft des Tourismus bis 2050. Prognostiziert werden eine Verdoppelung der internationalen Reisen, eine Verschiebung der Marktmacht Richtung Asien und die vollständige Automatisierung von Buchungsprozessen durch Künstliche Intelligenz.

Die Tui Group verzeichnet zum Auftakt des Geschäftsjahres 2026 ein Rekordergebnis. Während das Kreuzfahrtsegment stark wächst und die Verschuldung sinkt, wird die Profitabilität im Hotelbereich infolge von Naturereignissen beeinflusst.

Die Generation Z prägt den Reisemarkt 2026: Trotz steigender Kosten planen junge Urlauber höhere Budgets ein und setzen verstärkt auf Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig zeichnet sich eine klare Abkehr vom Massentourismus ab.

Die 42. Deutsche Tourismusanalyse zeigt: Die Deutschen verreisen so häufig wie seit 20 Jahren nicht mehr und geben dabei Rekordsummen aus. Trotz Inflation und Krisen bleibt der Urlaub das wichtigste Rückzugsgebiet, wobei Fernreisen und klassische europäische Ziele wie Italien und Frankreich besonders profitieren.

Am Urlaub wird zuletzt gespart: Obwohl die europäische Wirtschaft seit Jahren in der Flaute steckt, kommen mehr Gäste nach Bayern als je zuvor. Sie bleiben im Schnitt jedoch nur kurz.

Eine Airbnb-Umfrage zeigt, dass für die Deutschen Erholung und Naturerlebnisse die wichtigsten Gründe für eine Reise sind. Während die Generation Z vermehrt nach Abenteuer und Selbstreflexion sucht, steht bei älteren Reisenden die Entspannung im Vordergrund.

Die Urlaubsinsel Capri greift gegen das Phänomen des Massentourismus durch: Ab dieser Saison gilt dort für die Größe von Touristengruppen eine Obergrenze. Es gibt auch weitere neue Regeln.

Das Wattenmeer gilt als Naturwunder direkt von Niedersachsens Haustür. Das Land feiert das 40-jährige Bestehen des Nationalparks. Doch angesichts vieler Bedrohungen ist nicht allen zum Feiern zumute.