ITB Berlin Kongress: Tourismusbranche erst 2024 über Vor-Krisen-Niveau

| Tourismus Tourismus

ITB Berlin und Statista Q blicken auf dem ITB Berlin Kongress gemeinsam ins Reisejahr 2022 und in die Zukunft der Tourismusbranche. Bereits 2021 war eine deutliche Entspannung spürbar: 36 Prozent Umsatzwachstum im Vergleich zu 2020. Die Branche setzte im vergangenen Jahr, laut Mobility Market Outlook (MMO) von Statista, global rund 260 Mrd. Euro um. In diesem Jahr werden es voraussichtlich mehr als 353 Mrd. Euro sein: mit 46 Prozent das stärkste jährliche Wachstum der letzten Jahre. Bis zur vollständigen Erholung dauert es den Experten des MMO zufolge bis 2024.

Die Corona-Pandemie hat das Reiseverhalten der vergangenen zwei Jahre maßgeblich beeinflusst und wird das auch in den kommenden Jahren tun. Doch welche Entwicklungen und Trends sind von Dauer? Im Global Consumer Survey (GCS) von Statista aus dem Februar 2022 mit mehr als 2.000 Befragten zeigt sich, welche Trends aus dem Markt kommen und wie diese einzuschätzen sind.

Reisende fordern mehr Flexibilität

Flexibilität ist seit Pandemiebeginn eine Grundbedingung für den Tourismus. Während die Mehrheit der Reisenden in Deutschland für den Antritt internationaler Reisen 2019 noch eine Entscheidungszeit über 3 Monaten brauchte, entscheiden sich mittlerweile 28 Prozent der Touristen innerhalb von 1-3 Monaten. Knapp ein Viertel sogar weniger als vier Wochen vor Reiseantritt. Die Relevanz von Reiserücktrittsversicherungen ist im Vor-Corona-Vergleich um fast 10 Prozent gestiegen, die von Reiseabbruchsversicherungen sogar um über 20 Prozent. Der Kundenwunsch nach Flexibilität drückt sich auch darin aus, dass die Nutzung von Online-Buchungs-Apps um über 40 Prozent im Vergleich mit 2019 zugenommen hat. Im Binnentourismus ist diese Flexibilität schon vor der Pandemie zugegen gewesen: Mehr als die Hälfte der reisenden Deutschen entschieden sich laut GCS maximal drei Monate vor Reiseantritt für Inlandsreisen.

Deutschland-Tourismus verjüngt

Durch Covid befindet sich der Binnentourismus im Höhenflug: Während der Anteil an den Übernachtungen Deutscher Gäste im Juni 2019 nach Daten von DESTATIS bei 84 % lag, betrug er sowohl im Juni 2020 und 2021 94 %. Obwohl die Rückkehr ausländischer Touristen diesen Anteil senken wird, ist vor allem bei den unter-30-Jährigen eine eindeutige Veränderung sichtbar. Der GCS zeigt: Deutschlandreisen sind beliebter denn je. Auch im nächsten Jahr wollen über 38 % der Reisenden unter 30 Jahren eine Inlandsreise vornehmen, eine Steigerung von fast 25 %. Insgesamt planen 72 % der reisenden Deutschen in den nächsten 12 Monaten einen Inlandsurlaub. 2019 lag dieser Anteil noch bei 39 %. Während 12 % als Grund für den Inlandsurlaub Nachhaltigkeit angeben, sind 37 % der Meinung, dass Deutschland-Urlaub ebenso aufregend wie eine Auslandsreise sein kann.

"Smart Accommodation", Künstliche Intelligenz und Erkennungstechnologie

Über die Hälfte aller Reisenden ist eigenen Angaben zufolge für zukünftige Reisen an neuer Technologie interessiert. Smart-Home-Geräte sind für 21 % der Touristen aus Deutschland, den USA und Großbritannien interessant, etwas weniger beschäftigen sich mit Erkennungstechnologie, Virtueller Realität und individualisierten Reiseempfehlungen durch Künstliche Intelligenz. Die Wichtigkeit von Individualisierung verdeutlicht der Erfolg des Startups "The Hotels Network". Dieses hat laut der Unternehmens- und Wirtschaftsdatenbank "Crunchbase" bereits über 15 Millionen US-Dollar Finanzierung erhalten und arbeitet eigenen Angaben zufolge mit über 12.000 Hotels weltweit zusammen. "The Hotels Network" will mithilfe von prädiktiver Personalisierung des hoteleigenen Online-Kanals dafür sorgen, das Angebot zu verbessern und damit den Umsatz zu steigern.

Das neue Schlagwort lautet "Workation"

Vor allem für Teile der urbanen Bevölkerung entwickelt sich neben den klassischen Reiseformaten Urlaub, Familienbesuch, Sightseeing und weiteren ein neuer Reisegrund: das Arbeiten. "Working from anywhere" oder auch "Workation" genannt. Dieses Konzept wurde im letzten Sommer durch Sundar Pichai, CEO von Google, einer breiteren Masse bekannt, indem er in einer veröffentlichten E-mail verkündete, jedem Mitarbeitenden stünden bis zu vier Wochen "Workation" zu. Das weltweite Online-Suchvolumen hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Dadurch könnte sich eine neue Kundengruppe entwickeln, die mit völlig neuen Bedürfnissen und einem Geschäftsreise-untypischen Verhalten neue Potenziale entstehen lassen können.

Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für den internationalen Tourismus?

Laut UNWTO betragen die Ausgaben der Ukraine und Russland für grenzüberschreitenden Reiseverkehr in das Ausland gemeinsam ca. 3,2 % des weltweiten Volumens im Jahr 2019. Die angrenzenden osteuropäischen Staaten tragen ca. 1,8 % zu den weltweiten Aufwendungen bei. Die globalen Gesamtausgaben betragen 2019 insgesamt rund 1,5 Billionen US-Dollar. An den internationalen Touristenankünften 2019 in Höhe von knapp 1,5 Milliarden haben die Ukraine und Russland einen kumulierten Anteil von ca. 2,6 %, die angrenzenden osteuropäischen Staaten ca. 5,3 %. Hinweis: Da die Pressemitteilung mit Vorlauf verfasst wurde, lassen sich aktuelle Entwicklungen nicht vollständig abbilden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Veranstalter sagen Reisen in die Krisenregion oft nur mit wenig Vorlauf ab - oder bieten Umbuchungen an. Was bedeutet das für Reisewillige, auch mit Blick auf Ostern und den Sommer?

Über 93 Prozent der Hundehalter verreisen nur mit ihrem Tier. Eine aktuelle Datenerhebung zeigt, welche Regionen in Deutschland und Europa das Ranking 2026 anführen und warum das Ferienhaus dem Hotel meist vorgezogen wird.

Nach 35 Jahren Stillstand investiert Dresden Millionen in die Wiedereröffnung des Fernsehturms. Bis 2030 soll das Bauwerk samt seinem ehemaligen Restaurantbereich saniert und durch digitale Technik modernisiert werden.

Der hessische und der bayerische Teil des Spessarts wollen im Tourismus-Marketing künftig über die Landesgrenzen hinweg eng zusammenarbeiten, um mehr Gäste in die Urlaubsregion zu holen. Was sich durch die neue Marke und das einheitliche Marketing für Gäste ändern soll.

Mehrere Flugzeuge mit gestrandeten Urlaubern sind inzwischen in Deutschland gelandet. Doch der Flugverkehr in der Krisenregion Nahost läuft weiter nur eingeschränkt. Ein Überblick.

Ein neuer Index vergleicht 150 Länder hinsichtlich ihrer Eignung für alleinreisende Frauen. Neben Sicherheitsaspekten und der Gleichstellung fließen auch konkrete Kosten für Unterkünfte und medizinische Produkte in die statistische Bewertung ein.

Kurzfristige Gleiswechsel, andere Wagenreihung, ungewisse Anschlüsse: Wenn es Probleme gibt, wollen viele Bahnreisende wenigstens schnelle und passende Benachrichtigungen bekommen. Kommt da bald was?

Hohe Auszeichnung auf der ITB 2026: Der Tourismusausschuss des Bundestages verleiht Ingrid Hartges die Bleikristallkugel für ihr langjähriges Engagement im Gastgewerbe. Die Verleihung der sogenannten Bleikristallkugel erfolgte laut Karliczek mit großer Dankbarkeit und Geschlossenheit der Abgeordneten.

Deutschland, Österreich und Ungarn bündeln ihre Kräfte: Mit der neuen Marke „Discover your Danube“ startet eine großangelegte Tourismusoffensive, um den Donauraum als ganzjähriges Reiseziel für internationale Gäste zu etablieren.

Die Dertour Group blickt auf der ITB Berlin optimistisch auf das Reisejahr 2026. Trotz globaler Unsicherheiten steigen die Buchungszahlen für den Sommer, wobei besonders preisattraktive Ziele im östlichen Mittelmeer und Fernreisen im Fokus der Urlauber stehen.