Kein Ostergeschäft im Tourismus - aber dann der Trend zum Inland?

| Tourismus Tourismus

Thüringens Tourismuswirtschaft ist nach Einschätzung der Tourismusgesellschaft und des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) massiv von der Corona-Krise betroffen. Langfristig könne es für die Branche jedoch positive Effekte geben. «Wir gehen davon aus, dass sich der Trend zum Deutschlandtourismus weiter verstärken wird und die Menschen sich in naher Zukunft im Inland sicherer fühlen», sagte die Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus Gesellschaft, Bärbel Grönegres.

Sie gehe davon aus, dass nach der Corona-Pandemie die Sehnsucht nach fernen Ländern zumindest zeitweise durch ein Bedürfnis nach nachhaltigen regionalen Angeboten ersetzt werde. Das sei eine große Chance für den Tourismus im Freistaat. Derzeit jedoch stünden zahlreiche Hotels, Pensionen, Restaurants, Gaststätten und andere Tourismusunternehmen vor dem Aus, erklärten Grönegres und Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger. Im Gastgewerbe des Freistaates sei die Lage dramatisch. «Die Umsätze liegen nahe Null», so Ellinger.

Die Allgemeinverfügungen der Landesregierung, mit denen die Schließung der Unternehmen angeordnet worden sei, komme «faktisch einem enteignungsgleichen Eingriff» gleich. Zwar würden zum Beispiel einzelne Gaststätten und Restaurants ihre Speisen nun zu den Kunden liefern, um wenigstens etwas Umsatz zu erzielen. Dennoch sei der Geschäftsbetrieb in der Branche weitgehend zum Erliegen gekommen. Das betreffe das Ostergeschäft, aber auch Biergärten, die sonst bei warmen Frühlingswetter öffneten.

«Der verlorene Umsatz kann nicht im Ansatz kompensiert werden», äußerte die Verbandsgeschäftsführer. Ähnlich sieht es Grönegres. «Das völlige Ausbleiben von Gästen - gerade in den Osterferien - wird manchen Betrieb leider in existenzielle Nöte bringen», sagte sie. Um in der Zeit nach der Krise schnell wieder gute Geschäfte im Tourismus machen zu können, sei es wichtig, auch in der aktuellen Zwangspause nicht still zu stehen, sagte Grönegres. Es sollten die digitalen Möglichkeiten genutzt werden, um den Menschen schon jetzt Lust auf Urlaub in Thüringen zu machen. Die Tourismusgesellschaft bietet beispielsweise in den sozialen Netzwerken virtuelle Stadtspaziergänge an.

Der starke Einbruch beim Thüringer Tourismus ist aus Sicht von Grönegres besonders bitter, weil sich die Übernachtungszahlen nicht nur im Gesamtjahr 2019, sondern auch im Januar 2020 positiv entwickelt hatten. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik hatte es 2019 in Thüringen erstmals seit 1991 mehr als zehn Millionen Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland gegeben. Im Januar 2020 lag die Zahl der Übernachtungen nach Zahlen des Bundesamtes für Statistik um etwa zwei Prozent über den Vergleichszahlen des Vorjahresmonats. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Urlaub in Schleswig-Holstein steht bei vielen Deutschen weiter hoch im Kurs. Doch wegen der höheren Lebenshaltungskosten zögern viele mit einer Buchung. Die Touristiker beobachten das mit Sorge.

Neue Reiseformate wie Zero-Day-Trips, regionale Meetings und hybride Veranstaltungen verändern nach Angaben der Initiative Chefsache Business Travel die Planung von Geschäftsreisen. Unternehmen bündeln Reisen stärker und richten sie gezielter auf konkrete geschäftliche Ziele aus.

Mehr als dreimal so viele Touristen wie griechische Einwohner strömten 2025 in das Urlaubsland. Auf Jetset-Inseln wie Santorini oder Mykonos bringt der Rekord-Tourismus die Infrastruktur ans Limit.

Eine aktuelle Auswertung von Fit Reisen analysiert das Suchinteresse für Ayurveda-Angebote in Europa. Dabei zeigt sich eine starke Präferenz für deutsche Regionen sowie eine Verschiebung hin zu mediterranen Zielen infolge der Iran-Krise.

Eine Studie des Technologieunternehmens Amadeus sieht weltweit eine hohe Offenheit vieler Reisender gegenüber künstlicher Intelligenz und digitalen Mobilitätsdiensten. Gleichzeitig bleiben Sprachbarrieren, Zusatzkosten und unzureichende Informationen häufig genannte Probleme im Reiseverkehr.

Fast die Hälfte der Passagierflüge, die auf deutschen Hauptverkehrsflughäfen starten oder landen, sind auf Kurzstrecken unterwegs. Die häufigste Verbindung war 2025 die zwischen Frankfurt/Main und London-Heathrow.

Wenn Eltern oder Großeltern mit Kindern auf Reisen gehen, heißt das Ziel besonders oft Schleswig-Holstein: Bei Urlaubern mit kleinen Kindern lag das nördlichste Bundesland in den Jahren 2023 bis 2025 in Deutschland an erster Stelle vor Mecklenburg-Vorpommern.

Der Plattformbetreiber Airbnb plant den Ausbau zu einem umfassenden Dienstleistungsmarktplatz nach dem Vorbild von Amazon und integriert im Sommer 2026 neben tausenden Boutique-Hotels auch Mietwagen, Gastronomieangebote zur Fußball-Weltmeisterschaft sowie neue KI-Werkzeuge in seine Anwendung.

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des BTW zeigt, dass wirtschaftliche Sorgen und steigende Kosten das Reiseverhalten der Bundesbürger belasten. Der Verband fordert angesichts sinkender Buchungsbereitschaft politische Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftswachstums.

Eine Untersuchung von Urlaubstracker zeigt große regionale Unterschiede bei kostenfreien Attraktionen auf europäischen Inseln. Während Malta die höchste Gesamtdichte an kostenlosen Angeboten aufweist, punkten andere Destinationen mit umfangreichen Strand- oder Wanderwegenetzen.