Schleswig-Holstein: Tourismus-Neustart im ganzen Land

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Mit großen Hoffnungen und bei anhaltend sinkenden Infektionszahlen hat Schleswig-Holstein am Montag eine weitere Öffnungsetappe in der Corona-Pandemie gestartet. Nun dürfen im Norden landesweit Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze öffnen, die Innenräume der Gaststätten ebenfalls. Geknüpft ist alles an ein strenges Corona-Testregime. «Jetzt hoffen wir, dass es nur noch bergauf geht», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Stefan Scholtis, der Deutschen Presse-Agentur. «Das war ein heiß ersehnter Tag.»

Die Jamaika-Landesregierung hatte die nächste Lockerungsphase beschlossen, nachdem die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen stabil unter die Marke 100 gefallen war. Mittlerweile sank die Inzidenz auf 35. Allerdings: Bis vor kurzem lagen die täglich gemeldeten neuen Fälle noch weit im dreistelligen Bereich, während es vor einem Jahr nur zwei, drei oder auch gar keiner waren. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug damals 5, jetzt am Montag 83, nach lange deutlich mehr als 100.

«Wir haben gute Werte, deshalb können wir uns diesen Öffnungsschritt in Schleswig-Holstein auch verantwortbar leisten», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) am Montag der dpa. Die Regeln müssten aber weiterhin eingehalten werden. «Hier setze ich auf das Verantwortungsbewusstsein aller Gastronomen und Beherbergungsbetriebe im Lande, die jetzt mit diesen Freiheiten umgehen müssen.» Angesichts von Verstößen auf Sylt hatte Buchholz in der vergangenen Woche vor drohenden Konsequenzen gewarnt, bis hin zu Betriebsschließungen.

Die Nordsee-Insel steht bei Touristen wie eh und je hoch im Kurs. «Die Entwicklung der Buchungslage nach Bekanntgabe der landesweiten Öffnung deutet darauf hin, dass das Bedürfnis nach Urlaub im Allgemeinen und die Sehnsucht nach Sylt im Besonderen enorm ist», sagte Marketing-Geschäftsführer Moritz Luft. «Alle Inselorte vermelden eine gute Auslastung für den Monat Mai bei täglich steigender Nachfrage.» Die Insel freue sich über die weiteren Öffnungsschritte. «Und darauf sind wir nicht zuletzt aufgrund der intensiven Vorarbeiten als Teil der Modellregion Nordfriesland bestmöglich vorbereitet», sagte Luft.

Auch am Himmelfahrtswochenende war in den Ferienorten an Nord- und Ostsee viel los - und das wird sich in den nächsten Monaten im Falle einer stabilen Corona-Lage auch nicht ändern. «Der Reisewunsch der Gäste ist riesig», sagte die Sprecherin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, Manuela Schütze. «Allerdings ist auch der Beratungsbedarf sehr groß.» Das gelte vor allem für das Testregime.

Übernachtungsgäste müssen mit frischem negativem Corona-Test anreisen und diesen alle drei Tage erneuern. Wer in einer Gaststätte drinnen essen möchte, benötigt ebenfalls einen Negativ-Test oder eine Bescheinigung, dass eine vollständige Impfung mindestens zwei Wochen alt ist. Gelockert wurden auch die Kontaktbeschränkungen: Im Freien dürfen sich zehn Leute treffen, in Räumen weiterhin maximal fünf Personen aus zwei Haushalten.

Die Gastro-Branche hofft inständig, dass die Besucher die lange erhoffte und jetzt vollzogene Öffnung der Innengastronomie auch zu schätzen wissen. «Die Hygienekonzepte sind einwandfrei», versicherte Dehoga-Geschäftsführer Scholtis. Eine erste kleine Stippvisite in der Kieler Innenstadt erbrachte am Montagmittag, dass die allermeisten Besucher draußen saßen und nur ganz wenige drinnen, obwohl das Wetter nicht gerade prächtig war.

Minister Buchholz rät ohnehin, sich möglichst viel an der frischen Luft aufzuhalten. «Denn draußen ist das Risiko, sich zu infizieren, zehnmal geringer als in den Innenbereichen.» Tagestouristen bat Buchholz, sich möglichst schon am Heimatort auf Corona testen zu lassen. Dies käme den Kapazitäten am Zielort zugute. Für Einheimische wie Touristen gibt es seit Montag auch erweiterte Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Ausflugsschiffe dürfen ebenfalls fahren, Freibäder können aufmachen und Gemeinschaftsduschen zum Beispiel auf Campingplätzen benutzt werden.

Trotz aller Öffnungen wird der Tourismus im Norden einer Studie des Instituts für Weltwirtschaft zufolge 2021 wohl ein noch schlechteres Ergebnis einfahren als im Vorjahr. Demnach lagen die Übernachtungszahlen bis einschließlich April um etwa 16 Prozent unter dem Niveau von 2019, während es 2020 in diesem Zeitraum nur gut neun Prozent waren.

Er hoffe für die Betriebe sehr, dass sie wieder gute Umsätze und Erträge einfahren können, sagte Buchholz. «Das haben sie bitter nötig, nachdem sie seit November letzten Jahres kaum etwas machen durften.» Dennoch wird es in der Branche Krisenopfer geben. «Sicherlich werden nicht wenige Betriebe die Situation nicht überstehen», sagte Dehoga-Geschäftsführer Scholtis. Wie viele das sein werden, ist noch offen, da die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Betriebe bis Ende April ausgesetzt war. (dpa)


 

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