Touristen-Minus im Norden am geringsten

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Die schlimmsten Erwartungen aus dem Frühjahr haben sich nicht bestätigt: Schleswig-Holsteins Tourismusbranche ist nach Einschätzung von Minister Bernd Buchholz bisher im Durchschnitt mit einem «blauen Auge» durch die Corona-Krise gekommen. Im März sei eine Katastrophe zu befürchten gewesen, sagte der FDP-Politiker am Mittwoch in Kiel. «Die ist es nicht geworden.»

Trotz teilweise dramatischer Einbußen wie einem Übernachtungsminus von 95 Prozent im April stehe der Norden im Vergleich der Bundesländer ausgesprochen gut da, sagte Buchholz. Zwar sei die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr um 37,9 Prozent auf neun Millionen gesunken. Aber dies sei das geringste Minus aller Bundesländer. Im Juni betrug der Rückgang zum gleichen Vorjahresmonat noch 10,8 Prozent, bei fast 42 Prozent in Deutschland insgesamt.

Das Land hatte am 19. Mai das Einreiseverbot für Touristen wieder aufgehoben und schrittweise Restriktionen gelockert. Buchholz hob hervor, es habe keine größeren Corona-Ausbrüche an Touristenorten gegeben, nur vereinzelt Infektionen. «Wir hatten kein Sommer-Ischgl in Schleswig-Holstein.» Das Land habe bewiesen, dass man hier auch zu Pandemie-Zeiten sicher Urlaub machen kann.

Moderater Rückgang erwartet

Da die Zahlen für Juli und August voraussichtlich positiv ausfallen werden, rechne die Tourismus-Agentur für das gesamte Jahr mit einem moderaten Rückgang um fünf bis zehn Prozent zum Rekordjahr 2019 mit 36 Millionen Übernachtungen, sagte Geschäftsführerin Bettina Bunge. Das zweite Halbjahr trage normalerweise 60 Prozent zum Gesamtvolumen bei. Laut Buchholz kommen auch verstärkt Gäste ins Land, die sonst nicht so stark vertreten seien. Als Beispiele nannte er Paare ohne Kinder und Touristen aus Bayern. Vom Andrang auf die Küstenorte an Nord- und Ostsee habe auch das Binnenland profitiert.

Im Juni schaffte der Norden bei der absoluten Zahl der Übernachtungen sogar den Sprung auf Platz zwei nach Bayern, im ersten Halbjahr insgesamt belegte das Land Rang fünf. Auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen lagen noch davor.

Während Ferienhäuser und Ferienwohnungen (plus 15,2 Prozent) sowie Campingplätze (plus 14,2 Prozent) im Juni sogar einen Anstieg der Gästeübernachtungen im Vorjahresvergleich verzeichneten, gab es für die übrigen Betriebsarten zum Teil deutliche Rückgänge. So sank das Übernachtungsaufkommen von Erholungs- und Ferienheimen sowie von Jugendherbergen jeweils um fast 80 Prozent. Auch der Städtetourismus büßte kräftig ein.

"Nicht alle werden überleben"

Einigen Betrieben gehe es super, sagte Buchholz. «Campingplatzbetreiber kriegen das Glänzen gar nicht aus den Augen.» Andere wie Landgasthöfe, die von Familienfeiern und anderen Veranstaltungen abhängig sind, seien in der Existenz bedroht. Nicht alle würden überleben.

Am schnellsten hat sich in der Corona-Krise die Ostseeregion mit der Lübecker Bucht und Fehmarn erholt. Dies lag laut Tourismus-Agentur auch an vielen Gästen aus dem nahen Hamburg. Weiter zurückgegangen ist in der Krise der Ausländeranteil an den Touristenübernachtungen, und zwar von sieben auf vier Prozent.

Da es mit Fernreisen erst viel später wieder vorangehen werde als mit dem Inlandstourismus, gebe es für Schleswig-Holstein auch deshalb wachsende Chancen, sagte Buchholz. Mit einem zweiten landesweiten Lockdown mit Reisebeschränkungen wie im März und April rechne er für den Herbst nicht. Das Land steuere erfolgreich regional gegen aufkommende Infektionen. Achtsam zu bleiben und vorsichtig mit Lockerungen umzugehen, sei der richtige Kurs. (dpa)


 

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