Tui-Kunden geben 25 Prozent mehr für Urlaub aus

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Rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise bringen sinkende Infektionszahlen, steigende Impfquoten und das Ende der Reisewarnung für viele Länder das Geschäft bei Tui wieder in Schwung. «Die Aufholjagd für den Sommerurlaub ist gerade in vollem Gange, und die Konsumlaune für Reisen scheint täglich zuzunehmen», sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak am Mittwoch in Hannover.

«Wir verzeichnen starke Buchungswochen, die seit Mai sogar das Niveau der Vergleichswochen von 2019 toppen. Die beliebtesten Urlaubsziele liegen sogar prozentual zweistellig im Plus», berichtete der Manager kurz vor Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern. Tui soll nach Informationen aus Branchenkreisen auch Szenarien einer weiteren Kapitalerhöhung durchspielen.

Der Konzern baut seine Flug- und Bettenkapazitäten in allen beliebten Reiseländern aus und will nun im Sommer 75 Prozent des Programms von 2019 anbieten. Die komplette, verkleinerte Tuifly-Flotte mit 22 Maschinen soll wieder im Einsatz sein. «Wir bringen alles in die Luft, was geht», sagte der Manager Stefan Baumert. Nachholeffekte erwartet das Unternehmen zudem im Herbst. Tui rechnet damit, dass in der Corona-Krise ausgefallene Urlaube nachgeholt werden.

Nicht nur die Nachfrage wächst, auch die Bereitschaft der Urlauber, mehr Geld auszugeben - zum Beispiel für schönere Hotels oder höhere Kategorien. Die Gäste ließen sich ihren Urlaub rund 25 Prozent mehr kosten als im Vorkrisenjahr 2019, so Andryszak. Tendenziell buchen Sonnenhungrige zudem längere Reisen, statt 8 bis 10 Tage wie sonst seien es im Schnitt zurzeit eher 10 bis 14 Tage. Die Pauschalreise erlebt den Angaben zufolge eine Renaissance und hat derzeit einen Anteil rund 70 Prozent am Gesamtmarkt.

Gefragt sind vor allem die Balearen mit Mallorca sowie Griechenland. Die türkische Riviera mit Antalya arbeitete sich auf den dritten Platz vor. Die Kanaren liegen in der Gunst der Tui-Urlauber ebenfalls weit vorn. Gute Buchungen stellt der Branchenprimus auch für Ziele fest, bei denen Urlauber mit dem Auto anreisen. Stark nachgefragt sind beispielsweise Nord- und Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei den beliebtesten Reisezielen auf Platz 9.

Wer jetzt spontan seinen Sommerurlaub buchen möchte, findet laut Tui an allen beliebten Zielen noch genügend Angebote. In den Sommerferien kann es aber «auf unseren touristischen Rennstrecken eng werden. Hier sind die Familienhotels in erster Strandlage als erstes ausgebucht.»

Der Tourismus zählt zu den am härtesten von der Corona-Krise getroffenen Branchen. Das Geschäft kam 2020 zeitweise fast ganz zum Erliegen. Nach mehr als einem Jahr hatte die Bundesregierung jüngst die Reisewarnung für touristische Reisen in Corona-Risikogebiete zum 1. Juli aufgehoben. Das betrifft fast 100 Länder weltweit und ist ein weiterer großer Schritt zur Normalisierung angesichts der zumindest in Europa abflauenden Pandemie. Urlaubern ermöglicht eine Reisewarnung vor allem eine kostenlose Stornierung von Buchungen.

Tui ist verschuldet und wird vom Staat mit Milliardenkrediten sowie einer speziellen Anleihe mit Umtauschrecht in Aktien unterstützt. Zur weiteren Stärkung soll – nach einem ersten solchen Schritt im Januar – nun eine zusätzliche Kapitalerhöhung im Gespräch sein. Insidern zufolge lotet Tui aus, wie sich so weiteres Geld für die Rückzahlung der Staatshilfen beschaffen ließe. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte es dabei unter anderem um eine von den Eigentümern geleistete Finanzspritze von bis zu einer Milliarde Euro gehen. Zuletzt hatten die Aktionäre um den russischen Haupteigner Alexej Mordaschow gut 500 Millionen Euro lockergemacht. Die Entscheidungen dürften frühestens in einigen Wochen fallen. Zudem könne sich die Summe noch ändern, hieß es.

Die zuletzt wieder besseren Buchungen führen auch zu einer steigenden Nachfrage nach Flügen bei der konzerneigenen Tuifly, die vor allem als Zubringer für die Hotels und Kreuzfahrtschiffe dient. Management und Betriebsrat der Fluggesellschaft hatten kürzlich harte Sanierungsgespräche über eine Flottenverkleinerung und Standortschließungen hinter sich bringen müssen – es sollen Hunderte Stellen abgebaut werden. Dabei sollte laut Vereinbarung möglichst auf Kündigungen verzichtet werden. Eine Garantie gab es allerdings nicht.

Jetzt ist klar, dass zumindest einige Piloten gehen müssen. «Wir mussten hier 120 Kündigungen aussprechen», sagte Tuifly-Chef Oliver Lackmann dem «Handelsblatt». Es sei jedoch ein weiteres Programm für freiwilliges Ausscheiden über Abfindungen geplant. Solche Lösungen sollen im Rahmen des Sparkurses auch in anderen Firmenteilen zum Tragen kommen. «Die gute Nachricht: Wir werden in der Kabine jetzt ohne betriebsbedingte Beendigungskündigungen auskommen», so Lackmann. «Und wir arbeiten daran, das Gleiche jetzt auch noch kurzfristig für das gesamte Bodenpersonal zu erreichen.». (dpa)


 

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