Urlaub im eigenen Land auch im zweiten Corona-Sommer beliebt

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Die Lockerungen bei sinkenden Corona-Fallzahlen zeigen Wirkung: Nach einem verhaltenen Jahresstart zieht der Tourismus in Deutschland wie schon im Vorjahr deutlich an. Die Deutschen wollen wieder Urlaub machen, vor allem auch im eigenen Land, wie eine Umfrage bei Verbänden und in wichtigen Tourismusregionen ergeben hat.

«Seit den Lockerungen ziehen die Buchungen merklich an und auch der Tagestourismus nimmt zu», berichtet Geschäftsführer Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverband in Berlin. «Nichtsdestotrotz bleibt die Pandemielage fragil. Notwendig ist, dass wir beim Impfen noch schneller werden.»

An den Küsten wird es für die Sommermonate immer schwieriger, noch ein freies Plätzchen in den Unterkünften und an den Stränden zu finden. Mit Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen sei die erste große Urlauberwelle in diesem Sommer angekommen, berichtet von der Nordsee die Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH. «Die Nachfrage nach Urlaub am Meer ist auch in diesem Jahr ungebrochen», berichtet Sprecherin Nadine Bungenstock. Tagesgäste und Spontanurlauber sollten sich vor Anreise gut informieren.

Strände, Freizeiteinrichtungen, Gasthäuser und Hotels füllten sich nach einer schwierigen Zeit endlich wieder, heißt es auch in Mecklenburg-Vorpommern. Hier hätten aber noch etliche Gastgeber freie Plätze, versichert die Sprecherin des Tourismusverbands, Kathrin Hackbarth.

Dabei ist der Tourismus auch im zweiten Sommer unter Corona-Bedingungen eher langsam angelaufen. Zwar zählten im Mai die Hotels und anderen Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten wieder mehr Übernachtungen als im schwachen Vorjahresmonat, erreichten aber letztlich nur ein knappes Drittel des Volumens aus dem Mai 2019. Mehr als jeder vierte Betrieb war ganz geschlossen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete.

Die 14,3 Millionen Übernachtungen im Mai markierten den Angaben nach allerdings eine Steigerung um 29,4 Prozent zum Vorjahr (11,1 Mio). Die Vergleichsmarke aus dem Mai 2019 betrug aber 44,5 Millionen Übernachtungen. Im vergangenen Jahr waren die Übernachtungszahlen in den Sommermonaten wegen zwischenzeitlich aufgehobener Reiseeinschränkungen stark angestiegen, hatten aber nie das Niveau aus 2019 erreicht. Mit einem ähnlichen Verlauf wird auch in diesem Jahr gerechnet.

Unter den Vermietern und Vermittlern von Ferienwohnungen in Deutschland herrschte noch vor kurzer Zeit akute Existenzangst: Laut einer Umfrage des Deutschen Ferienhausverbands sahen sich 55 Prozent in ihrer Existenz bedroht. Fast ein Drittel gab an, die Ferienimmobilie als Altersvorsorge zu nutzen, für fast ein Fünftel sei es die Haupteinnahmequelle für den Lebensunterhalt.

Mit dem Ende des Verbots für touristische Übernachtungen im Inland gingen die Buchungen laut Angaben des Verbands dann aber stetig nach oben. Vor allem an Nord- und Ostsee sowie im Allgäu gäbe es aktuell gute Buchungszahlen. Mancherorts lägen die Werte sogar über denen aus dem Jahr 2019. Doch vor allem in den Städten liege der Tourismus noch brach. «Da ist noch Luft nach oben.» Für die kommenden Monate sei die Impfkampagne ein entscheidender Faktor. «Noch ein Lockdown im Winter würde vielen Vermietern wirtschaftlich das Genick brechen.»

Der Großveranstalter Tui berichtet von einer sehr hohen Auslastung seiner inländischen Ziele. Das sei aber für die Hochsaison im Juli und August normal und «kein zusätzlicher Push», heißt es in Hannover. Man sehe aber den deutlichen Trend, dass immer mehr Gäste ihren Deutschlandurlaub in den Spätsommer und Frühherbst verschieben. Mit Sport- und Wellnessangeboten versuche man, die Saison zu verlängern.

Die deutschen Campingplätze waren im vergangenen Jahr mit einem Gesamtrückgang um rund 5 Prozent bei langen Sperrzeiten noch glimpflich davon gekommen. Vor allem im Sommer kamen die Menschen mit neu erworbenen Wohnmobilen oder Zelten in Scharen. «Im August hatten die Plätze zwischen 15 und 20 Prozent mehr Gäste», sagt Geschäftsführer Christian Günther vom Branchenverband BVCD. «Wir hoffen, dass wir das in diesem Jahr halten können.» Es gebe im Markt etliche Neukunden, aber die Camper orientierten sich auch wieder stärker auf klassische Ziele am Mittelmeer wie Kroatien und Italien.

Für Jubel sei es aber noch zu früh, warnt DTV-Mann Kunz. Die Verluste vom Lockdown zwischen Januar und Mai können nicht nachgeholt werden, da jedes Bett nur einmal vermietet werden könne. Zudem fehlten weiterhin die Geschäftsreisenden und internationalen Gäste. «Wenn wir auf das vergangene Jahr zurückblicken, so haben uns die Pandemie und der erste Lockdown allein für die Monate März bis Dezember Umsatzausfälle in Höhe von mehr als 68,7 Milliarden Euro beschert. Durch den langen Lockdown in diesem Jahr hat die Branche viele Fachkräfte verloren, die jetzt bei guter Buchungslage dringend benötigt werden.» (dpa)


 

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