We Love Travel!: Reiselust ungebrochen

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Vom 16. bis 18.Oktober präsentierten sich insgesamt 90 Aussteller sowie über 75 Speaker dem Onlinepublikum. Die Präsentationen und Diskussionsrunden wurden live aus der Arena Berlin gestreamt. Ausgewählte Präsentationen des B2B-Freitags sind als Video on-Demand auf itb.com/virtualconvention kostenfrei verfügbar. Ausgewählte Programmpunkte vom Samstag & Sonntag sind auf dem Berlin Travel Festival YouTube Kanal veröffentlicht.

Die gemeinsame Veranstaltung der ITB Berlin und des Berlin Travel Festivals hat gezeigt, dass öffentlichkeitswirksame Events auch jetzt möglich sind. Es gelte jedoch, die Konzepte den veränderten Bedingungen anzupassen. We Love Travel! war ursprünglich als Hybrid-Veranstaltung mit Ausstellern und Besuchern vor Ort geplant. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland haben die Veranstalter entschieden, das Konzept kurzfristig von hybrid auf komplett virtuell umstellen.


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"Seit der ersten ITB 1966 in Berlin hat sich unsere Mission nicht verändert. Die ITB bringt seit über 50 Jahren die internationale Reisebranche und damit Menschen weltweit zusammen. Daran halten wir fest, ganz gleich ob analog, hybrid oder virtuell. Auch wenn die Branche sich gerade in ihrer wohl schwersten Krise befindet, hat We Love Travel! gezeigt, wie wichtig gerade jetzt der gemeinsame Austausch und ein gutes Netzwerk sind", sagte David Ruetz, Head of ITB Berlin.

Der Gründer und Direktor des Berlin Travel Festival, Bernd Neff, kommentiert die Wichtigkeit, weiterhin nach vorne zu schauen, "Man könnte sagen, dass das We Love Travel! einen therapeutischen Ansatz bot: Es erkannte Symptome, es stellte Diagnosen, es verschrieb Therapien: Wir erkennen, dass die Branche hungrig nach Gelegenheiten ist, miteinander zu reden - also haben wir ein Netzwerk für den Austausch geschaffen. Wir haben professionelle Experten eingeladen, ihre Problemdiagnosen anzubieten. Und schließlich inspirierten und motivierten wir - um sowohl der Industrie als auch Reiseliebhabern zu helfen, weiter nach vorne zu blicken."

Martina von Münchhausen, Tourismusexpertin des WWF Deutschland, die sowohl als Ausstellerin als auch am Programm teilnahm, kommentiert: "Der WWF Deutschland konnte auch im Rahmen des digitalen Events über den Zustand des Planeten und die Herausforderungen des Tourismus der Zukunft berichten. Dabei konnte ich als Tourismus-Expertin bei Interviews auf die Fragen des Publikums reagieren. Die Networking Plattform gab noch zusätzlich die Möglichkeit, mit wichtigen Playern der Reisebranche direkt in Kontakt zu treten. Ein Dank an das We Love Travel-Team für die erfolgreiche Veranstaltung!"

Olaf Lieberwirth von der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH schätzte insbesondere den neuen Ansatz, Reisende derzeit zu erreichen und beobachtete: "Die digitale Version des We Love Travel! Festival war für uns eine spannende und interessante Variante unsere (zukünftigen) Besucher und Gäste zu erreichen. Das Ganze mit einem beeindruckenden technischen Aufwand!"

Allein am Wochenende berichteten über 40 Speaker unter anderem von ihren Geschichten über die stürmischen Gewässer Südafrikas, die Bars von Teheran und die Küsten Südamerikas. Zu den Höhepunkten gehörte die Multivisionsshow von Ulla Lohmann, Fotojournalistin und Filmemacherin, die leidenschaftlich erzählte, wie sie sich ihren Lebenstraum erfüllte, als erste Frau einen aktiven Vulkan zu erforschen. Auch die Erzählungen des Trampers und Weltreisenden Stefan Korn, der innerhalb von zwei Jahren 56 Länder durchquerte, hielten die Zuschauer vor den Bildschirmen. Auch der Vortrag von Fahrradfahrer Anselm Pahnke, der allein 3.000 Kilometer durch die südafrikanische Kalahari-Wüste gefahren ist, gehörte zu den Publikumserfolgen des Events am Wochenende.

Das sind die zwölf wichtigsten Erkenntnisse des B2B-Freitags von We Love Travel!:

1. Die Verunsicherung ist das Hauptproblem

Von 1950-2019 ist die Zahl der Übernachtungen weltweit um das 60-fache gestiegen, wie Peter Kautz von Statista berichtete. "Doch dann kam Corona." Die Pandemie stelle mit einem (bisher!) weltweiten Umsatzrückgang von 55 Prozent der touristischen Aktivitäten alle bisherigen Krisen in den Schatten. Roland Gassner von Travel Data & Analytics ergänzte, der Einbruch sei zwar grob mit 9/11 oder der Finanzkrise vergleichbar, seine Dauer und Erholungsperspektiven aber nicht: Die Erholung dauere länger und niemand weiß wirklich, wie lange.

2. Die Lage ist nicht hoffnungslos

"Hört auf zu heulen", forderten viele Diskussionsteilnehmer. Denn "die Menschen wollen reisen", sagte Michael Buller vom Verband Internet Reisevertrieb VIR unter Verweis auf jüngste Umfragen. Erst recht, wenn sie es eine Weile lang nicht durften. Dazu kommt: "Sie haben Geld, Zeit und Lust, wieder zu verreisen", wie Ulf Sonntag, Marktforscher am Kieler Institut für Tourismusforschung, ermittelte. Selbst wenn sie jetzt nicht überall dort hinreisen können, wo sie hin wollen, "buchen sie, was geht" laut Roland Gassner, Director Business Development, Travel Data + Analytics.

3. Transparenz schafft Vertrauen

Mit geänderten Reiseentscheidungen, hat das Wort "Vertrauen" mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. "Vertrauen ist die neue Währung für ein erfolgreiches Tourismusmarketing". Die Krise hat alle Stakeholder getroffen, einige mehr, andere weniger. Vorbereitet war aber keiner, auch der Kunde nicht. Also sollten sie zusammenarbeiten, um wieder herauszukommen, so Christian Tänzler, Pressesprecher von VisitBerlin.

4. Compliance- und Diversity-Erfolge über die Krise retten

"Reisen darf nicht aufhören", erklärte Rika Jean-Francois, die CSR-Beauftragte der ITB Berlin. Es fördere bei den Reisenden die Erweiterung des Horizonts und damit das Verständnis für die Erhaltung der einzigartigen Welt und ihrer natürlichen und ethischen Werte. "Nur so können wir Diversity und Compliance-Erfolge über die Krise retten und weiterentwickeln." Martina von Münchhausen vom WWF forderte: "Jeder sollte seine Reise als besondere Mission ansehen und nicht einfach nur mal wieder zum Billigpreis in ein Flugzeug steigen."

5. Das Bewusstsein für soziale Nachhaltigkeit ist gewachsen

Die Auswirkungen der ausgefallenen Tourismus-Einnahmen haben teils gravierende Folgen für Wohlstand und Menschenrechte in den Zielländern. "Wir müssen auch bedenken, was das für die Menschen vor Ort bedeutet", sagte Dirk Inger vom Deutschen Reise-Verband. So wurde Corona ein Booster für alle anderen Krisen (Harald Pechlaner, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt).

6. Der Kunde hat ein erhöhtes Informations- und Sicherheitsbedürfnis

Informationsaustausch und Sicherheit sind wichtiger denn je, das haben sowohl die Veranstalter als auch die Menschen in den Destinationen erkannt. "Der Kunde wird das nach Ende der Krise nicht aufgeben", war sich Detlef Schroer von Schauinsland Reisen sicher. Und genau das fordere die Anbieter heraus.

7. Reisen hat sich durch Corona geografisch entzerrt

Als Ergebnis der Corona-Pandemie sind neben den klassischen Destinationen des Massentourismus neue, teils exklusivere Ziele getreten. Das kann zum einen positive Effekte auf die Nachhaltigkeit einer Destination haben, wie z.B. ein Ende des Massen- und Overtourism, aber nur, wenn die Stakeholder sich dieses Ziel auch zu Eigen machen. Harald Pechlaner, Touristikprofessor aus Eichstätt, rät: "Die neu gefundenen Urlaubstrends - Inlandsurlaub zum Beispiel - müssen verstetigt werden." Auch wenn es nicht vorstellbar ist, dass alle Deutschen nur in Deutschland Urlaub machen, sollten die Destinationen, die nun einen neuen Aufschwung erfahren haben, alles tun, den Trend zu halten.

8. Online wird ein Trend bleiben

Jede Offline-Buchung ist mit Zeitverzug verbunden, was gerade in Zeiten täglich geänderter Corona-Restriktionen ein Risiko bedeutet, sagte Peter Kautz von Statista. Uwe Frers, ADAC Camping, ergänzte, die Überfüllung der Campingplätze in Deutschland während des Sommers habe dies auch den letzten Traditionalisten gezeigt.

9. Wenn Preiskampf, dann kurz und erfolglos

Die traditionelle Margenschwäche der Tourismusindustrie lässt eigentlich keinen Preiskampf zur Rückgewinnung der Kunden zu, und er wäre auch nicht vernünftig, sagte Detlef Schroers von Schauinsland Reisen. Ein Hinderungsgrund sei, dass die Krise beim Kunden den Wunsch nach verschiedenen teuren Zusatzleistungen getriggert habe. Trotzdem sei nicht auszuschließen, dass es einige Anbieter versuchen werden.

10. Reisequalität steigt

Höherwertige Reisen sind wegen des mit ihnen verbundenen höheren Sicherheits- und Hygienegefühls im Trend, wie die derzeitigen Reisebuchungen zeigen. Ganz allgemein werden neue Bausteine zum Reise-Erlebnis hinzukommen, z.B. der Privat-Transfer.

11. Die Pauschalreise lebt

Mit mehr Sicherheit, Hygiene und zugleich Flexibilität für den Kunden wird die Pauschalreise die Corona-Krise überleben. Das größte Plus der Pauschalreise ist laut Detlef Schroer von Schauinsland Reisen, die größere Sicherheit für den Kunden in risikoreichen Zeiten. Der Kunde werde aber auch dafür zahlen müssen, sonst sei das wirtschaftlich nicht darstellbar.

12. Der Markt braucht neue Produkte

Für Boris Raoul von der Invia-Gruppe liegt der Schlüssel zum Umgang mit der Lage und ihren Folgen vor allem bei einer absoluten Kundenzentrierung. Reise-Anbieter müssten den Konsumenten entlang seiner Customer Journey maßgeschneidert begleiten.
 

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