10 Prozent Lohnplus im NRW-Gastgewerbe

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalens Gastgewerbe bekommen ab Mai deutlich mehr Geld. Die Arbeitgeber und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) einigten sich auf einen neuen Tarifvertrag, der zum 1. Mai Lohnsteigerungen um durchschnittlich 10 Prozent vorsieht, wie der Arbeitgeberverband Dehoga am Mittwoch mitteilte. In einem zweiten Schritt sollen die Löhne und Gehälter im Juni 2023 noch einmal um 3,5 Prozent steigen.

Der NGG-Landeschef in NRW, Mohamed Boudih, sprach von einem «wirklich großen Schritt», der helfe, die Branche aus dem Niedriglohnsektor herauszubekommen. Der Einstiegslohn in der Branche erhöhe sich im Mai auf 12,50 Euro pro Stunde - 28 Prozent mehr als bislang. Fachkräfte in der Küche, im Service oder Hotelmanagement kämen alles in allem auf ein Plus von 17 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 25 Monaten. Die Ausbildungsvergütungen steigen zum neuen Ausbildungsjahr am 1.8.2022 ebenfalls deutlich: im 1. Jahr um 250 auf 1.000 Euro, im 2. Jahr um 220 auf 1.100 Euro und im 3. Jahr um 200 auf 1.200 Euro. Alle Ausbildungsvergütungen werden nach zwölf Monaten um jeweils 100 Euro erhöht. Die Laufzeit des Ausbildungstarifvertrages beträgt 24 Monate. Beide Tarifparteien bereiteten die Konsumenten darauf vor, dass die deutlichen Lohnerhöhungen zu höheren Preisen in der Gastronomie führen dürften.

Das kräftige Plus im Tarifvertrag liegt auch daran, dass der vorige Vertrag bereits Ende Mai 2020 ausgelaufen war. Wegen der Corona-Krise verzögerten sich die Verhandlungen über einen neuen Abschluss.

Gemeinsam betonten Boudih und der Regionalpräsident des Dehoga NRW, Andreas Büscher, es gehe darum, auch in Zukunft und nach Corona ein lebendiges und wirtschaftlich gesundes Gastgewerbe in NRW sicherzustellen. Dazu gehörten starke Unternehmen, aber auch attraktive Bedingungen für Beschäftigte und Auszubildende.

«Wir wollen alle, auch unsere Gäste, in Zukunft und nach Corona ein lebendiges und wirtschaftlich gesundes Gastgewerbe in NRW. Dazu gehören starke Unternehmen und gleichzeitig attraktive Bedingungen für Beschäftigte und Auszubildende, die gerne in Restaurants, Clubs, Hotels und Kantinen arbeiten. Diesem Ziel werden wir mit diesem Tarifvertrag einen wichtigen Schritt näherkommen, auch wenn wir wissen, dass die neuen Tarife eine große Herausforderung für viele Betriebe darstellen werden», beschreiben Andreas Büscher, Regionalpräsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen und Mohamed Boudih, Landeschef der NGG NRW, die Ergebnisse der aktuellen Tarifrunde. «Wir sind uns zudem darüber im Klaren, dass die deutlichen Lohnerhöhungen angemessene Preisanpassungen bedeuten müssen und hoffen auf die Akzeptanz unserer Gäste als Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit im Gastgewerbe».

Das Gastgewerbe ist einer der großen Verlierer der Corona-Krise, die Hotels, Restaurants und Cafés haben nicht nur viel weniger Kunden als früher. Auch die Zahl der Beschäftigten ist deutlich geschrumpft. Mitte 2019 lag die Zahl der Beschäftigten in der Branche in NRW laut Arbeitsagentur bei 401 000, zwei Jahre später waren es nur noch 345 000. Viele Beschäftigte wechselten in andere Branchen und wagten einen beruflichen Neustart.

Wie viele der Firmen im Gastgewerbe tarifgebunden sind, ist nicht bekannt. Generell gilt: Je größer ein Betrieb im Gastgewerbe ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er tarifgebunden ist. (Mit Material der dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Negative Bewertungen, virale Videos oder öffentliche Konflikte können für Hotels innerhalb weniger Stunden zu einem erheblichen Reputationsrisiko werden. Der Hotelverband Deutschland (IHA) hat deshalb ein Krisenhandbuch für den Umgang mit Social-Media-Krisen sowie eine Social-Media-Charta für Mitarbeitende veröffentlicht.

Kopfschmerzen, Erschöpfung, Erkältung: Viele erleben Krankheitssymptome ausgerechnet kurz nach dem Urlaubsstart. Was dahintersteckt und wie sich Leisure Sickness vermeiden lässt.

Eine digitale Karte zeigt, wo sich aktuell Schatten befindet und wie sich dieser im Tagesverlauf verändert. Die Anwendung kann unter anderem bei der Planung von Restaurantbesuchen, Ausflügen und Stadtbesichtigungen an heißen Tagen helfen.

Während Branche und Politik über die Zukunft der Minijobs diskutiert, zeigen aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, welche Bedeutung die geringfügige Beschäftigung für das Gastgewerbe hat. Im April 2026 lag die Zahl der Minijobber in der Branche 7,6 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019.

Das Angebot trockener Weine aus deutschen Kellern nimmt weiter zu. Wie das Deutsche Weininstitut mitteilt, wurden im vergangenen Jahr 53 Prozent aller deutschen Qualitäts- und Prädikatsweine in der trockenen Geschmacksrichtung angeboten.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im zweiten Quartal 2026 auf den höchsten Stand seit 21 Jahren gestiegen. Das IWH registriert neue Höchstwerte in zahlreichen Branchen – darunter auch im Gastgewerbe.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im zweiten Quartal weiter gestiegen und hat den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreicht. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Eine Umfrage der Meininger Hotels beleuchtet die Sicherheitsbedenken alleinreisender Frauen. Während deutsche Urlauberinnen im Ländervergleich am häufigsten solo verreisen, bleibt die Sorge vor unsicheren Situationen in der Nacht im öffentlichen Raum die größte Barriere.

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist gegen die von der Koalition geplante Ausweitung der sachgrundlosen Befristung bei Einstellungen. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur lehnen die Reform insgesamt 54 Prozent ab, 26 Prozent befürworten sie.

Eine Umfrage belegt, dass jeder dritte Deutsche nur unzureichende Kenntnisse über Gebühren bei Auslandszahlungen besitzt. Besonders ältere Personen und Verbraucher mit geringerem Einkommen zeigen sich verunsichert.