Affenpocken: Mediziner sehen fürs Oktoberfest keine erhöhte Gefahr

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München rüstet sich für das erste Oktoberfest nach zwei Absagen in Corona-Jahren, in Straubing hat das Gäubodenfest begonnen - und gerade jetzt breitet sich eine neue Krankheit weltweit aus: Der Ausbruch der Affenpocken wurde inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Notlage von internationaler Tragweite eingestuft. Die Krankheit wird bei nahem Körperkontakt übertragen - und in der Enge der Bierzelte kommt man sich schnell mal näher. Dennoch sehen Mediziner keinen Grund zur Panik.

«Bezüglich der Affenpocken ist eine Übertragungsgefahr auf der Wiesn eher gering, weil es sehr engen Körperkontakt, insbesondere zu infizierten Hautläsionen für die Infektion braucht», sagt der Münchner Infektiologe Christoph Spinner, Pandemie-Beauftragter des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. «Eine Infektion kann zwar prinzipiell nicht ausgeschlossen werden, scheint mir derzeit aber eher theoretisch. Die überwiegende Mehrheit aller Infektionen tritt derzeit nach sexueller Übertragung auf.»

Auch der Mediziner Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Universität München, sagt: «Ein Wiesn-Besucher, der dort nicht Sexualkontakt sucht und hat, wird keine Angst vor Affenpocken haben müssen.» Sehr viel wahrscheinlicher sei eine Infektion mit einer Atemwegserkrankung - einer Erkältung, der Influenza oder Corona, heißt es bei den Experten.

Hygieniker der RoMed Kliniken im Raum Rosenheim verweisen ebenfalls darauf, dass Affenpocken von Mensch zu Mensch nur bei engem Kontakt übertragen werden. Große Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen könnten aber ein günstiges Umfeld dafür darstellen.

Studien zufolge haben sich 95 Prozent der Erkrankten bei sexuellen Aktivitäten angesteckt. In Deutschland wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) vor wenigen Tagen erstmals mehr als 3000 Erkrankte gemeldet, ganz überwiegend Männer.

Vor allem die typischen Hautläsionen enthalten hohe Viruskonzentrationen. Infektionen sind wohl auch durch Speichel, große Tröpfchen und Sperma möglich. Anders als das Coronavirus wird der Erreger nicht durch Aerosole beim Atmen oder Husten übertragen. Die Inkubationszeit beträgt meist 5 bis 21 Tage. Es gibt Impfstoffe, die allerdings aktuell in vielen Ländern knapp sind. Auch wirksame Medikamente sind zugelassen, aber gerade kaum verfügbar.

Die Münchner Kliniken bereiten sich derzeit jenseits von Corona auf steigende Patientenzahlen und Notfälle während der Wiesn vor. Das Innenstadt-Klinikum der LMU ist 800 Meter vom Festplatz entfernt. «Seit dem Wiesn-Attentat ist es immer so, dass die Zufahrtswege extra Parkverbotszonen bekommen, damit die Rettungswagen durchkommen», berichtet Bogner.

Viele kämen mit Verletzungen durch Scherben von Maßkrügen oder durch stumpfe Schläge. Gelegentlich kommt es auf der Wiesn zu Handgreiflichkeiten und Schlägereien. Alkoholräusche würden hingegen meist auf dem Volksfest behandelt, von Helfern der Sanitätswache oder schlicht durch Ausschlafen hinter den Zelten. (dpa)


 

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