Braucht der Kaiser neue Kleider?

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Seit die Wirtschaftswissenschaft in den 60er Jahren den Begriff „Strategie“ in die Unternehmensführung implantiert hat, ist die Verwirrung über moderne Managementmethoden dramatisch gestiegen. Dabei ist die Formel für Unternehmenserfolg eigentlich verblüffend einfach.

Analysiert man die Gründe, warum Unternehmen bankrottgehen, trifft man erstaunlich häufig auf die gleichen Ursachen: Das Management hatte sich nicht rechtzeitig auf die Veränderungen in den Märkten eingestellt. Und: Über Jahre hinweg wurde eine Kultur der Verantwortungslosigkeit gelebt: Läuft es im Job nicht rund, ist der Chef schuld. Geht es dem Unternehmen schlecht, soll die Politik helfen. Die Menschen weigern sich, Verantwortung zu übernehmen, alte Fehler einzugestehen und konsequente Entscheidungen zu treffen.

Bei allen Klagen über die überbordende Bürokratie, das Fremdbestimmtsein, die Deindustrialisierung zeigt der kritische Blick: Der Großteil der Verantwortung für die schwierige Lage der Wirtschaft liegt nicht „bei den Anderen“, der Politik, den hohen Energiepreisen etc., sondern bei den Unternehmen selbst.


Über den Autor Albrecht von Bonin

Albrecht von Bonin ist einer der profiliertesten Personalberater in der Hospitality Industry. Die Suche und Auswahl von Spitzenkräften, der Einsatz von Interim Managern sowie Management Coaching für Führungskräfte und Unternehmer – das sind die Kernkompetenzen, mit denen VON BONIN und die avb Management Consulting echte Mehrwerte bietet.


Hausgemachte Fehler – Vieles verpennt!

Der rasche Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft führte in den Topetagen vielerorts zur Verunsicherung. Viele Unternehmenslenker und ihre Führungskräfte meinten, die Probleme aussitzen zu können. Strukturwandel und Innovationen blieben aus. Bis es zu spät war. Die hektische Suche nach Antworten nahm Fahrt auf. Die Zeit der Management-Gurus hatte Hochkonjunktur. Denken Sie an Heilslehren wie Wertanalyse, TQM, Lean Management, Kaizen, Management by.....dies, Management by.....das. Und der neueste Hype: KI soll’s richten. Alle hatten und haben eins gemeinsam: Alter Wein in neuen Schläuchen.

Sie versprechen wahre Wunder, geben vor, den ersehnten Durchbruch erzielt zu haben und stellen alles bisher Dagewesene als Stückwerk in den Schatten. Nie hatte die Consulting-Branche eine so starke Nachfrage wie heute.
Aber trifft man angesichts dieser Verheißungen auf Nüchternheit oder Skepsis? Nein, im Gegenteil. Die gläubige Anhängerschar der schnellen und einfachen Lösungen, dem jeweils neuen Trend verfallen, wächst und wächst. In mancher Top Etage kann man bereits vorhersagen, wann nach seiner Publikation ein neues Schlagwort auf der Tagesordnung erscheint und die Unternehmenspolitik beeinflusst - natürlich nur bis die nächste Masche angeboten wird, die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Meist hat dann inzwischen das Management gewechselt und etwas Neues muss her.

Eine verunsicherte Schar von Unternehmenslenkern und Führungskräften schaut staunend und hilfesuchend auf eine Handvoll von Management-Gurus, die stets aufs Neue mit ihren Mega-Formeln und Fata Morganas beeindrucken. Inzwischen hat sich auch die Politik vom Ruf nach externer Fachkompetenz infizieren lassen. Nicht anders kann man die gestiegenen Beraterhonorare der Regierung interpretieren. Das „Neue“ muss nur phantastisch und kompliziert genug klingen, um Topentscheider dafür zu interessieren, so scheint es. Besser noch: Wenn sich der externe Rat später als Flop erweist, kann man leicht mit dem Finger auf „die Anderen“ zeigen. Schließlich sind die verantwortlich für den entstandenen Schaden – nur nicht man selbst.

Am besten selber denken

Das Gefährliche an diesen neuen Wundermitteln ist, dass sie alle eine Portion Wahrheit enthalten. So werden sie meistens nicht gleich als des “Kaisers neue Kleider“ enttarnt. Das Problem der meisten erfolglosen Unternehmen besteht darin, dass deren Manager lieber andere denken lassen, anstatt selbst kreative Lösungen zu entwickeln. Was man aus dem Heft des Nachbarn abschreiben konnte, hat einem schon zu Schulzeiten die Arbeit erträglicher gemacht. Allzu leicht verfallen viele Bosse in technokratisch-operatives Denken. Sie verlieren aus dem Auge, dass nicht Methoden, Instrumente, Techniken - und schon gar nicht die IT oder das Controlling ein Unternehmen erfolgreich machen.

Allen Gurus, allen Theorien von Chaos-Management, Speed-Management, vernetztem Denken, Reeingineering zum Trotz hat uns die Praxis immer wieder gelehrt, dass Planung, Analyse, Strategie doch nur einen bescheiden geringen Anteil des Managementerfolges ausmachen.

Die Erfolgsformel ist eigentlich ganz einfach

Spätestens seit Peters & Waterman („In Search of Excellence“) weiß man: Eine Unternehmensführung muss zuerst das Vertrauen seiner Mitarbeiter erringen, um mit ihnen das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Dann muss sie zusammen mit den Mitarbeitern ständig daran arbeiten, die vielen kleinen Dinge zum Nutzen der Kunden täglich ein Stückchen besser zu machen als die Konkurrenz. Dafür braucht die Belegschaft Vertrauen, Freiraum und die Möglichkeit, an der gemeinsamen Zieldefinition mitzuarbeiten. Dann machen sich engagierte Mitarbeiter die selbst entwickelten Ziele zu eigen. Sie arbeiten kreativ und innovativ. Und das bringt den Erfolg.

Wer als Führungskraft aber diesen einfachen Grundsatz nicht umzusetzen vermag, für den findet das böse Erwachen meist unsanft statt, wenn am Tag der Wahrheit nach Ergebnissen gefragt wird – und nicht nach Luftschlössern.

Wer dagegen diese einfachen Lehren beherzigt und den sogenannten Gurus mit gehöriger Skepsis begegnet, braucht keine Mega-Formeln und Management by’s ....., um erfolgreich zu sein. Dafür sind nur wenige Eigenschaften wichtig: Gesunder Menschenverstand, Entscheidungsmut – und die Bereitschaft, für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen. Sie werden sehen, es hilft.


Autor
Albrecht von Bonin

VON BONIN + PARTNER Personalberatung
www.von-bonin.de
avb Management Consulting
www.avb-consulting.de


 

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