Das sind die Arbeitsmarkt-Trends 2026

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

KI boomt, aber Empathie bleibt gefragt. Warum Bau und Pflege Gewinner sind, Löhne steigen - und welche Branchen jetzt zittern müssen. Das steckt hinter den sechs Jobtrends im neuen Jahr. Für viele Branchen sieht der Arbeitsmarkt weiter mau aus. 

Was diese Entwicklungen für Arbeitnehmer und Bewerber bedeuten - und was 2026 wichtig wird.

1. Jobsicherheit bleibt wichtig

Keine guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt: Die Zahl der offenen Stellen hat sich seit dem Höhepunkt 2022 fast halbiert und liegt auch unter Vor-Corona-Stand. «Dramatisch ist vor allem, dass so wenige neue Stellen gemeldet werden wie noch nie», sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

«Beschäftigte suchen verlässliche Rahmenbedingungen», ist die Einschätzung von Arbeitsmarktexperte Julius Probst von Stepstone. Jobs, die Sicherheit bieten, dürften demnach auch 2026 heiß umkämpft sein. Vor allem, wenn sie mit einem fairen Gehalt und der Möglichkeit, flexibel zu arbeiten verbunden sind.

2. Flexibilität stagniert

In puncto flexibles Arbeiten müssen Arbeitnehmer 2026 womöglich zurückstecken. Das Angebot an Remote-Work-Optionen ist leicht rückläufig, wie Auswertungen des Jobportals Indeed nahelegen. Demnach werden sie den jüngsten Auswertungen zufolge nur noch in rund 14,1 Prozent aller Ausschreibungen angeboten, flexible Arbeitszeiten nur in 19 Prozent. 

Zu Beginn des Jahres 2025 lag der Anteil der Stellen mit Homeoffice bei 14,7 Prozent. Der Anteil von Angeboten mit flexiblen Arbeitszeiten bei 20,2 Prozent.

Ein möglicher Grund: Jobs gibt es 2026 vor allem in Bereichen wie Bau, Pflege und Verteidigung - hier ist Remote-Work und Flexibilität schwierig umzusetzen. Der Kampf um Bürojobs bleibt hart. «Homeoffice wird vom Standard zum verhandelbaren Benefit», ist die Einschätzung von Virginia Sondergeld.

3. KI ist wichtig, aber kann den Menschen nicht ersetzen

Künstliche Intelligenz ist auch in diesem Jahr der vorherrschende Job-Trend. Sie verändert weiterhin viele Aufgaben im Arbeitsalltag. Dennoch bleiben zentrale Rollen in menschlicher Hand. Enzo Weber schätzt die Lage so ein: «KI ist die Technologie unserer Zeit, die quer durch alle Bereiche zum Einsatz kommen kann. Sie wird immer mehr Tätigkeiten übernehmen, aber am Arbeitsmarkt wird es einen Umbruch und keinen Einbruch geben.»

Ökonom Julius Probst: «KI wird bei vielen Aufgaben unterstützen, aber nicht alle ersetzen können. Insbesondere dort, wo es auf Empathie und Zwischenmenschlichkeit ankommt.» Der Arbeitsmarkt entwickele sich zweigleisig: Technologische Kompetenzen gewinnen an Bedeutung, gleichzeitig bleibe der Bedarf in persönlichen und betreuenden Tätigkeiten hoch.

«Während in Bereichen wie Marketing, HR oder Projektmanagement die Zahl der Stellenanzeigen insgesamt sinkt, explodiert die Nachfrage nach KI-Kompetenzen in ebendiesen Berufen», so Sondergeld von Indeed. Die Botschaft für 2026: Unternehmen bauen Personal nicht in der Breite auf, sondern suchen gezielt nach Fachkräften, die die Produktivität durch KI-Anwendung steigern können.

4. Unternehmen setzen weiter auf Quereinsteiger

Viele Unternehmen bewegen sich in Richtung eines «Skills-based Hiring», also Einstellungen, bei denen praktische Fähigkeiten eher zählen als formale Abschlüsse. Experte Probst: «2026 werden in Deutschland erstmals weniger Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten als ihn verlassen. Auch deshalb gewinnen Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen an Bedeutung.» 

Seine Einschätzung: Für viele Beschäftigte entstehen dadurch echte Perspektiven für einen beruflichen Neustart.

5. Arbeitsmarkt der zwei Geschwindigkeiten

Branchen, die direkt von staatlichen Investitionen profitieren, werden 2026 voraussichtlich weiter gewinnen. Das Bauwesen zum Beispiel, aber auch die Rüstungsindustrie.

Gleichzeitig verlieren viele Büro- und Wissensberufe. In der Softwareentwicklung, im Kundenservice und in der Verwaltung sei das Stellenangebot auf ihrer Plattform 2025 deutlich zurückgegangen, so Ökonomin Sondergeld. Sie sieht den Abwärtstrend auch 2026 anhalten.

Auch Enzo Weber sieht deutliche Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt: «Branchen wie Gesundheit, Pflege, Erziehung oder Verkehrs- und Finanzwesen bauen weiter auf, so dass die Beschäftigung insgesamt nicht sinkt.» Aber, trotz massiven Investitionen in die Rüstung, sieht es insgesamt für die Industrie mau aus: «Die Industrie verliert derzeit pro Monat mehr als 10.000 Jobs», so Weber. 

6. Löhne werden transparenter und steigen 

Im Januar stieg der Mindestlohn um 8,4 Prozent und damit weit überdurchschnittlich. «Das wirkt sich vor allem in Niedriglohnbranchen wie der Gastronomie oder der Landwirtschaft aus», ist die Einschätzung von Enzo Weber. Und auch Arbeitnehmer, die mehr verdienen, können 2026 mit einem Anstieg rechnen: «Die Löhne stiegen zuletzt um fast fünf Prozent. Das Plus wird aber kleiner werden, denn die wirtschaftliche Lage ist schwierig und die Zeiten des hohen Inflationsausgleichs sind vorbei.»

Ein wichtiges Thema für das Jahr 2026 wird die Lohntransparenz: Bis zum bis 7. Juni 2026 müssen die Mitgliedstaaten die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Dafür müssen deutsche Unternehmen aufholen. Arbeitgeber müssen Bewerberinnen und Bewerbern das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne nennen (zum Beispiel in der Stellenausschreibung oder vor dem ersten Gespräch). Mitarbeitende können außerdem Informationen über ihr individuelles Entgelt und die durchschnittlichen Entgelte vergleichbarer Tätigkeiten (nach Geschlecht aufgeschlüsselt) verlangen.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Mittagspause in Deutschland schrumpft: Laut einer neuen Compass-Studie nehmen sich immer weniger Beschäftigte Zeit für eine Hauptmahlzeit, während der Stresspegel steigt. Die Ergebnisse verdeutlichen eine wachsende Schere zwischen dem Wunsch nach Erholung und der betrieblichen Realität.

Düsseldorf meldet für 2025 einen neuen Übernachtungsrekord von 5,67 Millionen. Während die Internationalisierung und das Messegeschäft boomen, kämpft die Hotellerie trotz Rekordnachfrage mit sinkenden Raten.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe sinkt erstmals seit einem Jahr wieder unter das Vorkrisenniveau. Während die Zahl der offenen Stellen leicht steigt, melden Hotellerie und Gastronomie wachsende Arbeitslosenzahlen.

Wer gerade im Nahen Osten festsitzt, kann höchstens mobil arbeiten. Warum das arbeitsrechtlich womöglich heikel ist und welche Risiken Arbeitgeber und Beschäftigte in solchen Fällen kennen sollten.

Struktureller Wandel bei der dfv Mediengruppe: Die eigenständige redaktionelle Arbeit der Fachmedien tw tagungswirtschaft und m+a report wird zum 31. März 2026 eingestellt. Die Marken werden in die veranstaltungsorientierte dfv Conference Group überführt.

Ferienzeit, alle wollen weg – aber wer darf zuerst? Arbeitgebende müssen bei der Urlaubsplanung soziale Aspekte berücksichtigen. Das kann bedeuten, dass Eltern Vortritt haben, muss es aber nicht.

Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick

Die erweiterte Verdienstungleichheit in Deutschland stagniert. Laut aktuellem Bericht des Statistischen Bundesamtes liegt der Gender Gap Arbeitsmarkt weiterhin bei 37 Prozent, wobei erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen bleiben.

Das deutsche Gastgewerbe kämpft weiterhin mit den Folgen der Krise. Im Jahr 2025 lagen die realen Umsätze fast 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Steigende Kosten und eine schwache Konsumstimmung belasten die Betriebe trotz nominaler Zuwächse.

Die aktuelle Dehoga-Umfrage zum Jahresauftakt 2026 belegt eine anhaltende Flaute im Gastgewerbe. Hohe Personalkosten und bürokratische Hürden belasten die Betriebe nach dem sechsten Verlustjahr in Folge massiv.