Dürfen Frauen im Bewerbungsgespräch über Schwangerschaft lügen?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Bewerberinnen dürfen im Vorstellungsgespräch eine Schwangerschaft verschweigen und auch bestreiten. So können sie ihre gleichberechtigte Chance auf eine Arbeitsstelle wahren. «In diesem Fall besteht das Recht zur Lüge», sagte Hannah Tatzky, aus der Bundesrechtsabteilung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Dieses leite sich aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ab.

Danach können Frauen ihre Schwangerschaft thematisieren, müssen dies aber nicht. «Es besteht keine Offenbarungspflicht seitens der Schwangeren und auch kein Fragerecht des Arbeitgebers», sagte Tatzky. 

Eventuelle Lügen bleiben rechtlich folgenlos

Es komme aber immer wieder vor, dass dennoch gezielt nach einer bestehenden Schwangerschaft oder Kinderplänen gefragt werde. Weil eine ausweichende Antwort wie «Dazu möchte ich nichts sagen» Rückschlüsse zulasse, die eine Benachteiligung nach sich ziehen könnten, dürfe die Bewerberin die Unwahrheit sagen. Solche Lügen böten grundsätzlich auch keine rechtliche Basis, den Arbeitsvertrag später wegen arglistiger Täuschung anzufechten. 

Nach dem Mutterschutzgesetz besteht laut § 17 während der Schwangerschaft und mindestens bis vier Wochen nach Entbindung Kündigungsschutz. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Umstände dem Arbeitgeber bekannt sind oder spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt werden. 

Um das Verhältnis zum künftigen Arbeitgeber nicht zu belasten, kann es für Schwangere jedoch ratsam sein, gleich zu Beginn mit offenen Karten zu spielen und direkt über mögliche Beschäftigungsverbote und Elternzeiten zu sprechen. Dabei, so Tatzky, sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass «man die Stelle gar nicht bekommt. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ifo: Homeoffice-Angebot in Stellenanzeigen hat sich verdreifacht

Der Anteil von Online-Stellenanzeigen mit Option auf Homeoffice ist bis März 2021 auf 12 Prozent gestiegen und hat sich damit seit 2019 mehr als verdreifacht. Das geht aus einer Auswertung von 35 Millionen Stellenanzeigen durch das ifo-Institut und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hervor.

Zwischen den Zeilen lesen: Was wirklich in Stellenanzeigen steht

Die einen preisen den Tischkicker an, die anderen werben mit flachen Hierarchien und Mitarbeitervorteilen: Sind Stellenanzeigen nur Selbstbeweihräucherung oder kann man darin wirklich etwas über Arbeitgeber erfahren?

Kaffeetrinker leben länger

Kaffee bewirkt etwas im Körper. Doch dabei geht es nicht nur ums Muntermachen und verdauungsanregende Effekte. Studien zeigen: Der Konsum könnte sogar helfen, bei bestimmten Erkrankungen vorzubeugen. Und: Kaffeetrinker leben länger

Liste der Corona Risikogebiete in Deutschland

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ist am fünften Tag in Folge gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 72,0 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 74,4 gelegen, vor einer Woche bei 82,8.

Wann Studenten mit Nebenjob Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen

Viele Studenten arbeiten nebenbei, um sich das Studium zu finanzieren. Damit stehen sie in einem Beschäftigungsverhältnis mit all seinen Rechten und Pflichten. Hierauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin hin.

Ermäßigter Steuersatz bei Abfindungen auch für Eigenkündigung

Abfindungen nach einer Kündigung durch den Arbeitgeber können ermäßigt besteuert werden. Doch was gilt, wenn der Arbeitnehmer vorzeitig kündigt hat und die Austrittsklausel in Anspruch nimmt?

Ifo-Institut rechnet mit höchster Inflationsrate seit fast 30 Jahren

Das Ifo-Institut erwartet in diesem Jahr mit 3 Prozent den höchsten Anstieg der Verbraucherpreise seit fast 30 Jahren. Für das kommende Jahr prophezeien die Münchner Ökonomen eine Inflationsrate zwischen 2 und 2,5 Prozent.

ADAC misst für Urlaubssommer 2021 Rückgang beim Deutschland-Tourismus

Deutschland war laut ADAC im Sommer zwar nach wie vor beliebtestes Urlaubsziel, im Vergleich zu 2020 gab es aber einen deutlichen Rückgang. Der ADAC wertete dafür knapp 380 000 Online-Routenplanungen aus.

Corona-Infektion im Job kann Arbeitsunfall sein

Stecken sich Mitarbeiter im Job mit dem Coronavirus an, kann das als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall gelten. Das bringt spezielle Leistungen mit sich. Doch je nach Beruf sind die Hürden hoch.

 

26 Prozent bestellen Lebensmittel im Internet

Die Coronakrise hat das Einkaufsverhalten der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher auch im Lebensmittelsektor offenbar nachhaltig verändert. So bestellen derzeit 26 Prozent der Menschen in Deutschland zumindest hin und wieder Lebensmittel im Internet.