Inlandstourismus 2018: Gästeübernachtungen zum neunten Mal in Folge auf neuen Rekordwert gestiegen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Im Jahr 2018 gab es in den Beherbergungsbetrieben in Deutschland 477,6 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, war dies ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Jahr 2017.

Damit stiegen die Übernachtungszahlen zum neunten Mal in Folge und erreichten einen neuen Rekordwert. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland erhöhte sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 87,7 Millionen. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland stieg um 4 Prozent auf 389,9 Millionen. 

Im Dezember 2018 betrug die Gesamtzahl der Gästeübernachtungen 29,9 Millionen. Sie lag damit um 4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. 6,2 Millionen Übernachtungen entfielen auf Gäste aus dem Ausland (+5 Prozent) und 23,7 Millionen auf inländische Gäste (+4 Prozent).

Damit setzt sich der positive Trend der Vorjahre fort. „Urlaub in Deutschland ist so beliebt wie nie“, sagt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverbandes). „Deutschland als Reiseland wie auch als Tagungs- und Kongressstandort präsentiert sich weiterhin als äußerst attraktive Tourismusdestination mit einem im internationalen Vergleich sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, erklärt Zöllick den neunten Übernachtungsrekord in Folge.

Impulsgeber für den Inlandstourismus waren zudem das schöne Sommerwetter und die weiterhin günstigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einer starken Binnennachfrage. „Von der sonnenreichsten Saison seit Beginn der Wetteraufzeichnung konnte insbesondere die Ferienhotellerie in den bekannten Urlaubsregionen profitieren. Aber auch der Städtetourismus und der Geschäftsreiseverkehr legten zu“, berichtet Zöllick.

Allerdings verweist der DEHOGA-Präsident auch auf zahlreiche Herausforderungen für die Branche. „Die Ertragssituation in der Branche bleibt durch weiter steigende Betriebs- und Personalkosten angespannt“, so Zöllick. Als „Hemmschuh und Gefahr für das Wachstum“ bezeichnet Zöllick den zunehmenden Fachkräftemangel und bürokratische Belastungen. Weitere Unsicherheiten ergäben sich aus dem unklaren Brexit-Fahrplan und den weltweiten Handelskonflikten.

Trotz der Risiken blickt die Hotellerie angesichts der anhaltenden Reise- und Konsumlust der Gäste zuversichtlich auf das laufende Jahr. „Die heimische Hotellerie ist bestens aufgestellt und gehört bei Produkt- und Servicequalität zur Weltspitze. Bei uns stimmen Leistung und Angebot“, sagt Zöllick. Vor diesem Hintergrund rechnet der DEHOGA für das Jahr 2019 mit einer Steigerung der Übernachtungszahlen um ein bis 1,5 Prozent.

Einhergehend mit steigenden Übernachtungszahlen meldeten die Hotels für das vergangene Jahr ein nominales Umsatzplus von 3,7 Prozent (real 1,5 Prozent). „Deutschland als Reiseland wie auch als Tagungs- und Kongressstandort präsentiert sich weiterhin als äußerst attraktive Tourismusdestination“, berichtet Zöllick. Bei den Gastronomen stiegen die Umsätze um 2,8 Prozent (real 0,6 Prozent). Die Caterer kommen auf einen Zuwachs von 3,0 Prozent (real 1,2 Prozent).

Mit der steigenden Nachfrage stellten die Betriebe mehr ein. 1.096.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im September 2018 in Gastronomie und Hotellerie beschäftigt. Ein Plus von 2,0 Prozent bzw. 21.300 Beschäftigten gegenüber dem Vorjahresmonat und ein neuerlicher Rekordwert. Zöllick: „Das neue Allzeithoch bei der Beschäftigung beweist die Relevanz des Gastgewerbes als Arbeitgeber für Menschen unterschiedlichster Herkunft und Qualifikation.“

Mit Blick auf die aktuellen Probleme und Herausforderungen der Branche forderte Zöllick die Politik zum Handeln auf. „Statt immer neuer und teurer bürokratischer Vorgaben gehören der konsequente Abbau von Bürokratie, ein flexibleres Arbeitszeitgesetz, gleiche Steuern für Essen, eine Offensive für die duale Ausbildung sowie faire Wettbewerbsbedingungen mit Blick auf die Angebote der sogenannten Sharing Economy wie Airbnb oder Eatwith ganz oben auf die politische Agenda in Berlin und Brüssel.“

„Das Reiseziel Deutschland liegt bei in- wie ausländischen Gästen weiter voll im Trend. Das Land punktet mit seinem tollen Preis-Leistungsverhältnis und seiner Vielfalt an Zielen - egal ob Strände, Berge oder Städte, Natur oder Kultur, für jeden ist etwas dabei. Und natürlich spielten 2018 auch die äußeren Bedingungen mit: Der Traumsommer machte besonders viel Lust auf Urlaub und Kurztrips in und nach Deutschland“, kommentierte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Dr. Michael Frenzel die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen. „Zudem trug die gute Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage ihren Teil dazu bei, dass die große Reiselust der Bürger im vergangenen Jahr auch auf gut gefüllte Reisekassen traf.“
 
Frenzel: „Garantien für weitere Traumsommer kann natürlich niemand geben. Das Gleiche gilt für die Fortsetzung des langjährigen Wirtschaftswachstums in Deutschland. Die Politik hat es aber in der Hand, unsere Branche ein Stück ‚wetterfester‘ gegenüber einer möglichen konjunkturellen Abkühlung zu machen. Dies wäre ein notwendiger und längst überfälliger Schritt. Denn schon in wirtschaftlich guten Zeiten spiegelt sich das touristische Wachstum zu wenig in den Erträgen der Unternehmen wider. Zahlreiche finanzielle und bürokratische Zusatzlasten und der harte und oft unter ungleichen Voraussetzungen stattfindende Wettbewerb spielen dabei eine zentrale Rolle. 
 
Wir erwarten, dass die nationale Tourismusstrategie einen Beitrag zur Verbesserung der Rahmenbedingungen leistet – und dass sie nicht zu lang auf sich warten lässt.“ Über die im Koalitionsvertrag geplante nationale Tourismusstrategie könnte die Bundesregierung u.a. Infrastrukturinvestitionen, einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt für Fachkräfte aus dem Ausland und ein faires Regelwerk für die Digitalisierung vorantreiben, wie die vom BTW beauftragte DIWecon-Studie ‚Ein wirtschaftspolitischer Beitrag zur nationalen Tourismusstrategie‘ zeigt. „Aber auch kurzfristig und unabhängig von der Tourismusstrategie gilt es, Weichen zu stellen: Bürokratiebelastungen der mittelstandsgeprägten Tourismusbranche müssen abgebaut, das Arbeitszeitgesetz flexibilisiert und finanzielle Nachteile wie Urlaubs- und Luftverkehrsteuer beseitigt werden, um die Branche mit ihren rund drei Millionen Arbeitsplätzen krisenfest zu machen.“


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Beschäftigung im Gastgewerbe hat Anfang 2026 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Gleichzeitig bleiben offene Stellen deutlich unter den Werten von 2019, während sich die Arbeitslosigkeit unterschiedlich entwickelt.

Eine Umfrage von Evaneos und YouGov unter 1.551 Personen zeigt laut Mitteilung, dass KI-Chatbots bei der Reiseplanung bislang nur begrenzt genutzt werden. Demnach geben 75 Prozent der Befragten an, noch nie einen KI-Chatbot für die Planung einer Reise eingesetzt zu haben.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele kleine Betriebe in Deutschland vor einer ungewissen Zukunft stehen. Vor allem bürokratische Hürden und der Mangel an Nachfolgern gefährden den Erhalt von praktischem Fachwissen und lokalen Strukturen.

Plant und finanziert eine Firma für Angestellte eine Abschiedsfeier, kann das Finanzamt die Betroffenen nicht dafür zur Kasse bitten. Das hat der Bundesfinanzhof klargestellt.

Bei einer internationalen Umfrage zur Lebenszufriedenheit landet Deutschland im europäischen Mittelfeld. Die Folgen des Krieges im Iran sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Der MICE-Report 2026 zeigt eine Stabilisierung der Eventbudgets bei gleichzeitig anhaltendem Kostendruck. Die Mehrwertsteuersenkung wird laut Anbieterbefragung nur teilweise an Kunden weitergegeben.

Im Alltag spielt der Lebensmitteleinkauf eine große Rolle. Verbraucher spüren die gestiegenen Preise im Portemonnaie. Neue Marktforschungsdaten und Umfragen bieten detaillierte Einblicke.

Ein neuer Gefahrtarif führt laut BGN dazu, dass die Beiträge für 2025 im Durchschnitt sinken. Gleichzeitig sind die Ausgaben für Entschädigungsleistungen gestiegen.

Aprilscherz im Büro? Wer Kollegen aus dem Arbeitsfluss reißt oder sogar beleidigt, riskiert mehr als nur schlechte Laune – manchmal steht sogar die Kündigung im Raum.

Der mittlere Bruttojahresverdienst in Deutschland ist 2025 laut Destatis gestiegen. Im Gastgewerbe lag der Median weiterhin deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Niveau.