Nicht länger stumm: Neun Tipps für Schlagfertigkeit im Job

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Manchen Kollegen fällt immer ein passender Spruch ein, manche stammeln bloß ein überraschtes «Lassen Sie mich doch erklären...», wenn sie abgebügelt wurden und wieder andere bleiben einfach stumm. Schlagfertig ist eben nicht jeder, oder?

Doch, findet Sabine Altena. Die ehemalige Journalistin coacht unter anderem in Sachen Rhetorik und Schlagfertigkeit. Schließlich fällt den meisten Leuten nach einer Weile schon ein guter Konter ein. «Jeder ist schlagfertig, nur halt nicht zum richtigen Zeitpunkt.»

Schlagfertig sein, das ist im Job nicht ganz unwichtig, sagt Coach und Autor des Buches «Schlagfertigkeit», Matthias Nöllke. Dabei geht es nicht unbedingt um einen flotten Spruch oder einen guten Konter. «Im Kern geht es darum, nicht sprachlos zu bleiben.»

Das kann einem etwa in unangenehmen Situationen die Souveränität zurückgeben. Diese Methoden können den Coaches zufolge helfen:

- ETWAS SAGEN: Zunächst geht es darum, überhaupt irgendetwas zu sagen und in brenzligen Situationen nicht stumm zu bleiben. «Das muss nicht originell oder witzig sein», sagt Nöllke. «Schlagfertigkeit beginnt mit Nullsätzen.» So könne man zunächst auch einfach sagen «Dazu fällt mir nichts ein» oder «Keine Ahnung, worauf Sie hinauswollen.» Das irritiere das Gegenüber und gebe einem selbst Sicherheit zurück. «Man kommt aus der unangenehmen Situation heraus.»

- KLEINE SPIELVERDERBER: Wer Teammitglieder oder gar eine Führungskraft hat, die einem immer wieder dumm kommen, kann vielleicht mit kleinen Spielverderbern arbeiten, so Nöllke. «Schön für dich», «Damit beschäftigen Sie sich, nicht ich» oder «Schon okay, wenn Sie das so sehen wollen.» Wer hartnäckig bei solchen Phrasen bleibt, verdirbt Sprücheklopfern den Spaß, eher, als wenn man versucht etwas Originelles zu kontern.

- DOLMETSCHER: Diese Technik funktioniert so, wie der Name schon sagt: Man tut so, als sei man ein Dolmetscher, der eine Fremdsprache übersetzt. Wenn jemand sich über das eigene Outfit lustig macht, kann man zum Beispiel erwidern: «Sie meinen, Ihnen gefällt meine Jacke nicht?» Der Dolmetscher holt das Gespräch auf die Sachebene zurück, eine sehr diplomatische Technik.

- GEGENDARSTELLUNG: Mit dieser Technik kann man auf Unterstellungen oder Fehlurteile reagieren, sagt Nöllke. Zum Beispiel auf die Unterstellung, man sei zu jung und habe zu wenig Erfahrung für einen Job. «Oft fühlt man sich überfahren und will sich rechtfertigen. Das wirkt häufig nicht so souverän.» Besser sei es, so zu reagieren: «Das ist Ihre Ansicht. Tatsächlich bringe ich mal frischen Wind in das Projekt.» Zurückweisen und richtigstellen, kurz und knapp. Wer das Modell im Kopf habe, dem sei oft schon geholfen.

- DAG GROSSE GANZE: Hierbei wird die Aussage des anderen relativiert. Von einem Detail, das der andere kritisiert, zum Beispiel «Das kostet zu viel», «Dafür haben wir nicht genug Manpower», wird zu einem übergeordneten Ziel abgelenkt, so Altena. Beispiel: «Ja klar, das kostet Geld. Und was wir erreichen wollen ist, dass die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich steigt.» Idealerweise werden die Sätze mit einem «und» statt einem «aber» verbunden. Das wirkt weniger abwertend.

- ÜBERRASCHENDES JA: Wenn jemand versucht, den anderen persönlich anzugreifen («Sie sind aber klein!», «Ist Ihr Schreibtisch immer so unordentlich?», «Sie sind ganz schön laut!»), kann dieser einfach zustimmen: «Stimmt», «Absolut» oder auch «Daran dürfen Sie sich gewöhnen.» Weil sich die meisten Menschen eher rechtfertigen, anstatt in solchen Momenten zuzustimmen, heißt die Technik «Überraschende Zustimmung». Sie funktioniert auch bei Dingen, die nicht stimmen, als ironische Überhöhung, sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden.

- KLASSISCHE RÜCKFRAGE: Diese Technik funktioniert fast immer, so Altena: Nachhaken, was genau gemeint ist. «Was genau verstehen Sie unter...? Was ist Ihr Verständnis von...? Was ist Ihre Idee dazu? Was brauchen Sie, um...?» Das verschafft Zeit und ganz nebenbei tatsächlich ein besseres Verständnis der Situation und Gedanken. Mutige, die in eine angeregte Diskussion gehen wollen, dürfen es auch mal versuchen mit: «Wie kommen Sie zu dieser Fehleinschätzung?»

- VERWIRRUNG: Man sagt etwas, das schlau klingt, aber weder etwas aussagt, noch etwas mit dem Angriff oder der Kritik zu tun hat. Geeignet sind Nonsens-Sprichwörter, Sprichwörter, die keiner kennt, oder auch unbekannte Filmzitate. «Das Unbekannte schafft die Verwirrung», sagt Altena.

Entscheidend sei, dazu ein bedeutungsvolles Gesicht aufzusetzen, langsam zu sprechen und Pausen zu machen. Ihre Lieblingssprüche: «Wer kein Messer hat, kann auch kein Brot schneiden». Oder auch: «Weißt Du, die Birne ... hat den Stiel hinten.» Dem fügt Altena ein «Denk mal drüber nach» an. «So muss der andere automatisch darüber nachdenken, und man selbst kann mit seinen Inhalten weitermachen.»

Wichtig in Sachen Schlagfertigkeit: Es geht darum, eine Situation auf Augenhöhe zu lösen, sagt Altena. «Gute Schlagfertigkeit ist elegant und wirkt entspannt. Alle sollten erhobenen Hauptes aus dem Gespräch gehen.»

- BEHUTSAMKEIT: Es gibt auch Situationen, in denen ein schlagfertiger Spruch fehl am Platz ist, wie Nöllke sagt. Zum Beispiel, wenn das Gegenüber absolut humorlos ist oder ein lustiger Spruch einfach nicht zur eigenen Persönlichkeit passt. Und humorvolle Konter sind ebenfalls fehl am Platz, wenn man wirklichen Angriffen unter der Gürtellinie ausgesetzt ist. «Dann sollte man klar Stopp signalisieren und knallhart sagen: So etwas will ich nicht mehr hören.»


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wegen der Wirtschaftsflaute erhalten kleine und mittlere Firmen immer schwieriger Kredite, denn Banken schauen genauer hin. Die Förderbank KfW verzeichnet Rekorde. Den Einzelhandel trifft es besonders.

Unzufrieden mit dem Arbeitszeugnis? Das müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Der Arbeitgeber ist rechtlich dazu verpflichtet, Sie wohlwollend zu bewerten. Was das bedeutet.

Mit Freude eine sinnvolle Arbeit machen - dieses Ziel steht für viele Menschen nicht mehr an erster Stelle. Laut einer Umfrage wollen vor allem junge Leute das Leben genießen - ohne sich abzuplacken.

Schritt für Schritt steigt der Mindestlohn in Deutschland - mit positiven Effekten auf die Einkommen vieler Beschäftigter. Wie die Unternehmen konkret betroffen sind, zeigt eine Umfrage.

Der Weinkonsum in Deutschland ist rückläufig: Im Schnitt trinken die Bürger eine Flasche Wein weniger pro Jahr. Während der Schaumweinabsatz stabil bleibt, sorgen laut dem Deutschen Weininstitut vor allem gestiegene Kosten und der demografische Wandel für ein Minus beim Weinverbrauch.

Die Produktion von Fertiggerichten in Deutschland ist binnen fünf Jahren um über 25 Prozent gestiegen. Besonders Nudel- und Fleischgerichte treiben das Wachstum voran, während der zeitliche Aufwand für die private Essenszubereitung nahezu stabil bleibt.

In vielen Betrieben des Gastgewerbes wird derzeit diskutiert, wie mit der ermäßigten Mehrwertsteuer bei Frühstücksbuffets und Pauschalen umgegangen werden muss. Ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums liefert hier Aufklärung.

Wer in seinem Job das Internet nutzt, bekommt im Schnitt 53 berufliche Mails pro Tag. Der Umfang der E-Mail-Kommunikation im Berufsleben nimmt damit im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich zu.

Jeder Vierte in Deutschland findet einer aktuellen Umfrage zufolge den für 2026 festgelegten Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde genau richtig. 40 Prozent finden den neuen Mindestlohn dagegen etwas oder sogar viel zu niedrig.

Seit Anfang des Jahres gelten neue, erhöhte Sätze für die Ausgleichsabgabe. Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitsplätzen müssen die Beschäftigungsdaten für das Vorjahr bis Ende März melden. Für das Kalenderjahr 2026 greift dabei erstmals eine neue Berechnungsgrundlage, die auf im Vorjahr erhöhten Sätzen basiert.