Abschlussball: Vorerst letzter Schwoof in Berliner Kultlokal «Clärchens Ballhaus»

| Gastronomie Gastronomie

Heinrich Zille zeichnete an der Theke, Franz Biberkopf outetet sich in «Berlin Alexanderplatz» als Stammgast. «Clärchens Ballhaus» hat sich in mehr als einem Jahrhundert zum Kultlokal der Berliner Szene und internationaler Touristen entwickelt. Doch am Wochenende ist erstmal Abschlussball in der arg heruntergekommenen Gaststätte. Mit einem «Bleib in guter Erinnerung Schwoof» verabschiedet sich das für seinen abgebröckelten Charme geliebte «Clärchen».

Der Fotograf Yoram Roth, seit einiger Zeit Besitzer des sichtbar verfallenden Gebäudes, hat den Vertrag mit den bisherigen Pächtern nicht verlängert und will renovieren. Inzwischen per Unterschriftensammlung dokumentierte Sorgen um den Verlust von Charme und Institution versucht er zu zerstreuen: «Ich will, dass das Gebäude hinterher so aussieht, als wäre es nie angefasst worden», sagte Roth der dpa in Berlin. Das sei nicht einfach und zudem teuer.

Es gebe aber dringend notwendige Grundsanierungen zu erledigen, zum Beispiel beim Brandschutz oder in der Küche. Der historische Spiegelsaal in der ersten Etage etwa benötige eine Klimatisierung, um das ganze Jahr über genutzt werden zu können. Ausdrücklich kein Vorbild für die Sanierung von «Clärchens Ballhaus» ist für Roth sein jüngstes Projekt «Veronika» in New York. Das Restaurant im Stil großer europäischer Caféhäuser im Gebäude des Fotografiska-Museums ist ein echter Hingucker geworden, aber eben auch nicht ganz günstig.

Roth will «so schnell wie möglich» wieder öffnen, was fünf bis sechs Monate bedeuten könne. Am liebsten wäre es dem Investor, der «Clärchens Ballhaus» nicht als klassisches Investment mit Gewinnabsicht sieht, wenn mit der Biergartensaison wieder geöffnet werden könnte. Was einem seiner Motive entspräche: «Die Rückkehr von Kaffee und Kuchen ist mir wichtig», aktuell werde Pizza angeboten. Roth will die Rückkehr des Traditionslokals «mit Tanz und allem». Einen neuen Pächter hat er nach eigenen Angaben noch nicht. Er brauche dafür «jemanden, mit dem ich das Gesamtkonzept entwickeln kann». (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ausnahmezustand in München: Bei weiß-blauem Himmel hat das Oktoberfest begonnen. Der neue Oberbürgermeister wuppt seine Anzapfpremiere mit Bravour. Für einige Gäste gab es einen Schreckmoment.

Beim traditionellen Mittagsempfang des Bundesverbands der Systemgastronomie trafen sich in München rund zweihundert Gäste. Im Mittelpunkt standen die Verleihung des Branchenpreises sowie die Forderung nach politischen Reformen. Zusätzlich zeichnete der Verband Ingrid Hartges mit dem Ehrenpreis aus.

Das 191. Münchner Oktoberfest ist eröffnet. Neu-Oberbürgermeister Dominik Krause zapfte bei seiner Anstich-Premiere mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an und startete mit dem «O'zapft is» das weltberühmte Volksfest.

Das deutsche Gastgewerbe setzte im Juli 2026 real 4,0 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. In der Gastronomie sank der reale Umsatz um 4,7 Prozent, bei den Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen um 2,0 Prozent.

Das Café an der Spanischen Treppe gehört zu den ältesten Kaffeehäusern in Italien. Schon Goethe war hier zu Gast. Jetzt steht es seit bald einem Jahr leer. Und kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Der Europa-Park hat das Mitarbeiterrestaurant „Coasteria“ mit integrierter Zentralküche eröffnet. In den 4.500 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Anteil der Befragten, nach deren Ansicht bargeldloses Bezahlen in gastronomischen Betrieben möglich sein sollte, ist gestiegen. YouGov weist gegenüber März 2025 bei allen abgefragten Orten höhere Werte aus.

Bei den ersten Chef:in Awards in Hamburg sind neun Frauen in sieben Kategorien ausgezeichnet worden. Sarah Hallmann und Julia A. Leitner teilen sich den Titel Köchin des Jahres 2026.

DoorDash hat mit Wonder die Übernahme von Grubhub Campus Dining für 300 Millionen US-Dollar vereinbart. Die Technologie soll künftig auch in Hotels eingesetzt werden.

Für die Tasty Planet GmbH, die Betreibergesellschaft des Hamburger Restaurants TamTam, ist keine Investorenlösung möglich. Kein Interessent wollte den Betrieb übernehmen, wie nun der Insolvenzverwalter mitteilte.