Berlin lockert Abstandsregeln für Gaststätten

| Gastronomie Gastronomie

In Berlin werden die Corona-Beschränkungen noch ein bisschen lockerer: Die Abstandsregeln werden für Restaurants und Kneipen zwar nicht aufgehoben. Aber der Senat hat bei seiner mehrstündigen Sitzung mit 31 Tagesordnungspunkten am Dienstag beschlossen, dass bald bis zu sechs Gäste an einem Tisch sitzen dürfen, auch wenn 1,50 Meter Abstand nicht eingehalten werden können. Dafür wird die Infektionsschutzverordnung entsprechend geändert. In Kraft treten die neuen Regelungen nach der Veröffentlichung im Gesetz- und Verordnungsblatt voraussichtlich schon am Samstag.

Grundsätzlich seien Abstandsregeln aber noch nicht verzichtbar, erklärte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) nach der Senatssitzung. Im Gegenteil, die Infektionszahlen seien nur niedrig, weil sich Menschen verantwortungsvoll verhielten. «Wer das nicht tut, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere.»

Bisher müssen in Gaststätten die Stühle so stehen, dass zwischen den Gästen ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Ausnahmen gelten für Ehe- und Lebenspartner und Angehörige des eigenen Haushalts - mit Arbeitskollegen und Bekannten wird das vertraute Gespräch über den Tisch hinweg dagegen manchmal schwierig.

Aus Sicht der Berliner Gastronomie war die Regelung eine erhebliche Einschränkung. Die Zahl der Gäste reduzierte sich deutlich, mit entsprechenden wirtschaftlich schmerzhaften Folgen für die Wirte - auch wenn die Regel nicht überall beachtet wurde. Der Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) war wegen dieses Themas in den vergangenen Wochen immer wieder in Gesprächen mit dem Senat und der Wirtschaftsverwaltung. Die Gastronomie in der Hauptstadt ist durch die Corona-Krise besonders betroffen.

Auch das Chorsingen soll wieder möglich werden, wenn die Hygienestandards der Kulturverwaltung eingehalten werden. Darauf haben sich Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Vertreter von Musikverbänden, der Kirchen und der Rundfunkchöre in einem Gespräch geeinigt. Sie wollen nun konkrete Maßnahmen dafür erarbeiten.

Lockerungen sind auch im Sportbereich vorgesehen. Freizeitsportler bekommen auch bei Kontaktsportarten wieder mehr Möglichkeiten zum Trainieren, wie der Senat beschlossen hat. Im Mannschaftssport ist Training in festen Gruppen mit bis zu 30 Personen möglich, wie Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) sagte. Dabei ist die Übungsleitung eingeschlossen.

Für Kampfsportler sind feste Trainingsgruppen mit maximal vier Personen plus Übungsleitung erlaubt. Lockerungen stehen auch beim Wettkampfbetrieb an, der für die kontaktfreien Sportarten bereits möglich ist. Für andere Sportarten soll er ab dem 21. August wieder erlaubt sein. Wettkämpfe im überregionalen Ligenbetrieb soll es ab dem 15. August wieder geben können.

Bei den Clubs bleibt der Senat hart: Eine Öffnung ist nicht absehbar. Der Senat hat aber über den Vorschlag der Clubcommission beraten, die Bezirke zu bitten, für Open-Air-Veranstaltungen und Partys im Freien Grünflächen bereitzustellen. Nach Angaben der Wirtschaftssenatorin werde nach einer Lösung gesucht, die im Interesse aller sei.

Noch keine Entscheidung gibt es in der Frage, wann Prostitution in Berlin wieder zugelassen wird. Der Senat will darüber in zwei Wochen noch einmal beraten. Saunen bleiben ebenfalls geschlossen - von Trockensaunen abgesehen. Auch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen öffnen noch nicht vollständig. Es ist aber geplant, bis Ende September 90 Prozent der Arbeits- und Betreuungsplätze wieder zu erreichen. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Michelin Guide hat elf verbreitete Irrtümer rund um Sterne, Inspektoren und Bewertungsverfahren aufgegriffen. Die Organisation erläutert dabei ihre Kriterien für die Auszeichnung von Restaurants und die Arbeitsweise ihrer Prüfer.

Das Berliner Zwei-Sterne-Restaurant Facil startet zum 25-jährigen Jubiläum eine sechsteilige Podcastreihe mit Reiner Veit. Das Audioformat beleuchtet ab dem 24. Juni 2026 die Geschichte und die personelle Kontinuität des Gastronomiebetriebs.

Bei den Frankfurter Gastro Talent Awards 2026 wurden Liv Geller als Kochtalent und Mihail Zaiat als Bartalent ausgezeichnet. Die Veranstaltung kehrte nach einer dreijährigen Pause als Teil des Rahmenprogramms der Michelin-Gala zurück.

Am Dienstag gibt der Guide Michelin in Frankfurt am Main die neuen Sterne für Deutschland bekannt. Bereits eine Woche zuvor hatte der Restaurantführer zehn neue Bib-Gourmand-Auszeichnungen veröffentlicht.

Starbucks Korea hat nach einem Werbe-Skandal sämtliche der über 2.000 Filialen in Südkorea vorzeitig geschlossen. Die Cafés wurden am Nachmittag dichtgemacht, damit Mitarbeiter an einer verpflichtenden Geschichtsschulung teilnehmen können.

Der Dresdner Historiker Andreas Rutz sieht Restaurants, Kneipen und gemeinsames Essen als wichtige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich beobachtet er einen Wandel der Esskultur durch Fast Food, To-go-Angebote und veränderte Lebensgewohnheiten.

Der Wirt Alexander Egger bleibt bei einer Klage gegen die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest erneut erfolglos. Das Verwaltungsgericht wies seinen Eilantrag ab. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen.

Lidl hat in Dundonald bei Belfast seinen ersten Pub eröffnet. Hintergrund sind besondere Regelungen des nordirischen Alkoholrechts, die dem Discounter den Verkauf alkoholischer Getränke in einer Gaststätte ermöglichen.

Die Zelte für das Münchner Oktoberfest können trotz eines Gerichtsstreits aufgebaut werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht lehnte den Eilantrag eines Wirtes ab, wonach die Betreiber zweier Festzelte zunächst nicht zur Wiesn zugelassen werden sollten.

Partner für Berlin hat zum 30-jährigen Jubiläum der Berliner Meisterköche die Nominierungen für das Jahr 2026 verkündet. Eine Jury wählte aus rund 150 Vorschlägen die Finalisten in sechs Kategorien aus, deren Gewinner im November gekürt werden.