Corona-Ausbruch bei apetito in Oberbayern: Bislang 46 positive Fälle

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Nach dem Corona-Ausbruch bei apetito im Landkreis Starnberg arbeiten die Behörden mit Hochdruck daran, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Bis Mittwochabend ergaben die Reihentestungen insgesamt 46 positive Fälle.

Am Mittwoch sollten unter anderem sämtliche Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Pöcking auf das Virus getestet werden, nachdem es dort einen positiven Fall gegeben hatte. Zudem wurde eine weitere Asylunterkunft unter Quarantäne gestellt - die mittlerweile Fünfte.

Es handle sich um die Asyl-Gemeinschaftsunterkunft in Weßling, teilte das Landratsamt am Abend mit. Ein Bewohner, der bei dem Caterer arbeitet, sei positiv auf Corona getestet worden. In den fünf Asyl-Unterkünften, die unter Quarantäne stehen, gibt es unterdessen sechs bestätigte Corona-Fälle. Der erste Corona-Fall war in einer Unterkunft in Hechendorf aufgefallen.

Nach Angaben des Landratsamtes wird auch eine Gemeinschaftsunterkunft im Herrschinger Ortsteil Breitbrunn durchgetestet. Die Bewohner hätten sehr engen Kontakt mit Bewohnern einer weiteren Herrschinger Unterkunft gehabt, wo bereits getestet wurde und ein positiver Fall aufgefallen war.

Eine ganze Reihe der insgesamt rund 120 Mitarbeiter des Caterers Apetito im oberbayerischen Gilching waren einer Sprecherin des Landratsamtes zufolge in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Sie seien vorsorglich nach München in eine Isoliereinrichtung gebracht worden, um dort getestet zu werden. Bis Mittwochabend ergaben die Reihentestungen insgesamt 46 positive Fälle.

Landrat Stefan Frey (CSU) sagte am Donnerstag: «Wir werden die Umstände der Ausbreitung des Virus, die ja doch mittlerweile bei nahe 50 Prozent der Mitarbeiter liegt, aufklären. Die Firma muss darlegen, ob die Arbeitsbedingungen dem Hygienekonzept entsprochen haben.» Bislang seien insgesamt 34 Landkreisbewohner positiv getestet. Das entspreche binnen 7-Tagen 24 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner; also noch deutlich unter dem kritischen Wert, ab dem Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zum Zuge kommen.

Die Kontaktpersonenermittlung laufe weiter auf Hochtouren, so das Landratsamt. Dabei würden auch sämtliche Zulieferer, Reinigungsfirmen, Techniker, Kühlunternehmen und dergleichen unter die Lupe genommen.

Das Unternehmen Apetito untersucht ebenfalls die Ursache des Ausbruchs. Das Verteilerzentrum in Gilching diente ausschließlich der Belieferung des LMU-Klinikums Großhadern und des Innenstadt-Campus. Über einen alternativen Plan werde die Versorgung der Patienten und Mitarbeiter sichergestellt, so das Unternehmen. Eine Verbreitung des Virus über die Mahlzeiten halten Unternehmen, Behörden und LMU Klinikum für so gut wie ausgeschlossen.

«Die bei dem Speisenlieferanten geltenden Hygienevorschriften bei der Portionierung der Speisen machen es extrem unwahrscheinlich, dass es zu einer Kontamination der Speisen mit Viren gekommen ist», teilte eine Sprecherin des Klinikums mit. «Selbst wenn dem so wäre, ist es wiederum sehr unwahrscheinlich, dass es dadurch zu einer Infektion von Patienten oder Mitarbeitern gekommen sein könnte.»

Beim Landratsamt meldeten sich auch Ehrenamtliche der Helferkreise. Wer zu einem der Infizierten Kontakt gehabt habe oder grundsätzlich besorgt sei, könne ebenfalls getestet werden, sagte die Sprecherin. Jedoch gebe es keinen Anlass zu Befürchtungen. «Alle sind immer sehr vorsichtig vorgegangen.»

Im Landkreis Starnberg waren im Februar die bundesweit ersten Corona-Fälle aufgetreten. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte das Virus beim Autozulieferer Webasto eingeschleppt. Die Infektionsketten konnten damals erfolgreich unterbrochen werden - der Betrieb blieb für zwei Wochen geschlossen, alle Kontaktpersonen mussten in Quarantäne.

Die Apetito Unternehmensgruppe, zu der auch der von einem Corona-Ausbruch betroffene Standort im Landkreis Starnberg gehört, liefert jeden Tag Essen für rund 1,3 Millionen Menschen in acht Ländern. Unter anderem gehören Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und Unternehmen zu den Kunden des Unternehmens aus Rheine in Nordrhein-Westfalen. Auch Essen auf Rädern hat Apetito im Programm. Hinzu kommt noch Tiefkühlkost für den Handel.

Essen für Millionen - Apetito Unternehmensgruppe

Die Apetito Unternehmensgruppe, zu der auch der von einem Corona-Ausbruch betroffene Standort im Landkreis Starnberg gehört, liefert jeden Tag Essen für rund 1,3 Millionen Menschen in acht Ländern. Unter anderem gehören Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und Unternehmen zu den Kunden des Unternehmens aus Rheine in Nordrhein-Westfalen. Auch Essen auf Rädern hat Apetito im Programm. Hinzu kommt Tiefkühlkost für den Handel.

Die Firmengruppe mit knapp 9500 Mitarbeitern setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Apetito Konzern und dem Apetito Catering Konzern. Ersterer ist in sechs europäischen Ländern, in Kanada sowie in den USA aktiv. Zu ihm gehört auch die Tiefkühlmarke für Fisch und Meerestiere Costa. Zudem stellt er Tiefkühlgerichte für Eigenmarken des Lebensmittelhandels her.

Der Apetito Catering Konzern ist in ganz Deutschland aktiv und nach eigenen Angaben einer der größten deutschen Caterer. Bei ihm kochen Mitarbeiter direkt in den Einrichtungen der Kunden. Auch der vom Corona-Ausbruch in Gilching betroffene Standort gehört zu Apetito Catering, von ihm aus wird das LMU- Klinikum in München beliefert. Dabei geht es normalerweise wochentäglich um rund 6400 Essen für Mitarbeiter und Patienten.

Die gesamte Unternehmensgruppe machte 2018 rund 882 Millionen Euro Umsatz, knapp ein Viertel davon entfiel auf Apetito Catering. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor, sie sollen Mitte Juli vorgestellt werden.

Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben schon vor dem ersten Corona-Fall in Deutschland einen Krisenstab eingerichtet, um für den Fall einer Corona-Infektion und mögliche Schließungen vorbereitet zu sein. Die Mitarbeiter würden regelmäßig zu den aktuellsten Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen geschult.

Abseits des aktuellen Falls in Gilching könnte Apetito durchaus auch zusätzliches Geschäft durch die Corona-Krise machen. Auf seiner Homepage bietet das Unternehmen Kliniken und Senioreneinrichtungen bei der Sicherstellung der Essensversorgung in der Krise seine Dienste an. «Eine Systemlösung eignet sich hierbei ideal, auch für kurzfristige Notfallkonzepte», heißt es dort. (dpa)

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