Countdown zum Oktoberfest: Viel Bier, kein Joint und mehr Sicherheit

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Noch wird hinter dem Bauzaun auf dem Wiesn-Gelände geschraubt und gehämmert. Letzte Arbeiten. Ab nächsten Samstag werden die Wiesn-Fans die Bierzelte stürmen. Dann heißt es «Ozapft is» zum Oktoberfest. Millionen Besucher werden bis 6. Oktober zur Wiesn erwartet, die als größtes Volksfest der Welt gilt. Nach den jüngsten mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen in Solingen und München steht die Frage nach der Sicherheit einmal mehr im Fokus.

Wie steht es auf der Wiesn um die Sicherheit?

Gleich vorab: Konkrete Gefährdungshinweise gibt es laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nicht. Die abstrakte Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus sei aber hoch. Die Sicherheitsbehörden seien höchst wachsam, jedem Hinweis werde akribisch nachgegangen. Für die Wiesn gibt es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept: Kontrollen an den Eingängen, ein Verbot für große Taschen, Messer und Glasflaschen, hohe Polizeipräsenz, versenkbare Poller und Beton-Blumenkübel gegen Auto-Attacken.

Als Konsequenz aus jüngsten Taten verschärft die Stadt die Maßnahmen weiter. Bei Kontrollen werden erstmals stichprobenartig und verdachtsabhängig Hand-Metalldetektoren eingesetzt. Laut Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) wird es zudem mehr Ordner geben. Auch die Wirte wollen teils strenger kontrollieren, etwa an den Seiteneingängen der Zelte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der am 21. September das Fest eröffnet, unterstrich, es werde alles getan, um die Wiesn-Gäste zu schützen. 

Darf auf der Wiesn gekifft werden?

Nein. Bayern hat das Kiffen auf Volksfesten und in Biergärten per Landesgesetz verboten. Zwar untersagt das Cannabisgesetz des Bundes das Kiffen in unmittelbarer Nähe von Minderjährigen - faktisch also auf Volksfesten, wo auch Kinder und Jugendliche unterwegs sind. Schausteller hatten dennoch eine Regelungslücke beklagt. Auch die Wiesn-Wirte begrüßen die strikte bayerische Regelung. Sie bringe Klarheit und erspare einen möglichen Disput mit kiffenden Gästen. 

Was kostet das Bier?

Egal, wie der Preis ausfällt - gegrantelt wird immer. Dieses Jahr ein kleiner Aufschrei: Der Preis für die Maß knackt die 15-Euro-Marke. Sie kostet zwischen 13,60 und 15,30 Euro. Dabei bekommt man beim extra nach geheimen Rezepten gebrauten Wiesn-Bier mehr Alkohol fürs Geld: Der Alkoholgehalt liegt bei etwa sechs Prozent. Bisher hielt der Preis die Gäste nicht ab: Über 7,4 Millionen Liter Bier flossen 2023 laut Statistik der Stadt München durch durstige Kehlen. Wer nur den Durst löschen will, muss nicht zur Maß und damit tief in die Tasche greifen. Seit dem Vorjahr gibt es kostenlos Trinkwasser an Brunnen auf dem Gelände. Tafelwasser im Zelt kostet im Schnitt über zehn Euro pro Liter. 

Wie sehen die Preise fürs Essen aus?

Auch hier wird es teurer. Ein Grund ist die höhere Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, die seit Januar wieder von sieben auf 19 Prozent angehoben wurde - den Wert vor der Corona-Pandemie. «Von einer Erhöhung um 15 Prozent muss ausgegangen werden; 12 Prozent entfallen dabei auf die Angleichung der Mehrwertsteuer auf das Vor-Corona-Niveau und drei Prozent auf allgemeine Kostensteigerungen», sagt Co-Wirtesprecher Christian Schottenhamel. Er verweist auf die Bundesregierung: Sie habe ihr Versprechen gebrochen, bei der 7-prozentigen Mehrwertsteuer auf Speisen zu bleiben.

Wie bekommt man einen Platz im Bierzelt?

Die reservierbaren Plätze sind so gut wie weg. Die Wirte vergeben aber nicht alle Plätze. Wer gut zu Fuß ist, stürmt gleich morgens bei der Öffnung des Festgeländes zum Zelt seiner Wahl. Chance für Kurzentschlossene: Seit dem Vorjahr können Gäste, die ihre Reservierung nicht wahrnehmen wollen, diese auf einer Tauschbörse anbieten. Pro Platz müssen die Gäste Verzehrgutscheine kaufen, dazu kommt eine geringe Gebühr. Internet-Graumarkt: Hier werden massiv Kosten aufgeschlagen - und die Plätze sind in Einzelfällen nicht sicher. Verbraucherschützer raten: Finger weg. 

Welches Outfit ist angesagt?

Dirndl und Lederhose gelten als Wiesn-Uniform schlechthin. Beim Dirndl heuer farblich trendy: «Modisches Lila, helles Mint und Salbei, königliches Blau, tiefes Rot, Tannengrün bis hin zu elegantem Schwarz», wie der Geschäftsführer der Trachten-Kette Angermaier, Axel Munz, sagt. Dirndl-Designerin Angelika Zwerenz sieht auch «Lavendel und Flieder»- und hat nach dem Auftritt der Pop-Ikone Taylor Swift «Swiftie-Dirndl» designt. Für den Mann sieht Munz kurze, handgearbeitete Lederhosen in Hirsch und Wildbock «mit aufwendigen Stickereien, vielfach im Vintage-Look». 

Auf dem Weg zum Fest bieten Buden billige Varianten - für alle, die noch rasch in Dirndl und Lederhose schlüpfen wollen. Dieses Outfit hat wenig zu tun mit traditionellen Trachten, die bestimmte Orte kennzeichnen und schon mal einen vierstelligen Betrag kosten. Zu sehen sind sie etwa beim Trachtenumzug am Sonntag nach dem Wiesnstart. 

Was ist neu?

Einige Fahrgeschäfte, etwa das «Hupferl» aus dem Jahr 1987, und der «Holzpfosten Scooter», ein Autoscooter wie in den 1960er und 1970er Jahren. Außerdem: ein 12D-Kino mit «Live dabei»-Gefühl. Erstmals auf der Oidn Wiesn ist - nach erheblichem auch gerichtlichem Hickhack - das Musikantenzelt «Boandlkramerei». Es löst das Herzkasperlzelt ab. Modische Neuheiten: Käppis mit Wiesn-Logo - die vielleicht das Zeug haben, den unverwüstlichen Hut mit Plüschhendl abzulösen. Für den Herrn gibt es Uhrenarmbänder aus Lederhosenleder, die Dame hängt ihre Handtasche an einen Taschenhalter mit Wiesn-Emblem. Erstmals können Fans auch in der Küche von dem Fest träumen - mit Wiesn-Geschirrtüchern. 

Steilwand, Flohzirkus: Welche Attraktionen gibt es außerdem?

Die Steilwandfahrer sorgen für Nervenkitzel pur. In einer Arena mit senkrechten Wänden rasen die Artisten mit ihren Motorrädern im Kreis. Im Flohzirkus gibt es nur wenige Zuschauerplätze, die Darsteller sind ja recht klein: Hier spielen Flöhe Fußball oder ziehen ein Mini-Karussell. Ihre Mahlzeit nehmen sie am Arm des Direktors. Traditionell zur Wiesn gehören die Rutsche Toboggan, die Olympia-Looping-Achterbahn mit fünf Ringen, das Teufelsrad oder das Karussell Krinoline mit Live-Musik, benannt nach dem Reifrock der Damen. Legendär ist das Varieté Schichtl, das täglich mehrfach das Programm «Die Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine» zelebriert - im vergangenen Jahr war es die 15.000ste Köpfung. 

Ist Corona noch ein Thema?

Vermutlich nein - die Infektionen, die im Sommer angestiegen waren, gehen gerade wieder zurück. Allerdings bleibt die Wiesn ein Viren-Superspreader-Event. Regelmäßig geht einige Tage nach der Eröffnung das Gehuste los, in und um München füllen sich die Arztpraxen: Wiesngrippe. In der Enge der Zelte haben Erkältungs - und Coronaviren beste Bedingungen. In den vergangenen Jahren gab es während und kurz nach dem Oktoberfest jeweils in und um München kurze, aber starke Corona-Wellen.

Geht der Wiesn-Besuch auch virtuell?

Nicht nur für Menschen mit einer Viren-Phobie gibt es die Wiesn nun digital. Zum Festbeginn geht das Virtual-Reality-Game «Oktoberfest – The Official Game» des Münchner Studios K5 Factory an den Start, bei dem Gäste als Avatare mit VR-Brille das Volksfest besuchen. Auch die Münchner Inklusionsinitiative vr4kids bietet erstmals einen virtuellen Wiesn-Besuch. Die Kinder Felix und Leah laufen über die Wiesn, fahren Riesenrad und nehmen ihre Gäste mit - etwa behinderte oder kranke Kinder, aber auch Ältere, die es nicht mehr aufs Fest schaffen. Leah erzählt in Gebärdensprache. 

Wie nachhaltig ist die Wiesn?

Ein Energiesparevent ist das Fest nicht. Die Wirte der großen Zelte haben sich dennoch das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2028 oder sogar 2026 klimaneutral zu werden. Im Vorjahr begannen sie dazu, ihren CO2-Verbrauch zu ermitteln. Essens-Abfälle wurden teils gemessen, um das Angebot auf den Tellern anzupassen. Seit langem fließt Ökostrom, Bierkrug-Spülwasser wird für Toiletten genutzt. Es gibt immer mehr vegetarische und vegane Gerichte. 

Die Frage, ob die Wiesn nur mit Bio-Produkten möglich wäre, hatten Wirte bisher abschlägig beurteilt, auch wegen der höheren Preise für Gäste. Nun wollen sie die Bio-Frage vorantreiben und kooperieren dazu mit Öko-Bauern. Zunächst wird analysiert, wie und wo Bio-Produkte sinnvoll einzusetzen sind und ob es ausreichende Mengen gibt; in den Folgejahren soll mehr Bio auf den Teller kommen. Die Erfahrungen mit Bio-Produkten seien unterschiedlich. «Wir sind Unternehmer und werden uns immer danach richten, was die Gäste wünschen», sagt Wirtesprecher Peter Inselkammer. (dpa)


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