DEHOGA NRW lehnt Pauschalverbot von Karnevalsveranstaltungen ab

| Gastronomie Gastronomie

Der DEHOGA Nordrhein-Westfalen sieht ein pauschales „Karnevalsverbot“ zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch:

"Wir sehen die gesundheitlichen Gefahren der Pandemie. Wir erleben die wirtschaftlichen Auswirkungen jeden Tag. Und wir müssen dem Gesundheitsschutz weiterhin oberste Priorität einräumen. Trotzdem müssen Verbote immer am Ende einer Diskussion stehen, nicht am Anfang. Davor gibt es über Hygiene- und Abstandsmaßnahmen andere Möglichkeiten, Infektionsrisiken zu minimieren, damit die Gesundheit zu schützen und Betriebe nicht in ihrer Existenz zu gefährden. Unsere Diskussionen fangen jetzt immer mit Verboten an“, kritisiert Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen.

Niemeier verweist auf Zahlen des WDR, die sich auf das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen beziehen, nach denen lediglich sechs Prozent der Infektionen Restaurant- oder Veranstaltungsbesuchen im Gastgewerbe zuzuordnen sind, 33 Prozent dagegen dem privaten Umfeld.

„Ich glaube darüber hinaus auch, dass es aus Infektionsgesichtspunkten sinnvoller ist, Veranstaltungen von Profis aus dem Gastgewerbe durchführen zu lassen als von „privaten“ Gastgebern zuhause im Keller, im Park oder auf dem Balkon. Wer Abstände und Hygiene organisieren kann, muss veranstalten dürfen. Das gilt auch für Karneval“, so Niemeier. Wie man Verbote umgehen kann, zeigt der Umgang mit Reiserückkehrern, die momentan den größten Anteil der Infizierten ausmachen. „Denkt jemand ernsthaft über Reiseverbote nach, obwohl das Infektionen mit Sicherheit am ehesten eindämmen könnte? Nein. Dafür wird mehr getestet, und das ist auch gut so. Aber vielleicht müsste noch mehr und verpflichtend getestet werden, um die Risiken hier zu reduzieren, bevor an anderer Stelle über Verbote nachgedacht wird“, so Niemeier.

Auch wenn eine Ausweitung der Pandemie mit einem zweiten Lockdown und der Schließung aller Betriebe das schlimmste Szenario für die Branche wäre, müssen nach Meinung des Hotel- und Gaststättenverbandes weitere Einschränkungen trotzdem immer genau auf ihre Verhältnismäßigkeit und damit auch auf ihre wirtschaftlichen Auswirkungen überprüft und dürfen nicht leichtfertig verhängt werden.

„Die Branche ist immer noch mit den verheerenden Auswirkungen der Corona-Krise konfrontiert. Gastronomen und Hoteliers in Nordrhein-Westfalen gehen davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr über 50 Prozent niedriger ausfallen wird als im letzten Jahr. Mehr als zwei Drittel sehen sich existenziell bedroht. Jedes pauschale Verbot von Veranstaltungen oder jetzt des Karnevals würde die wirtschaftliche Schieflage noch einmal verschlimmern. Das gilt für die Hochburgen am Rhein, aber auch für andere Teile von NRW. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und nähern uns so einem Teil-Lockdown.“

Unabhängig davon, dass der DEHOGA Nordrhein-Westfalen pauschale Verbote von Veranstaltungen ablehnt, sieht er die Branche und ihre Gäste weiterhin natürlich in der Pflicht, ihren Beitrag zur Reduzierung von Infektionen zu erbringen. Aus diesem Grund hat er gestern die Aktion „Mit Sicherheit gut ausgehen“ gestartet. Die Motive greifen unter dem Motto "Ein AHA-Erlebnis in der Gastronomie" die drei Regelungsbereiche (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) sowie den Bereich der Kontaktdatenerfassung auf. "Wir möchten trotz des Ernstes der Lage mit einem zwinkernden Auge auf die Pflichten eines jeden Einzelnen hinweisen und appellieren an alle Gastronomen, Beschäftigte und Gäste, sich für die Einhaltung der Regeln stark zu machen", formuliert Bernd Niemeier. „Wir sitzen alle in einem Boot. Gastronomie zu Corona-Zeiten geht nur zusammen.“ 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Internationale WM-Gäste sorgen in nordamerikanischen Restaurants für Debatten über Trinkgeldregeln. Viele Betriebe reagieren mit automatischen Servicegebühren auf ausbleibende Zahlungen.

Die Gastronomie-Marke Kneipe 80 plant eine Tournee durch Deutschland und Österreich. Dabei ergänzen neue Standorte und diverse Gastspiele bei Großveranstaltungen das bisherige Portfolio des Konzeptgebers Marc Uebelherr.

Zwei-Sterne-Koch Daniel Gottschlich plant für 2028 die Eröffnung eines zweiten Restaurantkonzepts. Das neue Projekt soll unabhängig vom Ox & Klee betrieben werden und nach Unternehmensangaben Kulinarik, Technologie und Inszenierung zu einem immersiven Gastronomieerlebnis verbinden.

Casualfood nimmt am Flughafen Düsseldorf den ersten Slim Chickens Standort an einem deutschen Airport in Betrieb. Das Konzept ergänzt das gastronomische Portfolio des Flughafens um ein weiteres internationales Angebot.

Superschmarrn erweitert sein Filialnetz und will im Juli 2026 einen fünften Standort am Friedensplatz in Bonn eröffnen. Hinter dem Gastronomiekonzept stehen die Gastronomen Gunilla und Thomas Hirschberger, die unter anderem als Gründer der Marken Sausalitos und Hans im Glück bekannt sind.

Mit deutlichen Worten kritisiert Jürgen Dollase die Präsentation der Michelin-Sterne 2026. Sein Kommentar richtet sich sowohl gegen den Ablauf der Veranstaltung als auch gegen die Ausrichtung des Guide Michelin.

Die Sommelier-Union Deutschland blickt auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurück und bestätigt im Rahmen des Sommelier-Campus die Vereinsführung um Präsidentin Yvonne Heistermann.

Applaus, Emotionen und strahlende Gewinner: Bei der Verleihung des Michelin Guide Deutschland 2026 traf sich die Spitze der deutschen Gastronomie. Unsere große Bildergalerie zeigt die schönsten Momente des Abends.

Mit der Verleihung von drei Michelin-Sternen gehört das L.A. Jordan in Deidesheim zur Spitzengruppe der ausgezeichneten Restaurants. Veröffentlicht wurden nun auch Auszüge aus den Bewertungen der Michelin-Inspektoren zu mehreren Menügängen.

Der Michelin Guide Deutschland 2026 umfasst insgesamt 339 Sterne-Restaurants im gesamten Bundesgebiet. Das Restaurant L.A. Jordan in Deidesheim steigt als Neuzugang in die Drei-Sterne-Kategorie auf, während vier Betriebe zwei Sterne erstmals erhalten.