FCSI Convention 2023: mehr Mensch, mehr Community, mehr Kommunikation

| Gastronomie Gastronomie

Eine große Convention war angekündigt und es wurde ein fulminantes Event im legendären Clärchens Ballhaus: Der FCSI Deutschland-Österreich lud seine Mitglieder, Förderer und Freunde in der vergangenen Woche nach Berlin – rund 140 Teilnehmer folgten der Einladung. Das Motto des viertägigen Programms versprach „Eine verrückte Welt in einer verrückten Stadt” – und das Versprechen wurde mit einem kompetent besetzten Fachkongress, einem „World Café”-Projektworkshop und spektakulären Abendveranstaltungen auf vielfältige Weise eingelöst. Netzwerken fand tagsüber in kommunikativen Pausen wie abends der aus der Serie Babylon Berlin bekannten Bar Tausend sowie im Käfer Dachgarten-Restaurant im Reichstag statt. Die Mitgliederversammlung erteilte dem Vorstand den Auftrag, die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fortzusetzen.  

Erneut verband der FCSI Deutschland-Österreich seine jährliche Mitgliederversammlung mit einer anspruchsvollen Konferenz, bei der die Zukunftsthemen der Branche mit Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen diskutiert wurden. Der „FSCI Stammtisch – special edition Berlin” versammelte Experten aus den Bereichen New Work, Gaming/E-Sports und Metaverse auf der Bühne, außerdem die Macher der gastronomischen Erfolgskonzepte Frea, Jasmin Suchy und Goldies, Vladislav Gachyn, sowie Markenstratege Maximilian Schulz. Sie analysierten in Keynotes, Interviews und Panels die Botschaften, die vor allem die junge Generation immer nachdrücklicher an die Hospitality sendet: mehr Mensch, mehr Community, mehr Kommunikation und Nachhaltigkeit sind die Schlüssel für künftige Erfolge!

Endlose Spielwiese Metaverse im Internet 3.0

„Die Menschen gehen dorthin, wo sie ihre Freunde treffen und es ein Gefühl der Gemeinschaft gibt”, erklärte Charles Neuner, Teil des Team Metaverse Technologies bei PwC, London, den Zuhörern die für viele noch unbekannte Welt. „Die Art, wie man im Metaverse vielfältige Erfahrungen machen kann, fasziniert seine Community. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist einfach exponentiell größer als in der analogen Welt: eine endlose Spielwiese, auf der man unterschiedlichste Dinge mit anderen Menschen erleben kann, ohne den Schreibtisch zu verlassen. Diese Verschmelzung der Welten ist das wirklich Spannende – auch für die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen.”

Mut wird belohnt

Henning Semrau unterstützt mit seiner Berliner Agentur Instinct 3 Unternehmen beim Influencer-Marketing in der Gaming-Szene. Er berichtete, wie das von ihm mitgegründete E-Sports-Team Eintracht Spandau nicht nur mit sportlicher Leistung, sondern auch mit zielgruppengerechtem Storytelling eine wachsende Fan-Gemeinde analog und digital begeistert: „Bei E-Sports-Events füllen bis zu 70.000 junge Leute ein Stadion, die den Teams beim Counter Strike Spielen zusehen”, nannte Semrau ein Beispiel für erfolgreiche Markenaktivierung in diesem Umfeld. „Unser Kunde DHL positioniert sich hier als internationaler Logistikpartner, indem Paketboten Codes für virtuell gekaufte Produkte an die Kunden ausliefern. Das ist mutig für ein eher konservatives Unternehmen, trifft den Nerv der Zielgruppe und wird mit viel positivem Feedback belohnt: die Community bedankt sich buchstäblich bei den Werbetreibenden dafür, dass sie über E-Sports aktiv sind. Wo gibt es das sonst?”

Neues Mindset: der Mensch im Mittelpunkt

Eine solche Begeisterung auch bei Mitarbeitern auszulösen, ist ein Herzensanliegen für Nora Fleischhut. Die Expertin für New Work und Design Thinking mahnte ein „neues Mindset” an, bei dem der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. „Arbeit ist heute für die wenigsten Menschen etwas, das sie wirklich erfüllt und ihnen Energie gibt. Wir müssen Arbeit deshalb neu denken, damit wir am Abend aufrechter und gestärkter nach Hause gehen als wir am Morgen gekommen sind.” Alle drei Speaker waren sich einig, dass es darum gehe, Brücken zwischen den Welten zu bauen, durch mehr Austausch zwischen den Interessen, Neugierde zu wecken und die Zukunft zu gestalten. Die Gastronomie sei der perfekte Ort, Menschen zusammenzubringen und großartige Erlebnisse zu ermöglichen.

Botschaften verbreiten sich digital

Am Nachmittag beeindruckten zwei junge Gastro-Unternehmer das Publikum mit ihrem Unternehmergeist. Jasmin Suchy führt mit dem veganen Zero Waste-Konzept Frea eines der nachhaltigsten Restaurants in Deutschland. Vladislav Gachyn verließ das Drei-Sterne-Restaurant Aqua, um Berlins einzigartige Pommesbude Goldies zu eröffnen. Authentizität und Transparenz gehören für beide zu ihrem Erfolgsrezept: „Wenn du über etwas sprichst, musst du es auch leben, ohne klischeehaft zu sein”, unterstrich Suchy den Anspruch, der gerade für Nachhaltigkeitsthemen heute mehr denn je gilt. „Ich muss mich damit identifizieren, was ich tue. So kann ich die Message am besten transportieren.” Die Außendarstellung via Social Media sei heutzutage unverzichtbar, ganz im Gegensatz zu Außenwerbung am Geschäft: „Das ist nicht mehr notwendig, wenn sich die Botschaft über das was und wie wir es tun, über Netzwerke wie Instagram und YouTube verbreitet.”

Fußabdruck in der Popkultur

Unverzichtbar für nachhaltigen Erfolg ist hingegen ein kompromissloser Qualitätsfokus, wie ihn Vladislav Gachyn formuliert: „Wir wollen schlechtes Essen gut machen!” Mit seinem Partner Kajo Hiesl ist er angetreten, ihre Erfahrungen aus der Sterneküche auf einfache Gerichte zu übertragen. Das gelingt so gut, dass vor seinen aktuell drei Goldies-Imbissen regelmäßig 40-60 Menschen Schlange stehen, um einen der berühmten „Smashburger” in den Händen zu halten. „Wir machen einfach jeden McDonald’s-Burger nach, nur in besser. Unser Ziel? Einen Fußabdruck in der Popkultur hinterlassen.”

Emotionalisierung funktioniert nur über Storytelling

Branding- und Kommunikationsexperte Max Schulz, Inhaber der Agentur Easton Hunter, ergänzte seine Erfahrungen als Schöpfer innovativer Barkonzepte und Storytelling-Events: „Es geht darum, Atmosphären zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen, um darin die passenden Produkte zu präsentieren. Jedes Produkt braucht eine wahrhafte Erzählung, die seine Grundwerte aufgreift und beim Konsumenten Gefühle auslöst. Emotionalisierung funktioniert nur über gute Geschichten.” Auch Bars arbeiteten zunehmend mit nachhaltigen Methoden, die bei Konzept-, Küchen- und Barplanung deshalb von Anfang an mitgedacht werden müssen, so der Experte.

 Vorstand vollständig wiedergewählt

Die Jahreshauptversammlung des Planer- und Beraterverbands bestätigte die bisherigen Vorstände und Beiräte in ihren Ämtern. Frank Wagner bleibt Präsident, sein Vize ist Michael Neuner, die Kasse führt weiterhin Ruven Eichert. Unterstützt werden sie von den Beiräten Alexander Hofer (Marketing), Bettina von Massenbach (Presse & Öffentlichkeit), Pierre Nierhaus (New Business), Thomas Mertens (Digitales), Goetz Braake (Wissen & Bildung) und Christian Meissner als Ansprechpartner für die Professionellen Mitglieder. Die Interessen der Förderpartner vertreten auch in Zukunft Dietmar Krämer (Melitta) und Patrick Hoffmann (Meiko/Meiko Green). Als neuer Beirat wurde Jörg Holdenried für den Bereich Netzwerke & Verbände berufen.

Mehr Sichtbarkeit, jüngeres Erscheinungsbild

Zu den strategischen Zielen der Vorstands- und Beiratsarbeit für das Jahr 2024 zählen unter anderem die Weiterentwicklung und Vereinheitlichung der Mitgliederstruktur und die Gewinnung vor allem jüngerer Professionals für den Verband – was unter anderem durch eine neue Werbe- und Kommunikationskampagne sowie ein frischeres Erscheinungsbild erreicht werden soll. Der Ausbau der Kooperationen mit der Deutschen Hotelakademie sowie den Hotelfachschulen in Hamburg und Heidelberg soll ebenso vorangetrieben werden wie die Reichweite und der Stellenwert von FCSI-Formaten, darunter der wöchentliche Online-Freitagstalk, der FCSI Stammtisch und lokale Netzwerktreffen. Die Digitalisierung der Hospitality-Branche unterstützt der FCSI darüber hinaus maßgeblich als einer der Initiatoren des neuen HOOSY-Zertifikats für HoReCa-Unternehmen.

Lebendige Verbandsarbeit

Über die zahlreichen verbandsinternen Projekte konnten sich die Mitglieder im Rahmen der Convention beim KoKoKo-World Café intensiv informieren und Input leisten. An zehn Tischen wurde jeweils ein Thema vorgestellt, zu dem die Teilnehmer sich austauschen und ihre Ideen einbringen durften. „Das World Café ist ein interaktives Format, das die Menschen in Prozesse einbezieht und eine lebendige Verbandsarbeit ermöglicht”, erklärte Nora Fleischhut, die den FCSI seit zwei Jahren bei der Verbesserung von Kommunikation, Kollaboration und Kooperation (KoKoKo) begleitet. Diskutiert wurden unter anderem die Weiterentwicklung der verbandseigenen App, Beiträge zur Modernisierung der Ausbildung oder auch die Unterstützung von inklusiven Arbeitsplatzlösungen in der Hospitality-Industrie. „Es ist sehr viel Wertvolles zusammengekommen, das wir in die Vorstandsarbeit integrieren wollen, um den Verband stärker zu machen”, resümierte Initiator Goetz Braake zufrieden.

Alles ist im Wandel

Abgerundet wurde das Conventionprogramm von Ausflügen in die Berliner Gastronomie, darunter die legendäre Bar Tausend und das Käfer Dachgartenrestaurant. Als besonderes Highlight bildeten ein Frühstück im „Kaisersaal” des ehemaligen Esplanade-Hotels, heute Teil des Restaurants Frederick’s, und ein Besuch im Manifesto Market den gelungenen Abschluss.

FCSI-Präsident Frank Wagner ist mehr als zufrieden mit der Convention 2023: „Die Veranstaltung war locker, abwechslungsreich und gut besucht. Es war wunderbar, so viele Menschen zu treffen und sich über die Zukunft auszutauschen! Die wichtigste Botschaft der Konferenz ist, dass alles im Wandel ist, dass es immer weitergeht und dass es für Essen und Trinken glücklicherweise immer noch keinen digitalen Ersatz gibt. Man muss dafür proakiv an Orte gehen und diese wollen wir als FCSI Deutschland-Österreich auch in Zukunft mitgestalten!”


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten beim "Burger Dialog" in einem Berliner McDonald's Restaurant über die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement von rund 27 Millionen Menschen in Deutschland.

60 Seconds to Napoli eröffnet im Juli ihren zweiten Standort in München. Wie die Gustoso Gruppe mitteilt, entsteht das neue Restaurant in der Hohenzollernstraße 11 in Schwabing, wo zuvor ein Betrieb der Marke Cotidiano ansässig war. 

Die Unternehmensgruppe Lerch Genusswelten hat das Restaurant und die Eventlocation „Die Villa“ in Biberach eröffnet. Das Gebäude aus dem Jahr 1915 wurde in den vergangenen Monaten saniert und für die gastronomische Nutzung umgebaut.

«In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh'n, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh'n.» So lautet der Refrain eines DDR-Schlagers von 1969. Für das legendäre Lokal gibt es nun ein Comeback.

Die niederländische Gastronomiemarke Zusje plant einen zweiten Standort in Deutschland. Wie das Unternehmen mitteilt, soll das neue Restaurant Ende Juli 2026 im Andreas Quartier in Düsseldorf eröffnen. Der Standort befindet sich an der Mühlenstraße 32 in der Düsseldorfer Altstadt.

Der Gründer der Bewegung Slow Food, Carlo Petrini, ist tot. Wie die Organisation Slow Food mitteilte, starb Petrini am 22. Mai 2026 im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren.

Der französische Sternekoch Guy Savoy ist als erstes Mitglied aus der Gastronomie in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen worden. Mit der Aufnahme des 72-Jährigen gehört erstmals ein Koch der traditionsreichen französischen Kunstakademie an.

Balthasar Ress und die Kuffler Gruppe betreiben jetzt gemeinsam die Ress & Rosso Weinlounge am Opernplatz in Frankfurt am Main. Das Angebot befindet sich direkt vor der Fassade der Alten Oper, gegenüber dem Eingang des Café Rosso.

Fahrdienstleister Uber ist an einer Komplettübernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero interessiert. Das Unternehmen bestätigte ein Interesse durch den US-Konzern, der bereits ein Fünftel der Anteile hält und Zugriff auf weitere Aktien hat.

Musik vom Plattenteller, wohlige Atmosphäre, entspannter Hörgenuss. Immer mehr Listening-Bars öffnen, scheinen einen Nerv zu treffen. Draußen «ballert der Alltag», drinnen kommt man gemeinsam runter.