Gastro-Sperrstunde in «Hotspots» in NRW

| Gastronomie Gastronomie

Mit schärferen Kontaktbeschränkungen als von Bund und Ländern vereinbart will Nordrhein-Westfalen gegen den sprunghaften Anstieg der Corona-Infektionen kämpfen. Für die Gastronomie wird in allen Kommunen mit hohen Neuinfektionszahlen eine Sperrstunde zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr eingeführt. Die neuen Regeln sollen am Samstag in Kraft treten und gelten zunächst bis Ende Oktober. Das beschloss das Landeskabinett am Freitag.

«Der Schlüssel zum Erfolg gegen die zweite Welle ist die deutliche Reduzierung von sozialen Kontakten», sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach einer Schalte mit den Oberbürgermeistern und Landräten. Er warnte eindringlich vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus. «Im Umgang mit der Corona-Pandemie geht es auch in diesen Tagen ums Ganze», sagte der Bewerber um den CDU-Vorsitz. «Wir haben heute die höchsten Zahlen überhaupt in diesem Jahr.» Das Virus breite sich besonders da aus, wo Menschen auf engstem Raum zusammenlebten. Auch die Zahl der schweren Krankheitsverläufe habe wieder zugenommen.

Laschet sprach von einer «Jahrhundertpandemie». Noch gebe es kein Medikament und keinen Impfstoff gegen Corona. Aus den stark steigenden Infektionszahlen dürften keine stark steigenden Zahlen in Krankenhäusern und Intensivstationen werden. Aber ein Lockdown mit Schul- und Kitaschließungen und dem Herunterfahren der Wirtschaft wie im Frühjahr müsse «mit aller Kraft» verhindert werden.

KONTAKTE: NRW bleibt bei seinen strengen Kontaktbeschränkungen. Abweichend von gemäßigteren Empfehlungen der Bund-Länder-Konferenz dürfen sich in NRW weiterhin nur maximal zehn Personen im öffentlichen Raum treffen - unabhängig von der Infektionslage. Die Bund-Länder-Einigung vom vergangenen Mittwoch sieht eine Beschränkung auf zehn Personen erst vor, wenn die Zahl der Neuinfektionen in einer Kommune auf 50 pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen steigt. In NRW dürfen sich bei Erreichen dieser 50er-Warnstufe schon seit vergangenem Montag außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.

Ausgenommen sind Beerdigungen: Bei ihnen gilt auch bei erhöhten Inzidenzwerten keine feste Personenobergrenze, dafür aber eine Maskenpflicht. Sonderregeln gibt es auch für standesamtliche Trauungen. Ob Weihnachtsgottesdienste gefeiert werden können, dazu könne man derzeit noch nichts sagen, so Laschet.

PRIVATBEREICH: In den privaten Raum – also das eigene Haus samt Garten oder die eigene Wohnung – greift die schwarz-gelbe Landesregierung nach wie vor nicht ein. Sie empfiehlt aber dringend, Kontakte und private Feiern zu reduzieren und möglichst infektionssicher zu gestalten.

SPERRSTUNDE: Die Sperrstunde zwischen 23.00 und 6.00 Uhr gilt in Kommunen mit 50 oder mehr Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb sieben Tagen. In der Zeit müssten alle gastronomischen Betriebe schließen. Alkohol darf dann auch an Tankstellen und Kiosken nicht mehr verkauft werden Düsseldorf und Köln hatten in dieser Woche bereits Sperrstunden zwischen 1.00 und 6.00 Uhr morgens eingeführt.

NRW setzt mit dem Kabinettsbeschluss landesweit eine Bund-Länder-Einigung um, die die Ministerpräsidenten in dieser Woche mit der Bundeskanzlerin erzielt hatten. In Köln klagt jetzt ein Gastwirt gegen die Sperrstunde, wie eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts sagte. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte am Freitag erklärt, die Sperrstunde in Berlin halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand.

CORONA-ZAHLEN: Nach Angaben des Landeszentrums für Gesundheit wurden am Freitag in NRW im Vergleich zum Vortag 2154 mehr Infizierte gemeldet. Aktuell seien damit 14 400 Menschen in NRW nachweislich infiziert. Auch Bielefeld und Bonn gehören jetzt zu den Risikogebieten, die die 50er-Warnstufe überschritten haben. Neben zahlreichen Großstädten im Rheinland und in Westfalen gilt inzwischen fast das gesamte Ruhrgebiet als Risikogebiet. Von den 18 Millionen Einwohnern in NRW lebten bereits 13 Millionen in einer Region mit mindestens 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner im Sieben-Tage-Zeitraum, sagte Laschet.

KONTAKTNACHVERFOLGUNG: In den NRW-Gesundheitsämtern fehlen nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) aktuell rund 2300 Menschen zur Verfolgung von Corona-Kontaktketten. Derzeit seien rund 2200 Beschäftigte mit der Aufgabe befasst. Nötig wären dafür allerdings etwa 4500 Leute. Auch wenn derzeit überall in den Verwaltungen Personal umgeschichtet werde, bleibe eine Lücke von rund 1000 Menschen. Deshalb solle versucht werden, weitere Reserven zu mobilisieren - etwa mit befristeten Einstellungen mithilfe von Landeshilfen.

FESTE: Bei einer Inzidenz von 35 oder mehr Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen dürfen an Festen aus herausragendem Anlass außerhalb der eigenen vier Wände höchstens 25 Personen teilnehmen. Das gilt ab Montag (19. Oktober). Bei einer Inzidenz von 50 sind nur noch höchstens zehn Teilnehmer erlaubt.

SCHULEN: Zurückhaltend zeigte sich Laschet bei der Frage, ob in den NRW-Schulen wieder eine Maskenpflicht im Unterricht eingeführt werde. Noch seien ja Herbstferien, sagte er. Einen Beschluss dazu gebe es noch nicht. «Wir sind noch im Gespräch.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Gastro-Marke Gustavo Gusto hat, gemeinsam mit dem Automatenhersteller Stüwer, ein neues Vertriebsmodell vorgestellt. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der sogenannte „Gustavomat“ als automatisierter Pizzaautomat künftig den Verkauf von Tiefkühlpizza rund um die Uhr ermöglichen.

Nach dem angekündigten Markteintritt von Taco Bell werden erste konkrete Ausbaupläne bekannt. Laut Medienberichten sind unter anderem mindestens 15 Standorte in Bayern vorgesehen.

Die Burgermeister-Gruppe hat nach eigenen Angaben mit der Eröffnung ihres 30. Standorts einen weiteren Expansionsschritt vollzogen. Der neue Betrieb befindet sich in München und wurde am 12. April 2026 in der Türkenstraße eröffnet, wie das Unternehmen mitteilt.

Wie Restaurantbetreiber die Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro 2026 in ihrer Preiskalkulation richtig berücksichtigen – mit konkreten Methoden, Faustregeln und Kommunikationstipps für faire Preise.

Im Wuppertaler Luisenviertel bietet das Restaurant „Al Moudyaf“ nach Berichten von Talzeit und Bild regelmäßig kostenlose Mahlzeiten für Bedürftige an. Betreiber Ahmad Daoud bewirtet demnach auch Gäste ohne Geld und stellt ihnen eine Speisekarte ohne Preise zur Verfügung.

Bei den Halbfinals des Rudolf Achenbach Preises 2026 sind nach Angaben der Veranstalter insgesamt sechs Nachwuchsköche für das Finale ermittelt worden. Die Wettbewerbe fanden in Düsseldorf, Fulda und Osnabrück statt. Insgesamt 24 Auszubildende nahmen daran teil, nachdem sie zuvor aus mehr als 70 Bewerbern ausgewählt worden waren.

Das Maschseefest 2026 in Hannover startet in diesem Jahr bereits am 22. Juli mit angepassten Öffnungszeiten. Die Veranstalter präsentieren zudem eine neu besetzte Foodmeile mit zusätzlichen kulinarischen Konzepten.

Es darf gezapft und gefeiert werden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Was macht die große Sause auf dem Cannstatter Wasen in diesem Jahr besonders? Und wann lohnt ein Besuch?

Die Jugendherberge moun10 in Garmisch-Partenkirchen stellt als erstes Haus des bayerischen Landesverbands ihre Verpflegung komplett auf vegetarische Kost um. Die Umstellung ist Teil einer übergeordneten Strategie des Jugendherbergswerks.

Die Münchner Traditionsgaststätte Preysinggarten in München Haidhausen hat vor wenigen Wochen unter neuer Führung wieder eröffnet. Das Restaurant wird nun vom Gastronomieunternehmen Kull & Weinzierl betrieben. Francisco Corcoba und Julian Plochberger verantworten Konzept und Küche.