Größere Restaurants in Berlin warten mit Preiserhöhung wegen Mehrwertsteuer

| Gastronomie Gastronomie

Vor allem einige größere und bekanntere Restaurants in Berlin geben die seit dem 1. Januar wieder geltende höhere Mehrwertsteuer von 19 Prozent für Speisen im Lokal bislang nicht an ihre Gäste weiter. «Wir haben unsere Karte noch nicht geändert», sagte etwa Jörn Brinkmann, Geschäftsführer der Ständigen Vertretung (StäV), einem besonders bei Touristen beliebten Restaurant mit rheinischer Küche in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße.

Auch im Drehrestaurant in der Kugel des Berliner Fernsehturms gibt es bisher keine Preisänderung. «Wir haben die Erhöhung entsprechend in unserem Budget berücksichtigt und möchten die Mehrkosten durch eine Erweiterung unseres Speisenangebotes zum Beispiel in unserer neuen Sphere Bar kompensieren», teilte das Restaurant auf Anfrage mit.

Die Berliner Burgerkette Burgermeister hält die Preise für ihre Speisen bisher ebenfalls stabil. «Burgermeister hat als Konzept ohnehin ein großes Lieferdienst- und Take-Away-Geschäft, weshalb die Erhöhung uns nicht in dem Maße trifft, wie eventuell andere klassische Gastronomen», sagte Betriebschef Leander Brune. «Wir versuchen auch durch die laufende Expansion, an den Einkaufspreisen und der ständigen Optimierung unserer internen Arbeitsabläufe den Preis für den Kunden stabil zu halten – das gelingt uns bisher sehr gut.»

In der StäV verweist Geschäftsführer Brinkmann vor allem auf die hohen Kosten, die eine Änderung der aufwendig gestalteten Speisekarten bedeuten würde. Bis zu 5000 Euro müsste er demnach aufwenden, um einen neuen Satz zu erstellen. «Wir haben deshalb überlegt, dass wir die Karte erst im Februar oder März wechseln», sagte er. Dann könnten sich durchaus auch die Essenspreise erhöhen.

Insbesondere größere, bei Touristen beliebte Häuser hätten es dabei aber leichter. «Für Engländer, Spanier oder Franzosen sind wir ohnehin schon nicht sehr teuer. Und im Urlaub sitzt der Geldbeutel meist lockerer», betonte Brinkmann.

Repräsentativ für Berlin sind die Aussagen der Restaurantbetreiber allerdings nicht. Kleinere Kiezrestaurants, die vor allem auf ihre Stammkunden aus der Gegend angewiesen sind, könnten es durchaus schwerer haben, sagte Brinkmann von der StäV. Wenn sich dort die Preise erhöhten, kämen die Gäste möglicherweise deutlich seltener.

Um die Branche während der Coronakrise zu entlasten, hatte die Bundesregierung Mitte 2020 die Mehrwertsteuer für Restaurantspeisen auf sieben Prozent gesenkt. Die Ampelkoalition verlängerte die Maßnahme mehrfach, unter anderem wegen der Folgen der Energiekrise und der hohen Inflation. Seit Anfang des Jahres gilt aber wieder der volle Steuersatz von 19 Prozent. Bei Bringdiensten und Essen zum Mitnehmen bleibt es dagegen beim ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent für Speisen.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hatte über Monate versucht, die Erhöhung zu verhindern und fürchtet weiterhin gravierende Folgen für die wirtschaftlich angeschlagene Branche. «Unverständnis und Empörung in der Branche sind nachvollziehbar nach wie vor groß», teilte der Verband am Freitag mit. «Die Steuererhöhung um zwölf Prozentpunkte ist ein massiver Kraftakt für unsere Branche und Steuerfairness sieht definitiv anders aus.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Nach fünf Jahren Planung und Sanierung ist der Berggasthof Streichen im Chiemgau wieder geöffnet. Das Haus bietet 90 Plätze im Gasthof, 140 Sitzplätze im Biergarten und elf Gästezimmer; neuer gastronomischer Partner ist Augustiner-Bräu.

Nach wochenlangem Hickhack ist nun auch die Vergabe für ein letztes Wiesnzelt geklärt: Der Gastronom Klaus Bartl bekommt doch noch sein Wiesnzelt – und muss jetzt im Rekordtempo aufbauen. Der Grundsatzstreit um die Zeltvergabe ist dennoch nicht beigelegt.

Das Berliner Hotel Luc ersetzt sein bisheriges Gastronomiekonzept Heritage durch das neue Angebot You. Das Restaurant und Bar-Konzept soll künftig flexibler auf urbane Gästeanforderungen reagieren.

YouLend und Just Eat Takeaway.com haben eine Zwischenbilanz ihrer Kooperation vorgelegt. Seit dem Start der Partnerschaft im Jahr 2022 wurden demnach europaweit Finanzierungen in einer Gesamthöhe von mehr als 150 Millionen Euro an Gastronomiebetriebe vermittelt.

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Adults-only-Gastronomie – und würde lieber ihren Vierbeiner mitnehmen als den Nachwuchs des Tischnachbarn zu tolerieren. Die Zustimmung zu Angeboten nur für Erwachsene unterscheidet sich der Umfrage zufolge deutlich nach Altersgruppen.

Klagen, Rücktritte, geplatzte Träume: Ein Münchner Wirt sorgt für Wirbel auf dem Oktoberfest. Was steckt hinter dem überraschenden Rückzug – und wer könnte profitieren?

Der Dehoga Bayern hat die Sieger des Wettbewerbs zum Lieblingsbiergarten 2026 bekannt gegeben. Mehr als 16.300 Gäste stimmten über insgesamt 72 teilnehmende Betriebe in drei Größenkategorien ab.

Mitchells & Butlers hat in der Augsburger Innenstadt eine neue Filiale ihrer Marke Alex eröffnet. In die Zusammenlegung und den aufwändigen Umbau der zwei ehemaligen Gewerbeflächen investierte das Unternehmen rund 1,7 Millionen Euro.

Wenige Wochen vor dem Oktoberfest muss die Stadt München kurzfristig einen neuen Betreiber für die Fläche der Münchner Stubn finden. Nach dem Rückzug von Alexander Egger läuft die Suche unter engem Zeitplan – ein möglicher Nachrücker steht bereits im Fokus.

Ministerpräsident Boris Rhein und DEHOGA Hessen haben in Bensheim die besten Dorfgasthäuser Hessens 2026 ausgezeichnet. Beide hoben die Bedeutung der Betriebe als Treffpunkte, Arbeitgeber und Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens in ländlichen Regionen hervor.