Nachhaltiger Lieferdienst – Wie lässt sich ein solches Konzept umsetzen?

| Gastronomie Gastronomie

Lieferdienste feierten in den Phasen des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie eine Hochkonjunktur. Auch nach der Wiedereröffnung der Gastronomiebetriebe hielt dieser Trend an. Mittlerweile werden die Geschäfte unter anderem durch die Inflation belastet. Neugründer sollten sich daher vor dem Beginn Ihres Vorhabens ein zukunftsfähiges und vor allem individuelles Konzept überlegen. Unter anderem kann dabei das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen. Welche Vorteile haben solche Konzepte und worauf sollte bei der Planung geachtet werden?

Vorteile eines nachhaltigen Lieferdienstes

Ein nachhaltiger Lieferdienst hat eine ganze Reihe von Vorteilen, die starke Argumente dafür liefern, eine entsprechende Idee ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Dazu gehören unter anderem:

  • der eigene Beitrag zum Schutz der Umwelt,
  • eine wachsende Käufergruppe
  • sowie womöglich ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Beitrag zum Schutz der Umwelt

Der aus moralischer Sicht wichtigste Vorteil ist der Beitrag, den ein solches Unternehmen zum Schutz der Umwelt leistet. Dabei ist vor allem ein Einbremsen des Klimawandels von großer Bedeutung. Wie relevant dieser Aspekt mittlerweile ist, wurde unter anderem durch den überdurchschnittlich heißen Sommer des Jahres 2022 deutlich.

Grundsätzlich gilt für einen Lieferservice mit dem Ziel der Nachhaltigkeit: Je weniger CO2 der Betrieb für die Produkte und die Lieferung verbraucht, desto größer ist der Effekt mit einem Blick auf den Klimawandel. Auch die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll kann durch eine Anpassung der Verpackungsmaterialien eingedämmt werden (dazu gleich mehr).

Wachsende Käufergruppe und Alleinstellungsmerkmal

Gleichzeitig kann der Lieferdienst wirtschaftlich von einem solchen Konzept profitieren. So ist für immer mehr Menschen ein nachhaltiger Lebensstil in ihrem Alltag wichtig. Eine entsprechende Ausrichtung kann also zu einem schlagkräftigen Kaufargument werden und dabei helfen, den Lieferdienst von Beginn an zukunftsfähig aufzustellen.

Je nach Region, in der der Dienst seine erste Filiale eröffnet, besteht sogar die Chance auf ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, wenn noch keine ähnlichen Unternehmen dort ansässig sind. Solche Umstände würden einmal mehr zu wirtschaftlichen Vorteilen beitragen.

Verwendete Zutaten

Ein erster Schritt in Richtung eines nachhaltigen Lieferservices ist die Verwendung von Zutaten, deren Herstellung und Lieferung einen geringen CO2-Ausstoß verursacht. Diese Strategie hat gleichzeitig Konsequenzen für die Angebotspalette des Dienstes.

Welche Zutaten sind nachhaltig?

Ein wichtiger Aspekt bei der Frage der nachhaltigen Zutaten ist die Regionalität. Je weniger Transportweg für ein Lebensmittel benutzt wird, desto weniger CO2 entsteht logischerweise bei der Fahrt.

Gleichzeitig bedeutet diese Strategie, auf saisonale Lebensmittel zu setzen, die in der entsprechenden Zeit in Deutschland oder sogar in der direkten Region wachsen. Übrigens: Nicht nur der Transport, sondern auch die lange Kühlung eines Lebensmittels, das aus einem anderen Teil der Welt importiert wird, hat ein hohes Maß an Treibhausgasen zur Konsequenz.

Zusätzlich sollten bestimmte Lebensmittel, deren Produktion besonders schädlich für die Atmosphäre ist, bei der Gestaltung Zutatenlisten für die Gerichte ausgeklammert werden. Dazu gehört vor allem Fleisch. Neben hohen Treibhausgasemissionen im Rahmen der Produktion werden für die Züchtung wichtige Wälder gerodet.

Besonders klimaschädlich ist Rindfleisch. Die Treibhausgasbilanz des Produktes ist um ein Vielfaches höher als bei anderen Sorten wie Schweinefleisch oder Geflügel. Die Produktion von Butter ist sogar noch schädlicher für das Klima als die Fleischherstellung.

Bei anderen Lebensmitteln wiederum ist die schlechte Ökobilanz nicht so offensichtlich. Dazu gehört unter anderem die Avocado. Neben dem Transportweg aus den Produktionsländern wie Peru und Chile benötigt die Frucht exorbitante Mengen an Wasser, das in den jeweiligen Regionen an anderer Stelle fehlt. Das hat zur Folge, dass bestimmte Bereiche im Umfeld der Plantagen regelrecht austrocknen.

Konsequenzen für das Angebot des Lieferdienstes

Die entsprechende Zutatenauswahl hat gleich mehrere Konsequenzen für das Angebot des Lieferservices. Zum einen resultieren daraus immer wieder wechselnde Speisen durch die Orientierung an der jeweiligen Saison.

Darüber hinaus glänzen die Speisen durch eine besondere Frische, die ebenfalls aus der Regionalität der Zutaten resultiert. Diese Abwechslung sowie die hohe Qualität sollte der Betreiber offensiv als Mehrwert vermarkten.

Verwendete Verpackungsmaterialien

Ein weiterer Schritt zu einem nachhaltigen Lieferdienst ist ein Blick auf die verwendeten Verpackungsmaterialien. Dabei spielen mehrere Optionen eine Rolle, zu welchen zählen:

  • Mehrwegverpackungen,
  • Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen, Karton und Papier
  • sowie grundsätzlich Verpackungsmaterialien, die plastikfrei sind.

Möglichkeiten für nachhaltige Verpackungen

Mehrwegverpackungen in einem Lieferdienst lassen sich vor allem durch ein Pfandsystem umsetzen. Dabei müssen dann Details wie die Rückgabemodalitäten beachtet werden. Einwegverpackungen, die genutzt werden, sollten aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Um möglichst kein Plastik zu nutzen, können Tüten und Einwegbesteck aus Papier, Karton und Zellulose genutzt werden. Letzteres hat eine besondere Bedeutung: Schließlich landet ein nicht geringer Teil des Plastikmülls in den Weltmeeren und verursacht dort vielseitige Probleme.

Details zum Material und der Entsorgung

Einen konkreten Aufschluss darüber, wie das jeweilige Material zielführend entsorgt werden muss, geben die sogenannten Recycling-Codes. Diese bestehen aus mehreren Komponenten: Einem Symbol, einem Kürzel und einer Nummer.

Teilweise werden nur zwei dieser Elemente für die Kennzeichnung genutzt. Neben dem richtigen Weg der Entsorgung zeigen die Kürzel Details zum jeweiligen Material auf, die bei einer nachhaltigen Kaufentscheidung helfen können.

Nachhaltigkeit bei der Auslieferung

Ein dritter Schritt zu einem nachhaltigen Lieferservice ist die Art der Auslieferung. Dabei gibt es grundsätzliche Faktoren, die zu beachten sind, sowie individuelle Details. Zu den wichtigen Elementen einer CO2-armen und somit nachhaltigen Auslieferung der Speisen zählen vor allem:

  • die genutzten Fahrzeuge
  • sowie eine effiziente und sinnvolle Planung.

Mögliche Fahrzeuge für die Auslieferung

Eine sinnvolle Alternative zu einem normalen Benziner oder Diesel ist ein Elektroauto. Dadurch können langfristig Emissionen gespart werden. Wichtig dabei ist die Reichweite, die für einen Lieferdienst natürlich möglichst hoch sein sollte.

Zusätzlich ist Planung von Nöten, damit die Fahrzeuge stets ausreichend aufgeladen sind. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung eines Fahrzeugs mit Wasserstoffantrieb – oder einer Kombination von Wasserstoff und Elektrizität in Form eines Hybrids.

Eine weitere Option, die eine noch bessere CO2-Bilanz aufweist, ist die Nutzung des Fahrrads. Gerade in einer großen Stadt kann diese Möglichkeit für Lieferungen in direkter Umgebung des Dienstes genutzt werden.

Für längere Lieferstrecken ist die Nutzung der nachhaltigen PKW-Typen sinnvoller – schließlich sollen die Kunden nicht zu lange auf ihre Bestellung warten. Im dichten Verkehr einer Stadt kann eine Auslieferung mit dem Fahrrad gerade für kurze Distanzen wiederum Vorteile bezüglich der Lieferzeit mit sich bringen.

Eine effiziente Planung der Lieferungen

Nicht minder wichtig ist eine effiziente Planung. So sollten die Touren so strukturiert sein, dass dabei möglichst wenig Strecken zurückgelegt werden müssen – im besten Fall werden mehrere Bestellungen auf einmal ausgeliefert.

Durch die kürzeren Wege wird ein effizientes und nachhaltiges Haushalten mit dem jeweiligen Kraftstoff möglich. Allerdings gibt es hierbei Grenzen: So sollte darauf geachtet werden, dass die Kunden nicht zu lange auf ihre Bestellungen warten müssen.

Marketing für einen nachhaltigen Lieferdienst

In einem letzten Schritt sollte der Besitzer überlegen, wie er ein sinnvolles Marketing für seinen nachhaltigen Lieferdienst betreiben kann. Ein gängiger Weg ist neben Flyern vor allem die Nutzung der sozialen Medien.

Durch regelmäßige Posts kann die Vielfalt und Abwechslung im Angebot des Dienstes präsentiert werden. Gleichzeitig ist ein hohes Maß an Transparenz und offensiver Kommunikation von Bedeutung.

Dabei sollte in Texten und Videos aufgezeigt werden, durch welche Handlungen und Strategien der Lieferservice einen besonderen Mehrwert für die Nachhaltigkeit herstellt. Die entsprechenden Infos sorgen für eine gewisse Glaubwürdigkeit, die es deutlich leichter macht, ein gewisses Vertrauen zu schaffen und begeisterte Kunden zu finden.

Fazit

Eine nachhaltiger Lieferservice bietet den großen Vorteil, in einem modernen und zukunftsfähigen Marktsegment durchzustarten. Bei der Umsetzung spielen die für die Gerichte verwendeten Zutaten, die Art der Auslieferung sowie die Verpackungsmaterialien eine wichtige Rolle. Schlussendlich sollte ein transparentes und offensives Marketing.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten beim "Burger Dialog" in einem Berliner McDonald's Restaurant über die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement von rund 27 Millionen Menschen in Deutschland.

60 Seconds to Napoli eröffnet im Juli ihren zweiten Standort in München. Wie die Gustoso Gruppe mitteilt, entsteht das neue Restaurant in der Hohenzollernstraße 11 in Schwabing, wo zuvor ein Betrieb der Marke Cotidiano ansässig war. 

Die Unternehmensgruppe Lerch Genusswelten hat das Restaurant und die Eventlocation „Die Villa“ in Biberach eröffnet. Das Gebäude aus dem Jahr 1915 wurde in den vergangenen Monaten saniert und für die gastronomische Nutzung umgebaut.

«In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh'n, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh'n.» So lautet der Refrain eines DDR-Schlagers von 1969. Für das legendäre Lokal gibt es nun ein Comeback.

Die niederländische Gastronomiemarke Zusje plant einen zweiten Standort in Deutschland. Wie das Unternehmen mitteilt, soll das neue Restaurant Ende Juli 2026 im Andreas Quartier in Düsseldorf eröffnen. Der Standort befindet sich an der Mühlenstraße 32 in der Düsseldorfer Altstadt.

Der Gründer der Bewegung Slow Food, Carlo Petrini, ist tot. Wie die Organisation Slow Food mitteilte, starb Petrini am 22. Mai 2026 im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren.

Der französische Sternekoch Guy Savoy ist als erstes Mitglied aus der Gastronomie in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen worden. Mit der Aufnahme des 72-Jährigen gehört erstmals ein Koch der traditionsreichen französischen Kunstakademie an.

Balthasar Ress und die Kuffler Gruppe betreiben jetzt gemeinsam die Ress & Rosso Weinlounge am Opernplatz in Frankfurt am Main. Das Angebot befindet sich direkt vor der Fassade der Alten Oper, gegenüber dem Eingang des Café Rosso.

Fahrdienstleister Uber ist an einer Komplettübernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero interessiert. Das Unternehmen bestätigte ein Interesse durch den US-Konzern, der bereits ein Fünftel der Anteile hält und Zugriff auf weitere Aktien hat.

Musik vom Plattenteller, wohlige Atmosphäre, entspannter Hörgenuss. Immer mehr Listening-Bars öffnen, scheinen einen Nerv zu treffen. Draußen «ballert der Alltag», drinnen kommt man gemeinsam runter.